Donnerstagabend am Festplatz in Baltmannsweiler Foto: Roberto Bulgrin

Polizeikontrollen zur Fahrtüchtigkeit machen deutlich: Fahren nach ein paar Feierabenddrinks zu viel oder unter Drogen ist keine Seltenheit.

Keine Brille auf, obwohl sie als verpflichtend im Führerschein eingetragen ist. Der Fahrzeugschein steckt angeblich in einem Seitenteil des Autos, für den er leider keinen Schlüssel dabei hat. Gut eine Stunde muss der junge Mann aus dem Remstal warten, bis ihm ein Bekannter seine Brille vorbeibringt und ihn die Polizei dann wieder ans Steuer lässt.

 

Der Fahrer eines 34 Jahre alten VW-Busses ist nur ein kleiner Fisch, der den Beamten am Donnerstagabend bei einer Verkehrskontrolle auf dem Festplatz in Baltmannsweiler ins Netz geht. Richtig teuer wird es für einen anderen Autofahrer, der mindestens einen Feierabenddrink zu viel intus hatte. Der Alko-Test zeigt ein Promille im Blut. Was zwar „nur“ eine Ordnungswidrigkeit bedeutet, aber für den Betroffenen ganz schön ins Geld geht. 500 Euro muss er berappen, dazu eine nicht unerhebliche Verwaltungsgebühr. Und er verliert den Führerschein für einen Monat. „Im Wiederholungsfall verdoppelt sich das alles“, sagt Polizeihauptkommissar Dennis Diercks.

Mehr Cannabis-Konsum

Er leitet die Verkehrskontrolle, die im Rahmen des bundesweiten Aktionstags unter dem Motto „sicher.mobil.leben“ läuft. Kontrollschwerpunkt ist die Fahrtüchtigkeit. Natürlich wird auch geprüft, ob die notwendigen Papiere vorliegen und technisch alles in Ordnung ist. Zuvorderst geht es um Alkohol oder Betäubungsmittel am Steuer. „Vor allem der Konsum von Cannabis-Produkten hat seit Corona deutlich zugenommen“, sagt Diercks. „Gerade bei jungen Leuten.“ Weil man das im Gegensatz zu Alkohol nicht gleich riechen kann, machen die Polizeibeamten mit Verdächtigen diverse Tests. Weil das vielleicht etwas deppert aussieht, lässt das nicht jeder gerne mit sich machen, wie ein Mittdreißiger, der die Aktion ins Lächerliche zieht. Doch die Polizisten lassen aufgrund einiger Verdachtsmomente nicht locker. Mit einem Urintest könne er seine Unschuld beweisen. Der Mann willigt murrend ein, denn er möchte mit seiner Freundin weiterfahren. Wenige Minuten später gibt ihm ein Beamter grünes Licht: „Test negativ.“

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20 Frau und Mann stark ist das Kontrollteam von Polizeihauptkommissar Diercks. Ein paar von ihnen haben die Aufgabe, beim Anhalten der Fahrzeuge auf der Landesstraße auf Höhe des Supermarkts Verdächtige herauszufischen. In beide Richtungen bilden sich schnell Schlangen. Natürlich hat sich die Aktion schnell herumgesprochen. „Nach 15 Minuten stand das in den einschlägigen Social-Media-Kanälen“, berichtet Diercks. Später, als sein Kontrollteam zum zweiten Standort für diesen Abend, dem Lidl-Parkplatz in Esslingen, wechselt, verbreitet sich die Kunde noch viel schneller. Nach sechs Minuten stehen Warnhinweise im Netz.

1,6 Promille im Blut

An einem 44-Jährigen, der vermutlich wusste, dass er zu tief ins Glas geschaut hat, ging die Nachricht ganz offenbar vorbei. Als er auf der Schurwald-Querung bei Baltmannsweiler realisiert, dass er auf eine Polizeikontrolle zufährt, wendet er mitten auf der Straße und gibt Gas. Was der nahen Streife natürlich nicht entgeht. Mit Blaulicht braust ihm ein Polizeiauto hinterher. Aus gutem Grund, wie sich gleich herausstellt. Der Mann hat 1,6 Promille im Blut, besitzt keinen Führerschein und steht im Verdacht, Betäubungsmittel genommen zu haben. Der 44-Jährige ist längst nicht der Einzige, dem nach der Kontrollaktion strafrechtliche Konsequenzen drohen. Ein weiterer Autofahrer hatte 1,3 Promille Alkohol „getankt“, was über der Schwelle für Ordnungswidrigkeiten von 1,1 liegt.

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An den Kontrollpunkten in Baltmannsweiler und Esslingen veranlassen die Polizeibeamten in fünfeinhalb Stunden 20 Drogentests und 13 Alkoholtests. Außer den bereits erwähnten Anzeigen wegen Alkohols am Steuer erhalten zwei Autofahrer eine Anzeige, weil sie unter Drogeneinfluss am Steuer saßen. Ein Führerschein wurde direkt vor Ort beschlagnahmt. Ganz zu schweigen von weiteren Ordnungswidrigkeiten, die ebenfalls in Anzeigen mündeten: mit dem Handy telefoniert, keinen Sicherheitsgurt getragen oder einem kontrollierten Polizisten eine brennende Kippe vor die Füße geschnipst. Eine Provokation, wie sie Polizeibeamte heute nicht selten erleben. Hauptkommissar Diercks zieht nüchtern Bilanz. Für die kurze Kontrollzeit hätten seine Leute relativ viele Verstöße ahnden müssen.