Die provisorische Umgestaltung der Straße in der Esslinger Innenstadt in eine Fußgängerzone hatte für viel Kritik gesorgt. Nun geht die Stadt in die Offensive und möchte Ergebnisse von Befragungen und Zählungen präsentieren.
Über die Zukunft der Ritterstraße in der Esslinger Innenstadt wurde so mancher Strauß ausgefochten. Die von der Stadt angestrebte, dauerhafte Umwandlung in eine Fußgängerzone hatte zu Kritik bei Einzelhändlern, Anwohnern, Bürgern und Nutzern geführt. Nun geht die Debatte um die wichtige Straße mit Amtsgericht, Technischem Rathaus, Württembergischer Landesbühne (WLB), vielen Geschäften und Dienstleistern in eine neue Runde: „Die Verwaltung wird das Thema Fußgängerzone Ritterstraße im Ausschuss für Technik und Umwelt des Gemeinderates (ATU) am Mittwoch, 25. Mai, im öffentlichen Teil der Sitzung umfassend darstellen“, erklärt die städtische Pressesprecherin Nicole Amolsch auf Nachfrage unserer Zeitung.
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Viele Daten und Fakten möchte die Stadt den Gemeinderätinnen und Räten dann vorlegen. Auch Betroffene und Bevölkerung sollen zu Wort kommen, wenn die Ergebnisse von Befragungen erläutert werden. Es habe umfassende Gelegenheiten zur Meinungsäußerung gegeben, meint Franz Schneider vom Stadtplanungsamt. Im Oktober letzten Jahres seien alle Gewerbetreibenden der östlichen Altstadt online zu ihrer Haltung befragt worden: „Von 205 angeschriebenen Unternehmen haben 62 geantwortet. Das bedeutet einen Rücklauf von 30,2 Prozent.“ In einer weiteren Onlinebefragung für alle Interessierten seien 228 Teilnehmende registriert worden. Direkt in der Ritterstraße sei zudem die Position von Passanten mit Hilfe von Interviews mit Fragebögen ermittelt worden. Hier spricht Franz Schneider von 765 Teilnehmenden. Zu den Ergebnissen der Meinungstools möchte er sich nicht äußern. Das sei Gegenstand der Sitzung am 25. Mai. „Zudem wird der Bericht mit den Ergebnissen der im Oktober 2021 umgesetzten Verkehrszählungen vorgestellt. Dieser stellt dar, wie sich die Sperrung der Zufahrt in die Ritterstraße in verkehrlicher Hinsicht auf die anderen Bereiche in der östlichen Altstadt auswirkt“, ergänzt Nicole Amolsch.
Schilder und Poller
Denn in der Straße wurde einiges getan. Auch zur Verringerung des Parksuchverkehrs wurde sie zunächst versuchsweise als Fußgängerzone ausgewiesen. Daher besteht ein Zufahrtsverbot außerhalb der Lieferzeiten, das durch Schilder kenntlich gemacht wurde. Die viel kritisierten, versenkbaren Poller auf Höhe des Technischen Rathauses sollten laut Franz Schneider vorrangig dem Terrorschutz dienen: „Sie beschränken jedoch zudem außerhalb der Lieferzeiten die Zufahrt in die Ritterstraße, da sich viele Verkehrsteilnehmer alleine durch Schilder nicht von der Zufahrt abhalten lassen“.
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Weitere verkehrliche Veränderungen kamen hinzu. Die Milchstraße wurde im Abschnitt zwischen Heiges und der Einmündung in den Hafenmarkt als Einbahnstraße geführt und zwischen der Strohstraße und dem Hafenmarkt als Sackgasse ausgeschildert. Außerdem sind in der Milchstraße Taxistellplätze entstanden. Parkplätze für Menschen mit Einschränkungen wurden vor die Polleranlage beim Technischen Rathaus verlegt und eine zusätzliche Radabstellanlage im Zufahrtsbereich der Ritterstraße angebracht. Die Erfahrungen mit diesen Veränderungen möchten die Verantwortlichen ebenfalls am Mittwoch, 25. Mai, in der Ausschusssitzung präsentieren.
Märkte und Sitzmöglichkeiten
Einzelhändler und Geschäftsleute hatten eine ansprechendere Ausgestaltung der Ritterstraße angemahnt. Auch diesen Wünschen sei man entgegen gekommen, versichert Franz Schneider: „Um - neben diesen verkehrlichen Aspekten - die neue Fußgängerzone Ritterstraße stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, wurden im letzten Jahr temporäre Aktionen und Aktivitäten zur Erhöhung der Attraktivität der Fußgängerzone durchgeführt.“ Zu diesen Aktionen gehörten kleine Märkte und die Aufstellung von Sitzelementen. Diese temporären Aktionen und Aktivitäten sollen seinen Worten zufolge auch in diesem Jahr wieder stattfinden. Ob diese Veranstaltungen dann in einer dauerhaft eingerichteten Fußgängerzone über die Bühne gehen, wird sich wohl Ende Mai entscheiden.
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Die Ritterstraße in Esslingen als Fußgängerzone
Die Idee
Die Stadt erhofft sich von der Umwandlung der Ritterstraße in eine Fußgängerzone ein Ende des Parksuchverkehrs, eine Verringerung der Verkehrsbelastung und eine Steigerung der Aufenthaltsqualität. Der Charme des Viertels solle so mehr zur Geltung gebracht, das Quartier aufgewertet werden.
Der Zeitplan
Anfang Februar 2021 war die Ritterstraße als Fußgängerzone beschildert und ausgewiesen worden. Die elektronisch versenkbaren Poller gingen im April des Vorjahres in Betrieb. Geplant war eine Übergangszeit als Fußgängerzone, um Daten und Akzeptanz des Projekts ermitteln zu können.
Die Kritik
Einzelhändler und Anwohner hatten die Umwandlung in eine Fußgängerzone wegen der erschwerten Erreichbarkeit, der Wuchtigkeit der Poller, Einschränkungen im Lieferverkehr und dem Wegfall von Parkmöglichkeiten kritisiert. Gewünscht wurde zudem eine optisch ansprechendere Ausgestaltung.