Der Schillerdurchlass nahe des Ludwigsburger Bahnhofs ist einer der Knackpunkte beim Stadtbahn-Bau: Die favorisierten Hochflurbahnen der SSB passen kaum durch die schmale Unterführung unter den Bahngleisen. Foto: factum/Archiv

Der Kreistag hat eine entscheidende Weiche für den Bau der Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg gestellt: Er will Geld beim Bund beantragen. Viele technische Details sind aber nach wie vor unklar.

Ludwigsburg - Eine Stadtbahn im Landkreis von Remseck über Ludwigsburg bis nach Markgröningen ist am Freitag ein Stück wahrscheinlicher geworden. Denn der Ausschuss für Umwelt und Technik des Kreistags hat in seiner Sitzung beschlossen, das Projekt für ein Förderprogramm des Bundes anzumelden. Die Zustimmung der beteiligten Kommunen vorausgesetzt, soll der Stadtbahnbau im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes finanziell unterstützt werden.

„Diese Entscheidung ist eine Zäsur für die Stadtbahn-Pläne“, sagte der Landrat Rainer Haas am Freitag. Nur durch eine Förderung sei der Bau der Stadtbahn überhaupt realistisch. Die Abstimmung sei auch eine generelle Entscheidung über die Zukunft des Projekts, sagte Haas.

Viele technische Fragen sind noch unbeantwortet

Dementsprechend deutlich hatte der Landrat im Vorfeld auch um die Gunst der Regionalräte geworben. Die Stadtbahn sei ein Befreiungsschlag für die Verkehrssituation im ganzen Landkreis, vor allem aber in der Stadt Ludwigsburg. „Die Möglichkeiten, was den Bau von Straßen angeht, sind dagegen begrenzt“, sagte er. Er habe für ein mögliches „Nein“ des Ausschusses daher nur sehr wenig Verständnis. Doch so weit kam es dann auch nicht: Einstimmig votierten die Räte dafür, die Bahn für die Fördertöpfe des Bundes anzumelden. Dabei wird das Projekt zunächst in einer Kategorie gemeldet, in der sich die am wenigsten konkreten Bauvorhaben wiederfinden. Denn auch das wurde am Freitag im Kreishaus deutlich: trotz der nun erfolgten Entscheidung fehlen noch etliche weitere Schritte, bis tatsächlich eine Stadtbahn durch Ludwigsburg fahren wird.

Mit der Abstimmung hat sich der Kreistag auf eine Variante der Bahn festgelegt: Im Antrag ist ausdrücklich von der sogenannten Hochflurbahn die Rede, wie sie die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) nutzen. In der Vergangenheit waren immer wieder auch Züge mit niedrigerem Einstieg im Gespräch gewesen, für die es keine höheren Bahnsteige bräuchte. Dieser Variante erteilten die Räte eine Absage.

Der Kreistag will die Hochflur-Bahnen der SSB

Doch die favorisierte Hochflurbahn bringt viele Schwierigkeiten mit sich. Gerade in Ludwigsburg, das zeigen Untersuchungen der Stadt, gibt es technische Hürden. So ist der Schillerdurchlass nahe des Bahnhofs wohl zu schmal, um Autos und Stadbahnen zur gleichen Zeit Platz zu bieten. Auf dem Gelände des Omnibusbahnhofs fehlt ebenfalls der Platz, um einen Bahnsteig zu bauen, wie er für die SSB-Züge notwendig wäre.

Im Kreishaus favorisiert man daher eine unterbrochene Strecke, die sich in zwei Teile gliedert: ein Abschnitt von Remseck bis zum Ludwigsburger Omnibusbahnhof und ein zweiter Teil vom Westausgang des Bahnhofs bis nach Markgröningen. Die Fahrgäste müssten dann zu Fuß über den Francksteg am Ludwigsburger Bahnhof umsteigen. Geprüft werden soll aber auch eine zweite Unterführung unter den Bahngleisen, die eine durchgängige Stadtbahnstrecke ermöglichen würde.

Landrat Haas betonte am Freitag, dass diese technischen Details geklärt werden müssten – der Antrag zur Förderung aber davon unabhängig sei. Vielmehr sei wichtig, im Rennen mit anderen Vorhaben aus der ganzen Republik die Nase vorn zu haben. Sollte eine Zusage vom Bund da sein, könne man sich trotzdem weiter über Details unterhalten. Die am wenigsten konkrete Kategorie C des Förderprogramms erlaubt laut Haas sogar, im Nachhinein einen anderen Streckenverlauf zu bauen, als beantragt. „Es ist einfach wichtig, dass wir mit dem jetzigen Beschluss Flagge bekennen. Ich bin optimistisch, dass die Kommunen dann mitgehen.“

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