Huong war vor etwa zwei Jahren festgenommen worden. Foto: Getty Images AsiaPac

Erleichterung im Prozess um den vergifteten Halbbruder von Kim Jong Un: Eine Vietnamesin bekommt zwar eine Haftstrafe. Voraussichtlich kann sie das Gefängnis jedoch schon bald verlassen.

Shah Alam - Im Fall des mit Gift getöteten Halbbruders von Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un hat ein Gericht in Malaysia relative Milde walten lassen. Es verurteilte eine angeklagte Vietnamesin am Montag zwar wegen Waffenbesitzes zu drei Jahren und vier Monaten Gefängnis. Der zuvor von der Staatsanwaltschaft fallengelassene Mordvorwurf hätte ihr aber die Todesstrafe einbringen können. Doan Thi Huong habe viel Glück gehabt, sagte Richter Azmi Ariffin der Frau, und wünschte ihr „alles Gute“.

Kim Jong Nam war 2017 mit einem Nervengift im Flughafen von Kuala Lumpur getötet worden. Huong war vor etwa zwei Jahren festgenommen worden. Eine Indonesierin, die ebenfalls als Verdächtige festgenommen worden war, kam Mitte März überraschend auf freien Fuß.

Die 30 Jahre alte Huong hatte im Prozess auf schuldig plädiert, damals eine gefährliche Waffe bei sich getragen zu haben. Sie hatte das Gericht um Milde gebeten. Ihr Anwalt Hisyam Teh Poh Teik sagte nach der Urteilsverkündung, er gehe davon aus, dass sie wegen guter Führung bereits Anfang Mai freikomme.

Fernsehshow im Stil von „Versteckte Kamera“

Auch Huong nahm das Urteil erleichtert auf. Sie dankte mithilfe eines Übersetzers dem Richter, den Staatsanwälten und den malaysischen und vietnamesischen Regierungen. Nachdem sie den Gerichtssaal verlassen hatte, sagte sie Reportern, sie sei glücklich und glaube, es handele sich um ein faires Urteil. Zuvor hatte sie gegenüber der Presse erklärt, bei ihrer Rückkehr nach Vietnam hoffe sie darauf, Sängerin und Schauspielerin zu werden.

Der vietnamesische Botschafter in Malaysia Le Quy Qunyh dankte der Regierung und der Staatsanwaltschaft für die schnelle Freilassung: „Ich schätze sehr, dass sie sehr bald freikommt, möchte aber betonen, dass sie wie die Indonesierin ein Opfer ist.“

Den Frauen war zunächst vorgeworfen worden, im Fall Kim Jong Nam mit vier flüchtigen Nordkoreanern unter einer Decke zu stecken. Beide Frauen hatten ausgesagt, geglaubt zu haben, sie nähmen an einer Fernsehshow im Stil von „Versteckte Kamera“ teil. Dabei sei es ihre Aufgabe gewesen, das Gesicht des Halbbruders von Kim mit einer öligen Substanz einzureiben. Die Behörden identifizierten die Substanz später als VX-Nervengift.

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