Ob ein 38-Jähriger eine Frau entführt und in Marbach (Kreis Ludwigsburg) vergewaltigt hat, ist noch unklar. Von dem Opfer fehlt jede Spur, und Zeugen liefern nur bruchstückhafte Beobachtungen. Am Freitag ging es um einen Hundediebstahl und die Gewalt-Historie des Angeklagten.
Nur zäh kommt der Prozess vor dem Landgericht Heilbronn im Fall einer mutmaßlichen Geiselnahme in Marbach voran. Ein damals 38-Jähriger soll im vergangenen Juni eine 18-Jährige vor einer psychiatrischen Klinik in Stuttgart entführt und in seiner Kellerwohnung in Marbach mehrfach vergewaltigt haben.
Auch am Verhandlungstag am Freitag fehlte von der jungen Frau jede Spur. Bisher war das mutmaßliche Opfer noch nicht in Person bei Gericht erschienen. Sie ist untergetaucht, eine Ladung deshalb schwer. Der Angeklagte schweigt an diesem Tag. „Ich bin unschuldig und wollte nur helfen“, hatte er der Staatsanwaltschaft geschrieben. Sie sei mit der Behandlung in der Psychiatrie unzufrieden gewesen.
So versucht die Strafkammer, sich über weitere Zeugenaussagen der Wahrheit zu nähern und nebenbei auch eine die Entführung eines Hundes aufzuklären, die ebenfalls angeklagt ist. Der Mann soll in Marbach einen vor dem Kaufland angeleinten Hund entwendet haben. Der Besitzer des Hundes berichtete, wie er nach einem kurzen Supermarktbesuch seinen Hund in ganz Marbach suchte. Seine Ex-Freundin, von der er den Hund hatte, und er haben dann über soziale Medien den Hund gesucht und wurden ein paar Tage später fündig. Der Angeklagte wurde mit dem Hund gesehen, stritt alles ab und die Polizei musste anrücken. Schließlich kam der Hund zu seinem Besitzer zurück.
Veränderung im Verhalten
Die beiden weiteren Zeugen an diesem Tag, ein 25-Jähriger, der mit dem Opfer gleichzeitig in stationärer psychiatrischer Behandlung war und der 39-jährige Ex-Freund der Frau gaben nähere Einblicke in den Tag der mutmaßlichen Entführung und die Zeit nach dem Vorfall. Der 25-Jährige hat gesehen, wie der Angeklagte die 18-Jährige vor der Klinik traf. „Er hat gesagt ,komm’“, erinnerte sich der Zeuge. Daraufhin sei die junge Frau zu ihm gelaufen, habe kurz mit ihm gesprochen und sei dann wieder zurück zur kleinen Gruppe befreundeter Mitpatienten gekommen. Sie habe gezittert und einen ängstlichen Gesichtsausdruck gehabt, habe dann wortlos ihre Sonnenbrille genommen und sei mit dem Mann weggegangen. „Im Nachhinein kam uns das komisch vor, und wir haben den Pflegern Bescheid gesagt“, sagte der Zeuge. Die riefen die Polizei. Ein bis zwei Wochen zuvor hatte der Zeuge eine Veränderung im Verhalten der 18-Jährigen festgestellt. Sie sei ängstlicher geworden. Warum, wusste er nicht.
Freund trennt sich von junger Frau
Der Ex-Freund der 18-Jährigen berichtete davon, dass sie zu ihm gezogen sei nachdem die Polizei sie gefunden hatte. „Sie hat sich bei mir wohl gefühlt. Ich habe sie aber nicht über die Zeit davor ausgefragt“, sagte der Mann, der aufgrund von Drogenproblemen in einer Einrichtung mit betreutem Wohnen lebt. Sie seien eine Weile nach der Tat auch intim miteinander gewesen. Aber nach einigen Wochen habe er die Beziehung dann beendet. „Es hat nicht mehr gepasst“, sagte er und rang auch nach mehrmaligem Nachfragen um Worte, die Beziehung und seine Ex-Freundin zu beschreiben.
Zur Verlesung kam zudem die Geschichte des Angeklagten. Dabei kam heraus, dass er wohl gegen seine eigenen Eltern so gewalttätig geworden ist, dass diese ein Kontaktverbot erwirkten. Er leide aufgrund seines Drogenmissbrauchs unter Verfolgungswahn und habe seine Eltern mit dem Tod bedroht.