Kann man Pendler im großen Umfang dazu motivieren, das Auto stehenzulassen und aufs Fahrrad umzusteigen? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Eine Studie liefert Daten, um das Verkehrschaos im Synergiepark Vaihingen-Möhringen zu lindern. Doch die Zahlen werden von verschiedenen Lagern unterschiedlich bewertet. Was ist Fakt und was Interpretation?

Möhringen/Vaihingen - Die Wirtschafts- und Industrievereinigung (WIV) hat Beschäftigte im Synergiepark dazu befragt, wie sie zur Arbeit kommen, wie weit der Weg ist, wie viel Zeit sie brauchen und was passieren müsste, damit sie auf umweltfreundlichere Alternativen zum Auto umsteigen. Etwa 4500 Beschäftigte aus 70 Unternehmen haben sich beteiligt.

In der vergangenen Woche stellte der WIV-Vorsitzende Günter Sabow die Ergebnisse im gemeinderätlichen Ausschuss sowie im Vaihinger und Möhringer Bezirksbeirat vor. Die Diskussionen zwischen denjenigen, welche vereinfacht gesagt, mehr in den Ausbau der Straßen investieren wollen, und denjenigen, welche mehr in den Ausbau der Radinfrastruktur investieren wollen, waren teils heftig. Insbesondere in Möhringen: Dort warf die Grünen-Stadträtin Beate Schiener Sabow vor, nicht neutral zu berichten, sondern zu interpretieren. Die Möhringer Bezirksvorsteherin Evelyn Weis wies Schiener zurecht und sagte, dass diese harsche Kritik an einem Berichterstatter unangebracht sei. Sabow selbst reagierte in der Sitzung nur kurz und erklärte, dass er immer noch ein Verkehrsingenieur und kein Firmenlobbyist sei.

Er antworte als Verkehrsingenieur in fachlichen Zusammenhängen

Nach etwas Bedenkzeit und nachdem der kurze Disput über die Zeitung öffentlich gemacht worden war, hat sich Sabow nun doch noch für einen ausführlicheren Kommentar entschieden. Am Montag hat er an Schiener geschrieben und unter anderem den Grünen-Fraktionsvorsitzenden Andreas Winter und Bürgermeister Peter Pätzold (ebenfalls Grüne) in CC gesetzt. Sabow schreibt: „Ihre auffallend unfreundlich vorgetragener Vorwurf während der Fragerunde zur Mobilitätsbefragung ,ich würde tendenziös berichten‘ war in Verbindung mit der Bemerkung zur städtischen Mitfinanzierung kein guter Punkt für Sie und kann so nicht akzeptiert werden.“ Sabow stellt in seinem Brief klar, dass die Fragebögen von dem Ingenieurbüro SSP Consult ausgewertet worden seien. „Wir und die Verwaltung haben die Ergebnisse eins zu eins übernommen. Die Darstellung der Ergebnisse und die fachlichen Schlussfolgerungen wurden mit SSP Consult und der Verwaltung einvernehmlich abgestimmt.“

Wenn er dann von Sitzungsteilnehmern um Einschätzungen gebeten werde, antworte er als Verkehrsingenieur in fachlichen Zusammenhängen. Die Mitfinanzierung der Studie seitens der Stadt zu einem Drittel der Gesamtkosten ändere nichts an diesem Grundsatz. „Nehmen wir das Beispiel Nord-Süd-Straße: Bei keiner Vorstellung habe ich von drei oder vier Fahrstreifen oder von einer bestimmten Leistungsfähigkeit gesprochen – sondern davon, dass die Straße mit Rücksicht auf Vaihingen und Möhringen funktionieren muss“, so Sabow in seiner E-Mail an Schiener.

Die städtische Zielsetzung sei eine andere

Diese bleibt bei ihrer Kritik. Auf Nachfrage räumt sie aber ein: „Vielleicht war ich in der Sitzung zu heftig. Ich wollte niemanden persönlich angreifen.“ Sie habe im Möhringer Bezirksbeirat unter anderem Sabows Hinweis an die Lokalpolitiker vernommen, dass sich diese von der geplanten Stellplatzbeschränkung distanzieren sollten. Und sie habe Sabows Einschätzung vernommen, dass auch künftig ein hoher Teil der Arbeitnehmer mit dem Auto in den Synergiepark kommen würde. Dies entspreche nicht den städtischen Zielsetzungen, erklärt Schiener. Sabow entgegnet: „Wir haben mit der Studie erstmals reale, praxisbezogene Daten zum Pendlerverhalten bekommen.“ Doch diese würden nun nicht in das Weltbild bestimmter Personen und Fraktionen passen.

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