Wolfgang Dietrich ist zuversichtlich, den zweiten Partner in der laufenden Saison zu präsentieren. Foto: Baumann

Auch 17 Monate nach der Ausgliederung lässt der zweite Investor beim VfB weiter auf sich warten. Laut Präsident Wolfgang Dietrich ist der Club „in guten Gesprächen“. Macht ein professioneller Vermarkter das Rennen?

Suttgart - Die komplizierte Partnersuche, welche der Präsident Wolfgang Dietrich und sein Finanzchef Stefan Heim von Beginn an zur Chefsache erklärt haben, sie wartet weiter auf ihr Happy End. Trotz leichter Verzögerung allerdings, da bleibt der VfB standhaft, soll es zum guten Schluss eines geben. Zunächst aber ist für die Mitglieder weiter Geduld gefragt. Denn das Vorhaben der Stuttgarter Fußballbosse, im Zuge der Ausgliederung ihrer Profifußball-Abteilung in die VfB Stuttgart 1893 AG nach dem Ankerinvestor Daimler einen zweiten Kapitalgeber zu finden, es erinnert ein wenig an einen Tanz auf seifigem Parkett. Die Stuttgarter sind aktuell Letzter der Fußball-Bundesliga – also hat die Marke VfB frische Image-Schrammen abbekommen. Das haben auch potenzielle neue Investoren notiert.

Ursprünglich war der sportliche Abschwung im Fünfjahresplan des Wolfgang Dietrich vom Herbst 2016, an dessen Ende sich der VfB dauerhaft im oberen Drittel der Tabelle wiederfinden will, ja gar nicht vorgesehen. Doch Dietrich und Heim stehen wie die komplette VfB-Führungsriege weiter „bei ihren Mitgliedern im Wort“, wie sie selbst betonen. Ein zweiter Investor soll her. Dies ist spätestens seit jenem 1. Juni 2017 das Ziel, als der neue Stuttgarter Weg von der Basis mit einem überwältigenden Votum von 84,2 Prozent an Jastimmen ­geebnet wurde.

Schließlich ist frisches Kapital nötig, um im Bundesliga-Business wettbewerbsfähig zu bleiben, so lautete damals wie heute die Argumentation für eine Ausgliederung in eine nicht börsennotierte AG. 41,5 Millionen Euro überwies die Daimler AG im ersten Schritt für 11,75 Prozent der Anteile an den VfB. Und auch die weitere Zukunft wurde seinerzeit klar umrissen: Bis zu 24,9 Prozent seiner Anteile will der Traditionsclub insgesamt veräußern, so Dietrichs ehrgeiziger Masterplan, während man im Gegenzug dafür in Summe 100 Millionen Euro zu generieren gedenkt.

Der Zeitplan gerät ins Wanken

Auch ein Zeitplan begleitete von Beginn an das Projekt Ausgliederung, dessen Kritiker stets die Aufgabe der Selbstbestimmung zugunsten externer Geldgeber anmahnten. Noch im Herbst 2017 brachten Dietrich wie auch der Finanzchef Heim in öffentlichen Gesprächsrunden ihre Zuversicht zum Ausdruck, Mitte 2018 könne es mit dem Einstieg eines zweiten Investors klappen.

Dann stürzte ihr VfB im vergangenen Winter in der Tabelle ab. Also wurde die heiße Phase der Gespräche mit den Interessenten erst eingeläutet, als klar war, dass der Verein für Bewegungsspiele weiter erstklassig spielt. „Wir haben immer betont, dass wir einen strategischen Partner suchen, der weiß, wie ein Fußballclub tickt. Mit dem es also auf mehreren Geschäftsfeldern natürliche Anknüpfungspunkte gibt, über die der VfB weiter gesund wachsen kann“, sagt Dietrich zum Profil des zweiten Investors, den der VfB nun spätestens zum Ende dieser Saison präsentieren will.

Würth, Puma und Kärcher winken ab

Konkretes ist vom Club über die Qualität der Kandidaten auch auf Anfrage nicht zu erfahren. Die Firmen Würth, Puma und Kärcher zählten einst zum Kreis der möglichen Zweitpartner neben dem Ankerinvestor Daimler. Porsche war aufgrund der Konkurrenz zu Daimler dagegen nie ein Thema. Diese Planspiele mit regionalem Bezug stammen allerdings aus einer Zeit, als das Projekt Ausgliederung in der Ära des VfB-Präsidenten Bernd Wahler noch in den Kinderschuhen steckte. Erst der Wahler-Nachfolger Dietrich hatte die Ausgliederung mit seinem Team auch gegen Widerstände tatkräftig umgesetzt, sieht sich nun aber schon wieder einer sportlichen Talfahrt seines Clubs konfrontiert.

Ohnehin hat Dietrich das Feld der Kandidaten bereits erweitert. Denn Kärcher und Co. haben längst abgewinkt; auch andere schwäbische Wirtschaftsgrößen wie der Waiblinger Maschinenbauer Stihl zeigten kein Interesse, während etwa der Global Player Bosch nicht in den Fußball, sondern lieber in Kunst und Kultur investiert. „Es geht um eine von beiden Seiten gelebte Partnerschaft. Das ist unsere Maxime, das ist unser Anforderungsprofil“, ergänzt Dietrich, der bereits im vergangenen Herbst erklärte, es sei „zweitrangig, ob der Partner aus der Region kommt oder nicht. Es muss von den Zielen passen.“

Ein Vermarktungsexperte als künftiger Partner?

Klar ist inzwischen, dass der VfB keinen reinen Finanzinvestor sucht: „Wir haben immer gesagt, dass wir nicht nur jemanden wollen, der Geld bringt, sondern auch einen Mehrwert für den Club“, sagt der 70-jährige Vereinschef. Längst wirbt der VfB auch mit einer internationalen Präsentation um neue Partner. Dass man an der Mercedes­straße unlängst eine Vereinskooperation mit dem chinesischen Erstligisten Guangzhou R&F verkündete, ist aber kein Fingerzeig. Eher wäre ein Unternehmen mit Kompetenzen bei der Vermarktung als Investor denkbar, das neben Geld auch sein Know-how im Verein einbringt.

Allerdings käme auch frisches Kapital dem VfB schon wieder gelegen, da die im Sommer mit fast 35 Millionen Euro verstärkte Mannschaft den Erwartungen deutlich hinterherhinkt. Weitere Neuzugänge sollen daher auf dem Wintertransfermarkt verpflichtet werden. Gibt es bis dahin keinen zweiten Investor, müsste der VfB wohl oder übel ins finanzielle Risiko gehen. Dies geschähe dann auch in der Annahme, dass der französische Weltmeister Benjamin Pavard nach Saisonschluss für die festgeschriebene Summe von 35 Millionen Euro zum FC Bayern wechselt.