Hallen aus schneeweißem Marmor, Verzierungen aus Gold und Perlmutt - die Zayed-Moschee wirkt wie ein Palast aus den Märchen von Tausendundeiner Nacht. Foto: scabrn/Fotolia

Geografisch liegen Dubai und Abu Dhabi nur 130 Kilometer auseinander. Gefühlt trennen die beiden Städte aber Welten: Dubai steht für Einkaufen und Gigantismus, Abu Dhabi für Kultur und Tradition.

Dubai und Abu Dhabi - Eigentlich gibt es nur ein Wort, um das zu beschreiben, was sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten im Süden des Persischen Golfs getan hat: Wahnsinn! In einer Region, in der es nur Wüste, Kamele und ein paar wenige Beduinendörfer gab, ist eine pulsierende Metropole entstanden: Dubai. Dubai, das ist vor allem Glitzer und Glamour. Es ist aber auch eine Stadt, die sich binnen des vergangenen Jahrzehnts zu einem internationalen Finanz- und Dienstleistungszentrum entwickelt hat. Mit mehr als 400 Wolkenkratzern erinnert das Stadtbild an Frankfurt am Main oder Manhattan. „Geschäftsleute aus aller Welt treffen sich hier, um Meetings abzuhalten oder Geschäfte abzuschließen“, sagt Karim Bizid, Geschäftsführer des Fünf-Sterne-Hotels The Oberoi. Die 2,1-Millionen-Einwohner-Stadt ist nicht nur Anziehungspunkt für Geschäftsreisende. Auch immer mehr Individualreisende und Familien fliegen an den Persischen Golf. Dubai hat einen exzellenten Ruf. Weil das ganze Jahr die Sonne scheint.

Weil die Shopping-Möglichkeiten nahezu unbegrenzt sind. Und weil das Land sicher ist. „Kriminalität gibt es hier so gut wie nicht“, sagt Bizid. Dubai ist die Hauptstadt des gleichnamigen Emirats, das sich im Dezember 1971 zusammen mit sechs anderen Provinzen zu einer Föderation - den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) - zusammengeschlossen hat. Dubai besitzt im Gegensatz zu seinem reichen Nachbar Abu Dhabi kaum Rohstoffreserven. Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum entschied sich deshalb schon vor über 20 Jahren, sein Emirat für Investoren und Touristen aus dem Ausland zu öffnen und es möglichst attraktiv zu gestalten. Der Herrscher strebt unermüdlich nach Superlativen, alles nach dem Motto: höher, weiter, größer! Dubai soll in allen Bereichen an der Weltspitze stehen - und dadurch Unternehmen, Promis und Touristen anlocken. Der Plan geht offensichtlich auf: Hier steht mit dem Burj Khalifa das höchste Gebäude der Welt. Hier hat in Emirates eine der weltweit führenden Fluggesellschaften ihr rund um die Uhr operierendes Drehkreuz. Hier fährt die Polizei Aston Martin und Bugatti statt VW und Toyota. Und hier wartet mit dem Burj Al Arab die wohl beste Unterkunft der Welt.

„Von der Krise ist nichts mehr spürbar“

Das Luxushotel wird inoffiziell mit sieben Sternen gepriesen und ist mit seiner segelförmigen Silhouette eines der Wahrzeichen Dubais. Ein weiteres Beispiel für den Gigantismus ist die Dubai Mall, ein riesiges Einkaufszentrum mit 1200 Geschäften, dem größten Indoor-Aquarium der Welt und einer Eisbahn zum Schlittschuhlaufen. Inmitten der Einkaufswelt ist der Eingang zum Burj Khalifa, dem mit 828 Metern höchsten Bauwerk der Welt. Die Aussicht von der Besucherplattform in 638 Meter Höhe ist beeindruckend; an windstillen (und damit staublosen) Tagen sieht man bis weit in die Wüste, die hinter den Grenzen der Stadt beginnt. Der Zuschlag für die Expo 2020 hat der Stadt einen weiteren Schub verpasst. Die Immobilien- und Finanzkrise 2008, die Investoren stark verunsicherte und das Emirat an den Rand einer Pleite brachte? Vergessen! Die Investoren gehen von einem nachhaltigen Aufschwung aus. Und so reiht sich eine lärmende Baustelle an die andere. Riesige Kräne schwenken umher, Gastarbeiter aus Indien, Pakistan und Bangladesch schaufeln in der Mittagshitze, Lkw donnern über die Highways. Dubai boomt wieder. „Von der Krise ist nichts mehr spürbar“, sagt Bizid.

Die Stadt wächst so rasant - und chaotisch -, dass manch ein Taxifahrer neue Straßenführungen und Hotelgebäude noch gar nicht kennt. Nur etwas mehr als 100 Kilometer entfernt geht es gemächlicher zu. Auf der Corniche flanieren Einheimische. Gastarbeiter verbringen ihre Mittagspause im Schatten der Bäume. Auch Touristen zieht die Corniche an. Sie knipsen Erinnerungsfotos, ehe es sie zu einem der drei Strandabschnitte am Ende der Straße zieht. Ein Besuch lohnt sich: Das türkisblaue Wasser ist sauber und klar - den Blick auf die Marina Mall und die Wolkenkratzer gibt’s inklusive. Abu Dhabi ist das mit Abstand größte und dank seiner Ölvorkommen reichste Emirat der VAE. Es hat sich erst später und behutsamer für den Tourismus geöffnet. Der große Unterschied zu Dubai ist: Es entwickelt sich langsamer und durchdachter. „Abu Dhabi entwickelt sich sehr moderat, ist gleichzeitig aber auch sehr innovativ“, sagt Jasmin Taylor, Geschäftsführerin von JT Touristik. Es wirkt, als sei die Maxime hier: Stil und Eleganz statt Prunk und Protz. Scheich Khalifa bin Zayed hat sich zum Ziel gesetzt, Abu Dhabi als Kultur-Mekka auf der Weltkarte zu positionieren. Auf der künstlich erweiterten Insel Saadiyat bauen Arbeiter bereits am Zayed National Museum, das die Geschichte der VAE erzählen soll, sowie jeweils einem Ableger der Kunstmuseen Louvre und Guggenheim. Bis 2018 sollen alle drei geöffnet sein.

