In Sindelfingen starben im vorigen Jahr zwei Menschen, weil ein Mercedesfahrer rücksichtslos überholt hat und auf ein entgegen kommendes Auto geprallt ist. Foto: SDMG

2018 hat die Zahl der Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit zugenommen. Die Zahl der Verkehrstoten im Kreis ist von sechs auf 16 gestiegen. Über die Ursachen und die Unfallschwerpunkte hat die Polizei noch keine Erkenntnisse.

Böblingen - Ein 47 Jahre alter Fahrer eines Mercedes-Sportwagens hatte es an jenem Morgen des 27. November besonders eilig. „Mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit“, wie die Polizei später zu Protokoll gab, raste er von Sindelfingen kommend in der Leonberger Straße in Richtung Leonberg. Etwa hundert Meter vor dem Ortsende setzte er um 6.10 Uhr auf der geraden Strecke trotz eines durchgezogenen Mittelstreifens zum Überholen an. Das Risiko des Gegenverkehrs kümmerte den Raser offenbar wenig.

Durch die Wucht des Aufpralls überschlägt sich das Auto

Der Mann stieß frontal mit einem entgegenkommenden VW Polo einer 54 Jahren alten Frau zusammen. Durch die Wucht der Kollision überschlug sich der VW und prallte gegen den nachfolgenden Mercedes eines 57-Jährigen. Die Frau und der 57 Jahre Fahrer sterben an der Unfallstelle. Die beiden gehören zu den insgesamt 16 Verkehrstoten im Kreis Böblingen, die in der jüngst veröffentlichten Verkehrsunfallstatistik des zuständigen Polizeipräsidiums erfasst worden sind.

Mit einer Erklärung, weshalb im Vergleich zum Vorjahr zehn Menschen mehr auf den Straßen im Kreis ihr Leben ließen, tut sich die Polizei schwer. Laut Yvonne Schächtele, einer Sprecherin des Ludwigsburger Präsidiums, lasse sich der Anstieg der Zahl der Verkehrstoten trotz einer Analyse der betreffenden Unfälle nicht konkret begründen. Die Auswertung, bei denen Personen getötet wurden, habe keine signifikante Häufung einer bestimmten Unfallursache ergeben. Auch über die örtlichen Unfallschwerpunkte liegen den Ermittlern keine näheren Erkenntnisse vor.

Pedelec-Fahrer fahren oft zu schnell

Unachtsamkeit und zu schnelles Fahren waren häufig auch der Grund für Unfälle von Radfahrern. Häufig waren die Unfallopfer mit Pedelecs unterwegs. Wie zum Beispiel im Fall eines 80 alten E-Bike-Fahrers, der im Juni vorigen Jahres bei Weil im Schönbuch ums Leben kam. Der Mann wollte die Bundesstraße 464 überqueren und wurde von einem Auto erfasst. Mehr als die Hälfte dieser Kollisionen gehen auf das Konto der Radfahrer. Dabei werden Pedelec-Fahrer meist schwerer verletzt als Radler ohne Elektroantrieb.

Besonders zugenommen hat die Zahl der Unfälle mit Senioren, die angefahren und tödlich verletzt wurden. In den meisten Fällen waren sie nicht selbst schuld. Im Kreis Böblingen waren 2018 insgesamt 139 Fußgänger in einen Unfall verwickelt. Im Bereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, das die Zahlen für die Kreise Böblingen und Ludwigsburg erhebt, starben im Straßenverkehr insgesamt sechs Fußgänger – zwei mehr als 2017. Zwei hatten den Unfall selbst verschuldet. In beiden Kreisen zogen sich im Vergleich zum Vorjahr auch mehr Fußgänger schwere Verletzungen zu: Ihre Zahl stieg von 58 auf 79 an.

Mehr Unfälle mit Kindern

Unter den tödlich verunglückten Radfahrern und Fußgängern wiederum befand sich im Jahr 2018 glücklicherweise kein Kind. Allerdings passierten wieder mehr Unfälle mit den bis zu 14-Jährigen. Im Kreis Böblingen wurden 17 Kinder schwer und 78 leicht verletzt. Im Jahr 2017 haben 14 Kinder schwere und 55 leichte Blessuren erlitten. Rund die Hälfte der Unfälle ging dabei auf das Konto der anderen Verkehrsteilnehmer. In den meisten Fällen waren die Kinder als Radfahrer unterwegs.

Insgesamt betrachtet erhärtet sich der Eindruck, dass die Verkehrsteilnehmer wieder mehr rasen als früher. Bei fast 11 000 Verkehrsunfällen im Kreis Böblingen waren rund 1100 Fahrer zu schnell. Das sind rund acht Prozent mehr Raser als im Vorjahreszeitraum. Am häufigsten kommt es aber zu Unfällen, weil die Vorfahrtsregel nicht beachtet wird. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg wurden 2218 solcher Vergehen mit Folgen registriert. Verkehrsteilnehmer, die beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren Fehler machten, konnten fast 1600 Mal einen Unfall nicht vermeiden.

Mehr Unfälle mit Motorradfahrern

Verkehrsunfälle
: Junge Erwachsene (18 bis 24 Jahre) im Kreis Böblingen waren weniger in Unfälle verwickelt als noch im Vorjahr. Zwei erlitten tödliche Verletzungen, im Vorjahr ist keiner aus dieser Altersklasse im Straßenverkehr gestorben. 128 Menschen zogen sich schwere und 336 leichte Verletzungen zu – das sind vier und sechs weniger als 2017. Die meisten Unfälle verursachten sie selbst.

Unfallursachen:
Zu Verkehrsunfällen kam es auch, weil die Fahrer unter Alkohol (in 345 Fällen, zehn mehr als im Vorjahr) oder Drogen (in 42 Fällen wie 2017) standen. Die Statistik fasst die Zahlen zusammen, zwischen den Kreisen Böblingen und Ludwigsburg wird nicht differenziert. Das gilt auch für Polizeikontrollen. Mit insgesamt 1710 alkoholisierten Fahrern wurden etwa so viele ertappt wie 2017.

Motorradfahrer:
Die Zahl der Unfälle mit Motorradfahrern ist in beiden Kreisen um 48 auf 548 gestiegen. Als mögliche Ursache nennt Yvonne Schächtele, die Sprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, „einen außergewöhnlich schönen und langen Sommer“. 130 (2017: 108) wurden schwer verletzt, 288 der Biker (2017:276) leicht. Rund die Hälfte der Unfälle geht auf das Konto der Motorradfahrer.

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