Das Bauwerk in Neckarweihingen schützt die Anwohner Geräuschen und schlechter Luft . Nicht alle sind damit einverstanden.
Der Effekt ist erstaunlich: Steht man neben der Landesstraße 1100 bei Neckarweihingen, ist es ganz schön laut. Steht man hinter der neuen Lärmschutzwand, ist der Verkehrslärm nur noch gedämpft zu hören. Aber das ist ja auch der Sinn des Bauwerks. 500 Meter lang, drei bis vier Meter hoch, schützt es den Ludwigsburger Stadtteil vor den Geräuschen, die tausende von Autos machen, die täglich an Neckarweihingen vorbeirauschen.
Jetzt ist die neue Lärmschutzwand fertig. Am Mittwoch wurde das letzte Aluminium-Element eingesetzt. Ein paar restliche Arbeiten stehen noch aus, damit wollen die Arbeiter bis Ende Februar fertig sein, heißt es seitens des Regierungspräsidiums Stuttgart (RPS), das für den Bau der Wand verantwortlich zeichnet.
Nötig wurde der Neubau, weil die bisherige Lärmschutzwand, die inzwischen 30 Jahre auf dem Buckel hatt, komplett marode war. Das Holz war morsch und von Pilzen befallen. „Sie war so kaputt, dass sie keine Lärmschutz-Wirkung mehr hatte“, erklärt Michael Haußmann vom gleichnamigen Ingenieur-Büro. Zudem wurde die Lärm-Situation neu geprüft, die Berechnung zeigte: Die Wand muss einen Meter höher und 50 Meter länger werden.
Das ist sie nun – und sie ist außerdem eine Lärmschutzwand der neuen Art und erst die zweite dieser Bauart im Zuständigkeitskreis des RP Stuttgart. Nummer eins steht in Zuffenhausen an der stark befahrenen B 10/B 27. Nummer zwei nun in Neckarweihingen. Das besondere daran ist, dass man sie „einfach auf den Boden stellt“, wie es Andreas Klein, Referatsleiter vom Baureferat West im Regierungspräsidium, erklärt. Der Beton-Sockel ist so gestaltet, dass zur Straße hin keine zusätzliche Schutzplanke nötig ist. Darauf kommen weitere Betonteile und im oberen Bereich dann Aluminium-Kassetten, die auf der Straßenseite den Lärm absorbieren. Mit dieser neuen Technik „sparen wir Kosten, Platz und Zeit“, sagt Andreas Klein. Durch die nicht mehr nötige Schutzplanke hat die Wand außerdem eine bessere Leistung, da sie näher am Verkehr ist.
Der Verkehr wurde durch eine Ampel geregelt
2,4 Millionen Euro hat das gute Stück alles in allem gekostet. Mitte August starteten die Arbeiten mit dem Abriss der alten Lärmschutzwand, Anfang September ging der Neubau los. Der Verkehr auf der Landesstraße zwischen Ludwigsburg und Marbach konnte größtenteils weiter in beiden Richtungen fließen. Zeitweise war nur eine Spur frei und eine Baustellenampel regelte das abwechselnde Durchkommen der Fahrzeuge. Sie wurde aber nur aktiviert, wenn es nötig war, betont Helmut Fischer von der beauftragten Baufirma.
Ein letztes Mal wird es voraussichtlich im April noch einmal kleinere Einschränkungen für den Verkehr entlang der neuen Lärmschutzwand geben. Dann nämlich – wenn es draußen wieder wärmer ist – wird auf der Straßenseite eine Beschichtung mit Titandioxid aufgetragen. Sie soll die Stickoxidbelastung vermindern und für damit bessere Luftqualität für die Anwohner sorgen.
Apropos Anwohner. Deren Meinung über die neue Lärmschutzwand vor ihrer Haustüre sind zwiegespalten. Manche jubeln ob der neuen Entlastung, manche schimpfen, weil sie sich an der Optik der Beton-Aluminiumwand stören. „Früher habe ich Bäume gesehen, jetzt kommt es mir vor, als würde ich auf eine Gefängniswand schauen“, sagt eine Neckarweihingerin. „Ein Spagat“, sagt Andreas Klein. Eine Begrünung der Wand ist zwar hübsch, scheidet aber wegen der regelmäßigen Sicherheitskontrollen aus. „Da muss man das Bauwerk sehen.“ Bleibt eine Bemalung. „Darüber muss sich die Stadt Gedanken machen, wenn die Wand fertig ist.“