Auch Vereinsgaststätten haben nach dem Lockdown wieder geöffnet, hier pflegen Mitglieder die Gemeinschaft. Foto: privat

Für die Vereine haben ihre Gaststätten zum Teil eine existenzielle Bedeutung, weshalb viele Clubs ihnen durch die Coronapandemie helfen. Doch eine Selbstverständlichkeit sind Vereinslokale nicht.

Kreis Göppingen - Eine Vereinsgaststätte war auch schon vor der Coronapandemie keine Selbstverständlichkeit: Die Turngemeinde Geislingen zum Beispiel hat ihres schon seit vielen Jahren geschlossen, der Turnverein Altenstadt hat sie für einen anderen Zweck verpachtet. Wie ist es den Clublokalen im Kreis Göppingen während des Lockdowns ergangen?

„Für manche ist die Vereinsgaststätte fast wichtiger als der Sport“, berichtet Gerhard Ueding, Sportvorstand des TSV Bad Boll. Für seinen Verein hat das „Ristorante & Pizzeria Da Pepe“ aber durchaus existenzielle Bedeutung: Die Pachteinnahmen fließen nämlich in die 80 000 Euro teure Dachsanierung vor einigen Jahren, die noch heute abbezahlt werden will.

Ein wichtiger Treffpunkt

„Wenn die Zahlungen längere Zeit ausfallen, haben wir ein großes Problem“, verdeutlicht Ueding. Um das Überleben der Gaststätte zu sichern, verzichtete der Verein deshalb in der ersten Phase auf die Pachteinnahmen. Danach konnte der Betreiber „Bebè“, der auch einen Abhol- und Lieferdienst anbot, auf Überbrückungshilfen zurückgreifen. „Wir sind froh, dass wir ihn haben“, betont Ueding. Die Besucher würden die Terrasse der Pizzeria hervorragend annehmen. Ein „bisschen Bauchweh“ hat er jedoch, wenn er an den Herbst denkt: „Falls da noch mal ein Lockdown käme.“

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Beim TSGV Albershausen hatte erst Anfang vergangenen Jahres ein neuer Pächter begonnen – und schlitterte mitten hinein in die Coronapandemie. „Er konnte sich nicht wirklich etablieren“, bedauert die Vereinsvorsitzende Christine Sahm.

Dabei sei die Vereinsgaststätte ein wichtiger Treffpunkt nicht nur für Mitglieder, sondern auch für Albershäuser Bürger. Aber vor allem nach dem Training gehöre ein Besuch dazu – nicht nur zur Vorbereitung des nächsten Spiels, sondern auch, um gemeinsam zu lachen und vielleicht die eine oder andere Meinungsverschiedenheit bei der sportlichen Begegnung zuvor wieder zu begraben: „Wir sind ja kein Fitnessstudio, wir pflegen die Gemeinschaft.“

Umso glücklicher ist Sahm, dass sich nun ein neuer Pächter gefunden hat. Der junge Mann bringe zwar nicht viel Erfahrung, dafür aber viel Motivation mit: Innerhalb von vier Wochen renovierte er die Gaststätte, um pünktlich zum 1. Juli starten zu können. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme auch, so die Vereinsvorsitzende: „Er bietet auch etwas für den kleinen Geldbeutel.“ Für den Fall, dass die Umsätze in einem weiteren Lockdown ausbleiben sollten, signalisiert Christine Sahm schon einmal Entgegenkommen: „Uns ist wichtig, dass er überlebt.“

Der Verein verlangt nicht die volle Pacht

Der Verein verlange zu Beginn auch noch nicht die volle Pacht. Die Einnahmen seien zwar im Haushalt des Vereins eingeplant, doch glücklicherweise habe der TSGV keine Schulden abzubezahlen. Wichtiger sei, dass sich sowohl die teilweise über 90 Jahre alten Sänger unter den Mitgliedern als auch junge Familien mit Kindern in der Gaststätte wohl fühlten: „Bis jetzt sieht’s gut aus, die Leute sind zufrieden.“

Auch die Vereinsgaststätte des TRC Schlierbach hat wieder geöffnet. „Wir sind froh, dass unsere Gäste, die uns auch während des Lockdowns so toll unterstützt haben, jetzt wieder kommen können“, sagt Karlheinz Leibner, der zusammen mit Frau und Tochter das Lokal betreibt. Er hofft auf gutes Wetter, damit sich möglichst alles auf der großen Terrasse abspielen kann, die 82 Gästen Platz bietet. Den Abholservice will er weiter aufrechterhalten.

Die Gaststätte des TSGV Hattenhofen empfängt ebenfalls wieder Gäste. Der Verein helfe, wo es geht, lässt der Vorsitzende Ingolf Voigt wissen: „So gibt es auf der Terrasse bald eine Markise, sodass auch bei sich wieder verschärfenden Corona-Auflagen ausreichend Außenplätze wettergeschützt zur Verfügung stehen.“

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