In der Seelbergstraße in Bad Cannstatt werden pro Jahr gut 2000 Strafzettel ausgestellt. Nun soll ein Teil der Einkaufsstraße Fußgängerzone werden – doch nicht allen Stadträten gefällt das Konzept.
Fußgängerzone, Shared Space oder doch Einbahnstraßenregelung? Seit fast zwei Jahrzehnten wird in Bad Cannstatt diskutiert, welche Ausgestaltung für die Seelbergstraße, eine der wichtigsten Einkaufsstraßen, am besten ist. Seit 2022 steht fest: Zumindest in einem Teilbereich soll eine Fußgängerzone entstehen. Einem Antrag der Grünen und der Fraktionsgemeinschaft Die Fraktion stimmte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik mehrheitlich zu. Dieser sieht eine sogenannte Pop-up-Fußgängerzone im Abschnitt Frösnerstraße bis Waiblinger Straße vor – und zwar als Verkehrsversuch über einen Zeitraum von zwei Jahren.
Noch keine Finanzierung
„Ob das Projekt bis zur Fußball-EM im kommenden Jahr umgesetzt werden kann, müssen die nächsten Planungs- und Finanzierungsschritte zeigen“, sagte Andreas Hemmerich, Verkehrsexperte beim Stadtplanungsamt. Für den Umbau stehen noch keine Mittel bereit. Der Aufwand soll so gering wie möglich gehalten werden, der Gehweg auf der südwestlichen Seite wird danach Passanten nicht mehr zur Verfügung stehen. „Sie dürfen dann auf der Fahrbahn flanieren“, sagt Hemmerich. Die freien Gehwegflächen sollen unter anderem der Gastronomie zugeschlagen werden. Als Gestaltungselemente sind Baumtröge und Sitzelemente angedacht. Zudem werden die Radbügel und Stellplätze neu geordnet und wird Platz für E-Scooter-Abstellflächen geschaffen.
Stadt bekommt das Problem nicht in den Griff
Zwischen 11 und 18 Uhr wird Rad- und Lieferverkehr in der Fußgängerzone möglich sein, ebenso die Zufahrt zu den privaten Stellplätzen. Mit der Einrichtung einer Fußgängerzone will die Stadt nicht nur die Seelbergstraße aufwerten, sondern auch einen Hotspot für Falschparker entschärfen. In einer Fußgängerzone kann die Stadt sehr viel rigoroser als bisher vorgehen, wenn das Parkverbot ignoriert wird. Vor allem am Wochenende ist die südwestliche Seite komplett zugeparkt, und auch werktags werden Fahrzeuge bis in den Kreuzungsbereich mit der Waiblinger Straße abgestellt. Obwohl die acht Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Verkehrsüberwachung in der Straße mehrmals täglich kontrollieren, bekommt die Stadt das Problem nicht in den Griff. Mit im Schnitt 2000 Knöllchen pro Jahr ist die kleine Einkaufsstraße mittlerweile eine Parksünder-Hochburg in der Landeshauptstadt.
Massive Kritik von der CDU
Björn Peterhoff (Die Grünen) lobte das „rundum gute Konzept“ und die „städtebauliche Aufwertung“, Stefan Conzelmann (SPD) sieht eine „Riesenchance“ für die Seelbergstraße. „11 000 Passanten täglich in der Seelbergstraße gegenüber 1100 Autos – es ist richtig, eine Fußgängerzone einzurichten“, sagte Luigi Pantisano (Die Fraktion). Einzig Beate Bulle-Schmid (CDU) übte massiv Kritik: „Die Rahmenbedingungen werden für den Einzelhandel und die vielen Praxen im Viertel dadurch nicht besser, sondern immer schwieriger“, sagte die Cannstatter Stadträtin. Sie habe keine Lust mehr, im Gemeinderat eine Politik zu unterstützen, die Autofahrer nur noch gängle.