Hundestaffeln suchten nach dem vermissten Jungen (Archiv). Foto: 7aktuell.de/Moritz Bassermann

Eine Suche mit Hundestaffeln, Polizeihubschrauber und Öffentlichkeitsfahndung: Im Mai erregte ein verschwundenes Kind aus Fellbach Aufsehen. Nun sind einige Hintergründe bekannt.

Fellbach - An einem Mittwochabend im Mai verschwand ein zehnjähriger Junge aus seinem Fellbacher Elternhaus – er war nach einem Streit von zu Hause ausgerissen. Die Polizei suchte mit einem Großaufgebot nach dem Kind und veröffentlichte auch ein Foto. Am Tag darauf wurde der Zehnjährige wohlbehalten gefunden. Was sind die Hintergründe des Falles, der viel Aufsehen erregt hat?

Polizei wurde nicht informiert

Nach Angaben der Polizei war ein „banaler Streit“ der Grund dafür, dass der Junge verschwand. „Es war nichts Gravierendes, aber wohl ausreichend für ihn, wegzulaufen“, teilt ein Sprecher mit. Ein 38 Jahre alter Fellbacher habe das Kind dann zufällig entdeckt und gefragt, ob es Hilfe benötige. Der Mann habe den Jungen daraufhin mit zu sich nach Hause genommen, ihm etwas zu essen gemacht und ihn mit seiner Konsole spielen lassen. Anschließend hätten beide in getrennten Betten geschlafen. „Der Mann hat den Jungen zu keiner Zeit gegen dessen Willen festgehalten und ihm am nächsten Tag gesagt, dass er nun wieder zu seinen Eltern gehen muss“, erklärt der Polizeisprecher.

Die Polizei hatte der 38-Jährige hingegen nicht informiert – er habe dem Jungen helfen und ihn erst mal zur Ruhe kommen lassen wollen. Dafür erwartet ihn nun eine Anzeige wegen der Entziehung Minderjähriger, so der Sprecher. Nach Paragraf 235 des Strafgesetzbuchs kann dies mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet werden.

Vermisstenfälle sind selten

Auf die Eltern kommen keine Konsequenzen zu, allerdings wurde das Jugendamt informiert. Die Kosten für die umfangreiche Suchaktion, bei der zahlreiche Polizeistreifen, Spürhunde der Polizei und der Rettungshundestaffel sowie ein Polizeihubschrauber im Einsatz waren, trage bislang der Staat. Denn ein vermisstes Kind zu finden, diene der Gefahrenabwehr und sei somit primäre Aufgabe der Polizei. „Anders wäre es, wenn so ein Vermisstenfall vorgetäuscht werden würde, wenn also das Kind gar nicht weg wäre“, teilt die Polizei mit.

Was allerdings bleiben dürfte, sind die Fotos des Zehnjährigen, die für die Öffentlichkeitsfahndung verwendet und von vielen Menschen vermutlich unzählige Male in den Sozialen Medien geteilt wurden. „Das Internet hat ein ewiges Gedächtnis, komplett aus dem Netz entfernen lassen sich die Fotos nicht“, macht der Polizeisprecher klar.

Generell kämen solche Vermisstenfälle im Rems-Murr-Kreis selten vor, valide Zahlen gebe es nicht. Der Fall des Zehnjährigen fand ein gutes Ende: Eine Passantin entdeckte den Jungen mit seinem Gepäck, verständigte die Polizei und ging ihm hinterher. Er konnte wohlbehalten an seine Mutter übergeben werden.

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