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Obwohl Daimler-Chef Dieter Zetsche Kündigungen in Sindelfingen ausgeschlossen hat, hält der Widerstand gegen die Umzugspläne der C-Klasse an.

Stuttgart - Obwohl Daimler-Chef Dieter Zetsche im Interview mit dieser Zeitung Kündigungen in Sindelfingen ausgeschlossen hat, hält der Widerstand gegen die Umzugspläne der C-Klasse an. "Lose Versprechen beruhigen die Sindelfinger Belegschaft nicht", erklärte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm.

Beim Protestzug in die Sindelfinger Innenstadt marschierte Klemm ganz vorne mit, dabei brodelte es in dem Betriebsratschef. Dass Zetsche mit der Presse spricht, aber auch zwei Tage nach der Entscheidung noch nicht vor seine Belegschaft getreten ist, mache ihn "sauer, ich habe Herrn Zetsche aufgefordert, sich direkt der Diskussion mit der Belegschaft zu stellen". Gelegenheit dazu habe er auf einer zusätzlichen Betriebsversammlung am Montag nächster Woche. Klemm: "Ich hoffe er kommt."

Auch am Freitag hielt die Empörung über die Umzugspläne des Daimler-Vorstands für die C-Klasse-Baureihe an, in einem zweistündigen Protestmarsch durch die Sindelfinger Innenstadt machten erneut mehrere Tausende Beschäftigte ihrem Unmut lautstark Luft. Danach ging die Frühschicht nach Hause, für Daimler bedeutete das erneut einen stundenlangen Arbeitsausfall. Für den Nachmittag waren weitere Demonstrationen geplant, Zetsches Aussage, dass in Sindelfingen durch den Abzug der C-Klasse kein Arbeitsplatz gefährdet sei, schmälerte den Kampfeswillen der Belegschaft keineswegs.

"Lose Versprechen beruhigen die Sindelfinger Belegschaft nicht, das haben die Proteste der vergangenen Tage gezeigt. Was wir brauchen, sind harte Zusagen für Produkte und Aufgaben, die dauerhaft unsere Arbeitsplätze sichern", sagte Klemm. Der IG-Metall-Sekretär Uwe Meinhardt sagte, er sei erst dann beruhigt, "wenn in einer Vereinbarung festgeschrieben wird, dass die Arbeitsplätze auch bis weit nach 2015 hinaus gesichert sind".

Die C-Klasse wird von 2014 an nicht mehr in Sindelfingen, sondern in den Werken in Bremen, in den USA, in Südafrika und China produziert. Für 2015 oder 2016 erwarten die Arbeitnehmervertreter den Modellwechsel bei der E-Klasse. "Die vorhandenen Baureihen der E- und S-Klasse mit ihren Varianten müssen für Sindelfingen garantiert werden", forderte Klemm.

Zetsche begründet die Verlagerung unter anderem damit, dass nah am Absatzmarkt produziert werden müsse, um Wechselkursrisiken auszuschließen. Bei der C-Klasse habe man überspitzt gesagt, nicht vor der Alternative gestanden, "die C-Klasse in Sindelfingen für die USA zu produzieren, sondern ob wir sie für die USA überhaupt noch produzieren können". Diese Argumentation habe ihn "erschreckt", sagte Meinhardt, so handle kein Treiber der Entwicklung, sondern der "Getriebene: Zetsche manövriert sich immer mehr in ausweglose Situationen hinein." An der Abwehrhaltung von Gewerkschaft und Betriebsrat gegenüber der Verlagerung habe sich nichts geändert.

Widerspruch kam am Freitag erneut auch aus der Politik: "Es gab sehr wohl Erfolg versprechende Alternativen zum Abzug der C-Klasse-Produktion aus Sindelfingen", erklärte der SPD-Landesfraktionschef Claus Schmiedel. Kommende Woche will sich der Landtag nun in einer Plenarsitzung mit den Entwicklungen bei Daimler auseinandersetzen. "Die Belegschaft braucht nun konkrete Pläne, wie die Beschäftigung am Standort gesichert werden kann", sagte Schmiedel.

Laut Klemm beginnen die Verhandlungen darüber am Wochenende. Am Montag und Mittwoch wollen die Arbeitnehmervertreter in allen drei Schichten die Mitarbeiter auf Betriebsversammlungen über den Stand der Gespräche informieren. Dem Autobauer droht also abermals ein Arbeitsausfall, Restriktionen erwartet Klemm daraus aber nicht: "Ich glaube dem Unternehmen ist bewusst, dass das den Konflikt noch verschärfen könnte."

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