Actionreicher geht es auf der Insel Yas zu

Ein Anziehungspunkt für gläubige Muslime ist die Zayed-Moschee. Das 2007 fertiggestellte Sakralbauwerk ist das größte Gotteshaus der Emirate. Besonders imposant sind die sieben Kronleuchter aus vergoldetem Messing und Tausenden Swarovski-Kristallen. Sie hängen über einem mehr als 5000 Quadratmeter großen, handgeknüpften Teppich aus dem Iran, der den Innenboden der Moschee bedeckt. Die Moschee ist benannt nach dem im Jahre 2004 verstorbenen Zayed Bin Sultan Al Nahyan. Er war der erste Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate. Actionreicher geht es auf der Insel Yas zu. Austoben kann man sich etwa im gigantischen Wasserpark Yas Waterworld, in dem es Dutzende Rutschen, ein Wellenbad mit Surfmöglichkeit und ruhigere Pools gibt.

Ansonsten dreht sich auf der Insel vieles um Motorsport. Zum Beispiel in der Ferrari World, einem Themenpark mit der schnellsten Achterbahn der Welt. Anschnallen ist Pflicht! Das einem Ferrari nachempfundene Fahrzeug beschleunigt in 2,9 Sekunden von null auf hundert und erreicht eine Geschwindigkeit von 240 Kilometern pro Stunde. Was Abu Dhabi und Dubai eint, ist das hervorragende Wetter. In den Emiraten gibt es nur fünf bis sechs Regentage pro Jahr. In den Sommermonaten Juni, Juli und August ist die Hitze aber kaum auszuhalten. Es bedarf einer gewissen Fitness, um Extremtemperaturen über 45 Grad Celsius, gepaart mit der hohen Luftfeuchtigkeit, wegzustecken. Vor allem der ständige Wechsel zwischen klimatisierten Gebäuden und der drückenden Hitze im Freien setzt dem Kreislauf zu. Im Winter sind die Temperaturen hingegen milder. Es hat 25 bis 28 Grad - ideal, um ein paar Tage am Persischen Golf zu entspannen.

Infos zu Dubai und Abu Dhabi

Anreise
Mit Emirates ( www.emirates.com ) täglich dreimal ab Frankfurt und zweimal ab München nonstop nach Dubai. Seit Anfang Dezember 2014 gibt es auch ab Stuttgart einen Direktflug in die Vereinigten Arabischen Emirate: Air Berlin/Etihad ( www.airberlin.com ) fliegen nach Abu Dhabi.

Unterkunft
In Dubai gibt es mittlerweile mehr als 100 Fünf-Sterne-Hotels. Eines ist das vor anderthalb Jahren eröffnete The Oberoi an der neu errichteten Business Bay, mit Spa-Bereich, Außenpool und drei Restaurants, DZ inklusive Frühstück ab 250 Euro , www.oberoihotels.com

Das Jumeirah in den Etihad Towers von Abu Dhabi ist ein Fünf-Sterne-Hotel mit zehn Restaurants und Bars sowie drei Pools und einem hoteleigenen Strand, DZ ab 175 Euro, www.jumeirah.com

Auf der Erlebnisinsel Yas liegt direkt an der Formel-1-Rennstrecke das futuristisch anmutende Nobelhotel von Viceroy, DZ ab 200 Euro, www.viceroyhotelsandresorts.com

Im Radisson Blu, dem ebenfalls auf der Insel Yas liegenden Vier-Sterne-Hotel, gibt es das DZ ab 100 Euro, www.radissonblu.com

Veranstalter
Das Berliner Unternehmen JT Touristik ( www.jt.de ) ist Spezialist für Reisen in die Vereinigten Arabischen Emirate. JT bietet auch kombinierte Trips nach Dubai und Abu Dhabi sowie Tagesausflüge von der einen in die andere Stadt an. Ausflüge Wüstentouren werden von beiden Orten aus angeboten.

In Allrad-Jeeps werden die Teilnehmer erst zu einer Falkenshow und in einer Jeep-Kolonne durch die Wüste gefahren, um danach mit vielen anderen Touristen von einer Sanddüne aus den mystischen Sonnenuntergang erleben zu können. Bis dahin gleicht die Tour einer Massenabfertigung.

Immerhin: Ein traditionelles Beduinendinner mit Bauchtanz und Shisha-Ecke in einem nachempfundenen Wüstendorf, wie es sie früher gab, rundet den Abend ab.

Kajak-Touren durch die Mangroven in Abu Dhabi sind empfehlenswert. Die Guides geben viele Infos zu den Pflanzen und den in den Naturschutzgebieten lebenden Tieren. Die rund zweistündige Tour ist selbst für ungeübte Paddler machbar.

Allgemeine Informationen
Die Einreise ist für Europäer ohne Visum möglich. Man sollte sich an die Etikette halten und sich außerhalb der Hotels nicht zu freizügig kleiden. Frauen sollten die Schultern bedecken. Kurze Hosen sollten immer bis zu den Knien reichen. Arabischkenntnisse sind nicht nötig, in allen Restaurants und Geschäften wird Englisch gesprochen.

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