Karten für das Duell mit dem FC Bayern in Berlin sind gefragt: Viele VfB-Fans bewerben sich um Endspiel-Tickets – nicht alle werden welche bekommen. Foto: Montage: Kruljac

Die VfB-Fans fiebern dem Pokalfinale am 1. Juni gegen den FC Bayern München entgegen - doch der VfB Stuttgart wird nur 21.000 Tickets für seine Anhänger zur Verfügung haben. Dauerkartenbesitzer fordern nun mehr Rechte.

Stuttgart - Das Berliner Olympiastadion ist am 1. Juni das Traumziel der VfB-Fans. Die Euphorie vor dem Pokalfinale ist groß - die Nachfrage nach den 21.000 Karten, die dem VfB Stuttgart für das Endspiel gegen den FC Bayern München zustehen, ist riesig. Dabei ist schon jetzt klar: Es wird viele Verlierer geben.

Das Problem

Jedes VfB-Mitglied kann sich um eine Karte fürs Pokalfinale am 1. Juni gegen den FC Bayern München bewerben und so an der Verlosung der Tickets teilnehmen. So weit, so einfach. Komplizierter ist der Vergabeschlüssel bei den Dauerkartenbesitzern: Eine Dauerkarte berechtigt zur Bestellung einer Finalkarte, zwei bis fünf Saisontickets berechtigen zur Bestellung von zwei Tickets, bei sechs bis zehn Dauerkarten kann man sich für drei bewerben. Und bei mehr als zehn Dauerkarten ist es möglich, fünf Tickets anzufordern.

Helmut Retter, der für sich und seine Freunde 22 Dauerkarten gekauft hat, bringt diese Regelung auf die Palme. „Wir gehen schon lange zu jedem Spiel“, sagt der Stuttgarter, „und das würden wir jetzt auch gerne beim Finale so machen.“ Das Problem: Retter hat – wenn er bei der Verlosung Glück hat – nur Anspruch auf maximal fünf Finaltickets. Mindestens 17 seiner Freunde müssten zu Hause bleiben. „Da fährt man schon mit einer miesen Stimmung nach Berlin“, klagt er, „dem VfB muss es doch wichtig sein, dass die Fans die Mannschaft bestmöglich unterstützen.“

Retter fordert gleiches Recht für alle. Im Klartext: Jeder Dauerkartenbesitzer soll die gleiche Chance haben auf ein Ticket wie ein Mitglied. In Retters Fall hieße das, dass alle 22 Anfragen in die Verlosung kämen – und nicht nur fünf. „Wir 22 Dauerkartenbesitzer gehen zu jedem Spiel, tun uns Partien gegen Genk oder im Pokal gegen Bochum und Köln an – und als Dank werden wir mit der Aussicht auf fünf Tickets für Berlin abgespeist“, sagt er: „Das geht so nicht – zumal ich dem VfB ja schon seit Jahren quasi die Arbeit abnehme und unsere Dauerkarten unter den gleichen Leuten verteile und verkaufe – ich bin ja jetzt der doppelte Depp.“

Erschwerend hinzu kommt, dass Dauerkartenbesitzer, die gleichzeitig Mitglied sind, keine zwei Bestellungen abgeben können – denn der VfB führt bei seinen Anhänger Kundennummern und kann so Doppel-Bestellungen herausfiltern. Unter den rund 30 000 Dauerkartenbesitzern sind nach Vereinsangaben nur rund 8200 Club-Mitglieder – theoretisch können sich unter den Dauerkartenbesitzern also nur wenige auf eine Mitglieder-Karte im Finale bewerben und so den harten Verteilungsschlüssel umgehen.

Auch Uwe Surdmann aus Leinfelden-Echterdingen ist deshalb verärgert. Er besitzt acht Dauerkarten – somit stünden ihm bei der Verlosung höchstens drei Finaltickets zu. „Ein Unding“, sagt Surdmann, „man erhofft sich doch als Dauerkartenbesitzer, dass man bei den großen Spielen zum Zug kommt, dass man auch dann neben seinen Freunden sitzen kann. Unter anderem deshalb zahlt man ja für sein Dauerticket und nimmt auch solche Spiele wie gegen Molde oder Bukarest in der Europa-League auf sich.“ Dafür erwarte man dann aber zumindest die gleichen Rechte, die ein „normales VfB-Mitglied hat, das ja bei weitem nicht zu jedem Spiel geht“, sagt Surdmann.

Das sagt der VfB

Der VfB hat rund 43.000 Mitglieder, dazu kommen die 30.000 Dauerkartenbesitzer und 15.000 Mitglieder aus den offiziellen Fanclubs sowie die Businesspartner. Für das Endspiel in Berlin bekommt der VfB rund 21.000 Karten. Wie der Club aus Cannstatt seine Tickets unter den vier Gruppierungen genau verteilt, ist unklar. Vom Verein gibt es dazu keine genaue Auskunft – Mediendirektor Max Jung verrät nur so viel: „Bei den Fanclubs werden jene bevorzugt behandelt, die häufiger im Stadion waren als andere.“

Auf die Beschwerden der Dauerkartenbesitzer angesprochen, meint Jung: „Es ist klar, dass es bei so vielen Bestellungen Enttäuschungen geben wird. Wir fühlen mit jedem Fan, der keine Karte bekommt. Wir wollen niemanden enttäuschen, aber irgendwo muss man anfangen, Grenzen zu ziehen.“

Wie im Fall von Helmut Retter und den 22 Dauerkarten. Die Gruppe der Interessenten würde irgendwann zu groß werden, sagt Max Jung – das sei die Begründung, warum man die Beschränkungen vornehme. Die Bestellfrist für die Finaltickets läuft beim VfB am 28. April ab, bisher sind insgesamt 10 000 Bestellungen eingegangen. Der Club rechnet aber damit, dass die Nachfrage das Angebot am Ende deutlich übersteigen wird.

So macht es der FC Bayern

Der Verteilungsschlüssel der Münchner ist einfach. Jedes Mitglied konnte sich für maximal zwei Karten bewerben, jeder Fanclub für maximal 20. Die Bestellfrist lief am Montagnachmittag ab – in den nächsten Tagen entscheidet unter allen Anfragen (mehr als 100.000) das Los. Beim FC Bayern gilt: Gleiches Recht für alle Mitglieder und Fanclubs. Im Gegensatz zum VfB unterschiedet der Rekordmeister nicht nach Dauerkartenbesitzern und Mitgliedern, denn beim FC Bayern muss man – im Gegensatz zum VfB – von vornherein Mitglied sein, um überhaupt eine Dauerkarte erwerben zu können. Beide Finalisten bekommen 21.000 Karten – die restlichen 35.000 Tickets auf den neutralen Plätzen wurden vor den Halbfinalpartien über die Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes angeboten. Sie sind längst ausverkauft. Bei der Internet-Ticketbörse Viagogo kostet die billigste Karte zurzeit 385,93 Euro – für die Reise des VfB mit Flug und zwei Übernachtungen im Doppelzimmer im Fünf-Sterne-Hotel (ohne Eintrittskarte) sind pro Person 1549 Euro fällig.

Für viele Fans bleibt jetzt das Prinzip Hoffnung. „Und wenn es nicht klappt“, sagt Dauerkartenbesitzer Uwe Surdmann, „fahren wir trotzdem mit allen acht Mann nach Berlin und unterstützen den VfB.“

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