Betriebsrat und IG Metall wollen die drohende Verlagerung von rund 280 Jobs ins Ausland beim Betonpumpenspezialisten Putzmeister nicht kampflos hinnehmen. Die Nachricht hat sowohl Beschäftigte als auch Arbeitnehmervertreter kalt erwischt.
Nicht nur die rund 280 Beschäftigten des Betonpumpenherstellers Putzmeister, die ihre Arbeitsplätze verlieren sollen, sind schockiert. Auch am Stammsitz Aichtal (Kreis Esslingen) hat die Nachricht von der geplanten Schließung der beiden Werke in Gründau (Hessen) und Heimertingen bei Memmingen die rund 1100 Beschäftigten kalt erwischt.
Entsprechend gedrückt war auch die Stimmung bei der Betriebsversammlung am 29. Februar in Aichtal. Tags zuvor waren die Mitarbeiter in den beiden Werken informiert worden, die nun vor dem Aus stehen. „Die Betroffenheit ist groß, wir sind solidarisch“, sagt Jörg Löffler, der Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Putzmeister Concrete Pumps und Betriebsratsvorsitzender in Aichtal ist. Die Entscheidung der Geschäftsführung, die Produktion ins Ausland zu verlagern kommentiert er als „unternehmerisch völlig sinnfrei“, da sie den Erfolg der gesamten Gruppe gefährde. Man werde die Standorte nicht kampflos aufgeben.
„Fakt ist, dass niemand auf uns zugekommen ist, dass man ein Problem mit der Kostenstruktur hat“, sagt Löffler. Den Beschäftigten im Werk Gründau, das bis Ende 2024 geschlossen und alle 250 Arbeitsplätze in die Türkei verlagert werden sollen, habe die Geschäftsführung noch im Dezember erklärt, dass es das Leitwerk für Stahlbau in der Putzmeister-Gruppe sei und bleibe. Er hält die Entscheidung für falsch, wenn man künftig keinen Stahlbaustandort mehr im Inland habe, zumal Gründau auch das Werk für Anläufe und die Nähe zum Engineering wichtig sei. Die 30 Arbeitsplätze in Heimertingen sollen nach Slowenien verlagert werden.
„Beschäftigte stehen vor finanziellem Ruin“
Man sei von der Nachricht überrumpelt worden, sagt auch Allessandro Lieb, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Esslingen, zumal für die Putzmeister-Standorte ein Standortsicherungsvertrag bis 2028 gelte. Lieb betreut den Standort Aichtal, stimmt sich aber mit seinem Gewerkschaftskollegen Kevin Eckert von der IG Metall Hanau-Fulda ab, der für Gründau zuständig ist. „Es ist eine Putzmeister-Familie“, sagt Lieb. „Die Beschäftigten stehen jetzt vor ihrem existenziellen Ruin“, sagt Alexander Müller, Betriebsratsvorsitzender von Putzmeister in Gründau. In dieser strukturschwachen Region sei das nicht nur völlig unverantwortlich den Beschäftigten gegenüber, sondern auch gegenüber der Region.
Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaft wollen nun mit Hilfe von externem Sachverstand Unterlagen und das weitere Vorgehen prüfen, um die Jobverlagerung zu verhindern. Das Management hatte angekündigt, die Maßgaben der Standortsicherungsvereinbarung würden berücksichtigt und strukturelle Gründe im Markt und im Kundenverhalten angeführt, die angeblich die Schließung der beiden Standorte Gründau und Heimertingen unausweichlich machten.
2023 hat die Putzmeister Gruppe, die seit 2012 zum chinesischen Sany-Konzern gehört, laut Arbeitnehmervertretern einen Umsatzrekord eingefahren. Sie beziehen sich auf Aussagen aus der Geschäftsführung. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor.