KNITZ ist irritiert über das Plakat zu einer Hochzeitsmesse. Unser Kolumnist fragt sich: Ist Heiraten nur noch Frauensache?
Falls es noch des Beweises bedarf, dass der Mann dem Weibe Untertan ist, er also seine beste Zeit hinter sich hat: KNITZ hat ihn gefunden. Er entdeckte ihn auf einer Durchgangsstraße in BB. Gleich mehrfach.
Für Nicht-Ortskundige: Früher stand BB für Brigitte Bardot. Die große Brigitte Bardot, muss man wohl sagen. Die Schauspielerin, Sängerin, das Model. Ist eigentlich noch der Begriff Sexsymbol gebräuchlich? Spätestens seit Brigitte Bardot ihre Pelzmäntel fallen ließ und sich dem Tierschutz zuwandte, weiß alle Welt: BB steht für Böblingen.
Nichts gegen Frauen in der Überzahl
Und in eben jenem Böblingen, das KNITZ auch wegen seiner gut ausgebauten Durchgangsradwege vergöttert, hat er den Beleg gefunden, dass der Mann, also im Grunde auch KNITZ, ein Auslaufmodell ist. Seit Wochen wird im schönen BB für eine Hochzeitsmesse im vermutlich nicht weniger schönen Sindelfingen getrommelt (Stadthalle, 11. und 12. März). Mit Plakaten, auf denen Frauen zu sehen sind. Ausschließlich Frauen.
Verstehen Sie KNITZ jetzt bitte nicht falsch. Er hat nichts gegen Frauen, auch nicht, wenn sie in der Überzahl sind. Oft schon hat er Vorträge vor angehenden Journalistinnen und Journalisten gehalten. Das Verhältnis Männlein-Weiblein war nicht selten neun zu eins zugunsten der Frauen. KNITZ hat das nie gestört.
Zudem sind die Plakatfrauen hübsch anzuschauen. KNITZ hebt gern den Kopf, wenn er an den Reklametafeln vorbeifährt. Aber aus Sicht der Gleichberechtigung, findet er, hätten ein, zwei Herren nicht geschadet.
Was KNITZ neulich von Außerirdischen behauptet hat, gilt auch für Männer: Auch die haben Gefühle. Sie wollen geliebt werden. Oder zumindest gestreichelt. Oder wenigsten in dem Glauben alt werden, dass sie besser einparken.
Ein Mann mit Brautkleid wäre auch okay
Von KNITZ aus hätten Männer auf dem Plakat gern Brautkleider tragen dürfen, da ist er nicht so zimperlich. Außerdem wär’s dann ein echter Hingucker.
Natürlich weiß er, dass es heutzutage auch denkbar ist, dass zwei Frauen vor dem Traualtar stehen, wenn auch nicht in jeder Kirche. Grundsätzlich findet er das okay. Aber hin und wieder, hat KNITZ sich sagen lassen, würden sich auch eine Frau und ein Mann das Ja-Wort geben. Vielleicht aus alter Gewohnheit, aber immerhin.
Eventuell stört sich nur KNITZ an dem Plakat, der Rest der Welt fährt vorbei und sagt sich: „Superinfo, Mädels, da geh’n wir hin!“ Und Männer jubeln: „Superinfo, muss ich gleich meinem Schatz sagen. Die will da bestimmt hin. Dann kann ich mit meinen Kumpels kegeln gehen.“
Bei Reklame hat KNITZ schon immer sensibel reagiert. Wie erleichtert war er, als Automobilmessen nicht mehr mit abfotografierten Schlitten um ihre Gunst warben, auf deren Motorhauben Frauen lagen. KNITZ fand das unmöglich, vor allem weil man den Wagen nie richtig sah.
Wenigstens ein Brautvater wäre nett gewesen
Ganz ausschließen will auch der Veranstalter die Eheschließung zwischen Mann und Frau nicht. Immerhin ist die Messe „Mr & Mrs“ benamst. Aber wenigstens ein Brautvater hätte aufs Plakat gehört, findet KNITZ. Der zahlt ja immerhin die Zeche. Oder ist das auch schon Geschichte?