Blogger Jonas Bischofberger analysiert die VfB-Spiele. Foto: STZN

Nach den Extremen der VfB-Spiele zuletzt haben die Roten gegen 1860 München zu einer stabilen und pragmatischen Spielweise zurückgefunden, meint Blogger Jonas Bischofberger. Aber ob das gegen starke Ligagegner reichen wird?

Stuttgart - Ein Schuss Pragmatismus bringt den VfB Stuttgart erst einmal zurück in die Spur. Mit weniger Risiko im Spielaufbau und verstärktem Fokus auf die Flügelspieler behält der VfB gegen die kriselnden Münchener Löwen die Oberhand.

– Hannes Wolf stellt auf 4-2-3-1 um

– 1860 fehlt der Zugriff auf die Sechser und Flügelspieler

– Stuttgart noch mit Nachholbedarf im Pressing

Den Ausfall von Hajime Hosogai und die vergangene 0:5-Niederlage in Dresden nahm Hannes Wolf zum Anlass, seine Mannschaft ein wenig konservativer ein- und aufzustellen als zuletzt. Im Aufbauspiel suchte man nicht mehr so konsequent den kurzen, flachen Ball, sondern eröffnete direkter in die Offensivräume. Häufig suchte der VfB dabei die Flügel und versuchte dort seine Angriffe durchzuziehen. Folglich standen auch fußballerisch starke Zentrumsspieler wie Pavard, Maxim und Grgic nicht in der Startelf.

Ohne Hosogai wurde auch die Formation angepasst. Anstatt des 4-2-3-1/4-1-4-1-Mischsystems aus den Vorwochen, spielte der VfB nun ein klares 4-2-3-1. Gentner und Zimmermann traten als gleichberechtigte Doppelsechs auf und hielten sich im Offensivspiel gleichermaßen zurück. Gerade Gentner spielte überraschend tief und zeigte nur gelegentlich seine typischen Vorstöße. Die Idee dahinter war, dass man mit einem direkteren Spielaufbau weniger Wert auf die Verbindung zwischen offensivem und defensivem Mittelfeld legen konnte. So erkaufte man sich mit den tiefen Sechser wiederum eine gute Konterabsicherung.

München mit Problemen im Pressing

1860 reihte sich gegen den Ball in einem unspektakulären 4-4-2 auf. Besonders war daran, dass Rechtsaußen Aycicek etwas zentraler spielte als sein Pendant auf der linken Seite. Außerdem lösten sich die Außenverteidiger immer wieder aus der Viererkette und hefteten sich an Asano und Mané. Dadurch sollte der Freiraum, den der einrückende Aycicek ließ, kontrolliert und Druck auf die Flügelspieler gemacht werden. Diese Vorgehensweise war aber nicht ganz ohne Risiko. Asanos Läufe hinter die Abwehr und Manés Dribblings im Eins-gegen-Eins zu verteidigen war für die Außenverteidiger nicht konstant machbar und brachte zwangsläufig die eine oder andere gefährliche Szene hervor.

Problematisch war auch, dass die beiden Spitzen im Pressing nicht an das Mittelfeld heranrückten und sich stattdessen direkt für den möglichen Konter in Stellung brachten. Dadurch konnte der VfB den Ball aus den Offensivzonen einfach auf Gentner oder Zimmermann zurücklegen, ohne dass diese unter Druck gesetzt wurden. Die eher geringen Aufbauqualitäten der beiden wurden damit kaum ausgenutzt. So fehlten Sechzig am Ende die Ballgewinne, um zu wirklich gefährlichen Kontern zu kommen. Das lag auch daran, dass der VfB mit seinen Flügelangriffen auf Sicherheit spielte, um Ballverluste im Zentrum zu vermeiden. Zudem war vor allem Mané auch einfach schwer vom Ball zu trennen.

Zu wenig Präsenz gegen Stuttgarts anfälliges Zentrum

Defensiv überzeugte der VfB erneut nur bedingt. Das zentrale Mittelfeld war ein wenig anfällig, da Zimmermann und Gentner ausweichende Läufe, etwa von Neuhaus, eng verfolgten und sich so aus der Mitte herausziehen ließen. Insgesamt waren die Bewegungen der Spieler wenig verzahnt und nur von mäßiger Intensität; die Kompaktheit des VfB war allenfalls durchschnittlich. 1860 gelang es allerdings kaum, das im Kollektiv auszunutzen. Mit dem jungen Florian Neuhaus auf der Zehn und infolge einer recht defensiv besetzten Doppelsechs fehlte ihnen die Präsenz im Offensivzentrum. Ihre einzige Gefahrenquelle waren individuelle Aktionen von Victor Andrade, der sich in den Zwischenräumen von Stuttgarts Formation herumtrieb und ausgesprochen aggressiv in Eins-gegen-Eins-Situationen ging.

Das gelegentliche Angriffspressing des VfB funktionierte wiederum gut und half dabei, die Sechziger nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. So standen die Stuttgarter alles in allem recht stabil und setzten dank ihrer individuellen Klasse mehr Nadelstiche als der Gegner. In der zweiten Hälfte hätte der VfB seine Führung sogar noch ausbauen können, da 1860 immer hektischer agierte und die Abwehrspieler vereinzelt kopflos herausrückten. Die zahlreichen Chancen um die 70. Minute herum wurden aber nicht genutzt, sodass der VfB bis zum Ende zittern musste.

Das Fazit

Es war ein Arbeitssieg auf Basis einer kontrollierten und im Vergleich zu den Vorwochen weniger kreativen Ausrichtung. Nachdem der VfB in den vorherigen zwei Spielen beide Extreme des Fußballs erlebt hatte, ist der Schritt zu mehr Pragmatismus und Stabilität ein logischer Schluss. Ob das auch gegen die stärkeren Gegner der Liga reichen wird, muss sich zeigen. Was sich gezeigt hat, ist, dass Hannes Wolf nicht dogmatisch an einer Formation oder konkreten Ausrichtung hängt, sondern durchaus in der Lage ist, seine Mannschaft an veränderte Gegebenheiten anzupassen.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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