Bei Spendenaktionen sollte man auf Seriosität achten – wie in diesem Fall. Foto: dpa

Viele Organisationen buhlen in der Adventszeit um Spenden. Doch wer spenden möchte, sollte sich genau über die Organisation informieren, die er unterstützen will, raten Verbraucherschützer.

Stuttgart - Viele Organisationen buhlen in der Adventszeit um Spenden. Doch wer spenden möchte, sollte sich genau über die Organisation informieren, die er unterstützen will, raten Verbraucherschützer. Das sind die sieben wichtigsten Tipps, die man beachten sollte:

b>Genau informieren

Laut einer GfK-Analyse im Auftrag des Deutschen Spendenrats haben die Deutschen in den ersten drei Quartalen dieses Jahres rund 3,1 Milliarden Euro gespendet. Damit liegt das private Spendenaufkommen ein Prozent über dem des Vorjahreszeitraums. Auch die Anzahl der Spender ist zwar leicht auf etwa 17 Millionen zurückgegangen, die Spendenhäufigkeit stieg dafür von 5,5 auf 5,8 Spenden pro Person an. Durchschnittlich haben Spender 32 Euro gegeben – bis jetzt.

„Der Weihnachtsmonat Dezember gilt als traditionell wichtigster Spendenmonat“, betont Daniela Geue, Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats. Im Dezember 2016 spendeten die Menschen 1,2 Milliarden Euro – das entsprach 23 Prozent des gesamten Spendenaufkommens von 5,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Doch Vorsicht: Der Spendenmarkt wird auch immer größer und unübersichtlicher. Deutschland zählt um die 600 000 Vereine und rund 22 000 rechtsfähige Stiftungen.

Wer helfen möchte, für den empfiehlt es sich, seine Gaben nicht leichtgläubig zu verteilen, warnt der Bundesverband der Verbraucherzentrale. Denn längst nicht jede Organisation ist so seriös, wie sie sich gibt: Denn nur noch in drei Bundesländern – Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen – müssen Spendensammlungen behördlich angemeldet und genehmigt werden. In allen übrigen Bundesländern genügt es, einen Verein zu gründen, sich eine Satzung zu geben und auf Sammeltour zu gehen. Zudem bedienen sich auch Spendenorganisationen kommerzieller Adresshändler – auch um unterschiedliche Zielgruppen herauszufiltern.

Fotos nicht trauen

Eigentlich ist es gar nicht so schwer, wahre Wohltäter von unseriösen Trittbrettfahrern zu unterscheiden – man darf sich nur nicht blenden lassen. Aggressives Werben und Zeitdruck zählten zum Standardrepertoire unseriöser Organisationen, sagt Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg. Skepsis sei außerdem geboten, wenn sich die Organisation grausamer, mitleiderregender Bilder bediene. Dann sollte von einer Spende lieber Abstand genommen werden, so Hörmann. Orientierung im Dschungel der wohltätigen Organisationen bietet das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) in Berlin. Vor der Vergabe des Siegels werden unter anderem die Zielsetzung, die Mittelverwendung sowie die Werbung der Organisationen geprüft. Aktuell tragen rund 230 Organisationen in Deutschland das Siegel.

Ausweise zeigen lassen

Wenn Spendensammler an der Haustür klingeln, sollten Verbraucher zumindest sehr vorsichtig sein. Bei Bargeldsammlungen sollte man sich immer erst den Personal- sowie den Sammlerausweis zeigen lassen und darauf achten, dass die Sammelbüchse die entsprechende Bezeichnung der Organisation trägt. Doch Vorsicht: Während früher die Büchse verplombt sein musste, gibt es nun oft keine Möglichkeit, um Münzen und Scheine vor zweckentfremdetem Zugriff zu sichern, warnt der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Verkäufer von Blindenwerkstätten müssen einen Blindenvertriebsausweis haben. Und Produkte von Behinderten werden normalerweise direkt in den Werkstätten verkauft – und nicht per Haustürgeschäft.

