Mann des Abends: der Dreifach-Torschütze Sascha Häcker (links) sorgte fast im Alleingang für den Calcio-Auswärtserfolg. Foto: Pressefoto Eibner

Calcio gelingt dank eines Tore-Dreierpacks seines Angreifers ein 4:2-Sieg in Pfullingen. Überschattet wird dieser vom Drumherum, das ein Nachspiel haben dürfte.

Pfullingen - Eine Woche nach der 0:1-Heimniederlage gegen das Spitzenteam FSV Hollenbach ist der Fußball-Verbandsligist Calcio Leinfelden-Echterdingen in die Erfolgsspur zurückgekehrt. Das Filderteam sicherte sich im Auswärtsspiel beim VfL Pfullingen einen verdienten 4:2-Sieg. Zum überragenden Akteur avancierte Sascha Häcker. Der 27-jährige Angreifer unterstrich seinen Formanstieg mit drei Treffern und verdoppelte so sein bisheriges Torekonto dieser Saison auf einen Schlag. Jedoch: die Freude über den wichtigen „Dreier“, nach welchem das Echterdinger Aufgebot seinen Vorsprung auf die Abstiegszone auf fünf Zähler ausgebaut hat, wurde durch einen Eklat überschattet, der ein Nachspiel haben dürfte.

Kaum dass der souverän leitende Schiedsrichter Alexander Rösch die Partie am Freitagabend vor knapp 300 Zuschauern beendet hatte, stürmte die komplette Gäste-Entourage inklusive ihres Trainergespanns Francesco Guerra/Francesco Di Frisco wutentbrannt in Richtung der gegnerischen Fans. Dort lieferte sie sich mit zwei Dutzend Pfullinger Anhängern eine minutenlange, lautstarke Auseinandersetzung. Nicht wenige dürften befürchtet haben, dass gleich Fäuste fliegen. Dass es dazu nicht gekommen ist, war wohl nur dem Eingreifen einiger besonnener Zeitgenossen beider Lager zu verdanken.

Flaschenwurf an den Kopf?

Die Gründe für das unschöne Ende dieses Fußballabends? Fakt ist, dass der Calcio-Physiotherapeut Claudio Pennella in der Schlussphase der Begegnung bei einem Einsatz an der Seitenlinie von einigen Pfullinger Anhängern mit ausländerfeindlichen Sprüchen übel beleidigt worden war. Laut den Echterdinger Verantwortlichen soll Pennella zudem einen Schlag ins Gesicht erhalten haben sowie durch einen Flaschenwurf am Kopf verletzt worden sein. „Deshalb waren wir ja alle so aufgebracht. Wir wollten Flagge zeigen, dass man so nicht mit unserem Team und unserem Verein umgehen kann“, rechtfertigte der Coach Di Frisco tags darauf auf Nachfrage unserer Zeitung die Vorkommnisse.

Ob es klug war, sich in der aufgeheizten Atmosphäre selbst derart anstecken zu lassen? „Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer“, sagt Di Frisco, der nach „dem Angriff auf unseren Physio“ Konsequenzen erwartet. Offenbar hat der Unparteiische einen Extra-Bericht angefertigt. Inwieweit darin auch die Echterdinger Beobachtungen und Vorwürfe vermerkt sind, bleibt abzuwarten.

Häcker gibt die Antworten

Schon während der vorangegangenen gut 90 Spielminuten waren die Calcio-Kicker von einigen Zuschauern ob ihrer pinkfarbenen Trikots als „Pussies“ und mit homophoben Beleidigungen verhöhnt worden. Da hatten die Gäste ihre Nerven noch im Griff gehabt – und die Antworten mit einem starken Mannschaftsauftritt geliefert. Allen voran Häcker drehte auf und tütete den Sieg des Filder­teams mit seinem Dreierpack (13./48./85. Minute) nahezu im Alleingang ein. Beim frühen 0:1 schloss der Stürmer einen von Shaban Ismaili eingeleiteten Konter mit einem Flachschuss eiskalt ab. Den Treffer zum 0:2 kurz nach dem Seitenwechsel erzielte er nach einer Maßflanke von Bastian Joas per Kopf. Und genau dieses Duo war dann auch fünf Minuten vor Schluss für das 2:4, gleichsam die Vorentscheidung, verantwortlich.

Dazwischen waren den im zweiten Durchgang besser aufkommenden Platzherren durch einen Doppelpack von Matthias Dünkel (57./66.) die Treffer zum vorübergehenden 2:2-Ausgleich gelungen. Doch Calcio hatte nur zwei Minuten später durch Armin Zukic erneut zugeschlagen. Der 23-Jährige hatte per Flachschuss das 2:3 markiert.

Fragezeichen um fehlendes Trio

Bewerkstelligt haben die Echterdinger ihren dritten Auswärtssieg der Saison ohne ein erneut fehlendes Stammspielertrio. Wie in der vergangenen Woche standen nun auch in Pfullingen der Kapitän Gökhan Gümüssu, Diamant Avdiu und Volkan Candan nicht im Aufgebot – und dies, obwohl Di Friscos Trainerpartner Guerra vorab noch angekündigt gehabt hatte, diesmal habe man wieder alle Mann zur Verfügung. Zu den Gründen wollte sich Di Frisco nicht konkret äußern. Nur so viel: „Wer nicht trainiert, kann auch nicht spielen“ – was allerdings die Frage aufwirft, warum die Betroffenen derzeit nicht trainieren.

Verletzt sind sie jedenfalls nicht. Stattdessen von sich aus ausgestiegen? Oder vom Verein aussortiert? Calcio bietet wieder mal Platz für Spekulationen.

VfL Pfullingen:
Hirlinger – Hauser (61. Reuer), Biber, Özge, Chatzimalousis – Haußmann, Schall (77. Linder), Gekeler (66. Lukas Früh), Dünkel – Lehmann (74. Yilmaz), Dominik Früh.

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Saglam (82. Bahadir), Zalac (46. Paurevic), Pranjic, Vidic – Joas, Ismaili, Juric (88. Scheuring), Zukic (90. Altuntas) – Lekaj, Häcker.

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