Gezielt spenden

Grundsätzlich sollte man nicht nach dem Gießkannenprinzip spenden, sondern die Mittel gezielt auf wenige, sorgfältig ausgewählte Organisationen verteilen, rät DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke. „Das erleichtert die Seriositätsprüfung und mindert den Werbe- und Verwaltungskostenaufwand.“ Denn wer bei weniger Organisationen als aktiver Spender registriert ist, bekommt auch von weniger Hilfswerken Werbung – und trägt so dazu bei, dass mehr Spendengelder an die Bedürftigen fließen können. Immer mehr wohltätige Organisationen werben zudem um Fördermitgliedschaften oder Dauerspenden, also um die Bereitschaft, über längere Zeit regelmäßig Zahlungen zu leisten. Dagegen ist prinzipiell auch nichts einzuwenden, allerdings sollten Verbraucher genau schauen, wozu sie sich im Einzelnen verpflichten und wie es mit Widerrufs- und Kündigungsrechten aussieht. Schließlich soll die Haushaltskasse nicht über Gebühr belastet werden.

Spenden von der Steuer absetzen

Der Staat belohnt die Spendenbereitschaft seiner Bürger, indem er ihre wohltätigen Zuwendungen steuermindernd als Sonderausgaben anerkennt. „Sofern Vereine und Stiftungen vom Finanzamt als gemeinnützig, mildtätig oder kirchlichen Zwecken dienend anerkannt sind, können Spenden steuermindernd geltend gemacht werden“, sagt DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke. Die Hinweise zur steuerrechtlichen Gemeinnützigkeit sind häufig bereits im Werbe- und Informationsmaterial der Organisationen enthalten. Bei einer Spendenhöhe von bis zu 200 Euro genügt dem Finanzamt der entsprechende Buchungsbeleg. Liegt der gespendete Betrag darüber, ist zusätzlich eine Spendenbescheinigung des Empfängers erforderlich. Insgesamt können Spendenbeträge von bis zu 20 Prozent des Jahreseinkommens von der Steuer abgesetzt werden.

Vorsicht bei Mitgliedschaften

Viele unseriöse Gruppen wollten sogleich feste Mitglieder werben, heißt es beim Verbraucherzentrale-Bundesverband. Meist sind die Beiträge sehr hoch, und geboten wird kaum etwas. Zudem bindet man sich in der Regel für einen längeren Zeitraum. Denn im Unterschied zu sonstigen Haustürgeschäften lässt sich die Verpflichtung zumeist nicht innerhalb von zwei Wochen widerrufen. Oft fließt auch nur ein kleiner Teil der Beträge in Hilfsprojekte. Den weit größeren Teil der Spendengelder verschlucken meist Werbung und Verwaltung.

Geschäftsbericht anfordern

Professionell gestaltete Internetseiten oder Prospekte können zwar einen vertrauenswürdigen Eindruck erwecken. Dennoch raten die Verbraucherzentralen dazu, genauer nachzuforschen, was mit dem gespendeten Geld passiert. Spendenorganisationen, die seriös agieren, können in einem Geschäftsbericht darlegen, wofür das Geld aus Spenden oder Mitgliedsbeiträgen ausgegeben wird – und akzeptieren daher auch Spenden per Überweisung. Dieses Vorgehen empfiehlt sich erst recht bei den Spendenaufrufen, die über soziale Medien verbreitet werden, so die Verbraucherschützer. Iban und Bic sind prominent aufgeführt, oftmals auch der Hinweis, dass über Paypal gespendet werden könne. Wen solche Spendenaufrufe erreichen, der tut gut daran, sich zunächst genau zu erkundigen, bevor er möglicherweise eine Überweisung ausfüllt.

Unsere Aktion Weihnachten

Die Aktion Weihnachten ist eine Spendenaktion der Stuttgarter Nachrichten. Seit 47 Jahren unterstützen wir mithilfe von Spenden unserer Leserinnen und Leser Menschen in Not oder geben sinnvollen Projekten Startkapital. Ziel der Spende muss sein, Initiativen auf die Beine zu helfen oder deren Fortbestand zu sichern sowie die Eigeninitiative von Einzelpersonen zu stärken.

Mitglieder und Vorstand arbeiten ehrenamtlich für die Aktion Weihnachten. Dies gilt auch für den Schriftverkehr, die Abrechnung einschließlich Bilanz und Rechnungsprüfung auf Vereinsebene. Die Sachkosten für Briefpapier, Telefon und Porto trägt der Verlag. Die ordnungsgemäße Rechnungslegung des Vereins ist durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bescheinigt. Weitere Infos gibt es im Netz unter www.stuttgarter-nachrichten.de

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