In dieser Szene stoppt Dimitrios Vidic den Neckarremser Torschützen Lars Ruckh mit energischem Körpereinsatz. Ansonsten sah die Calcio-Defensive mehrfach weniger gut aus. Foto: Baumann

Calcio Leinfelden-Echterdingen wird gleich im ersten Punktspiel des Kalenderjahrs von den alten Problemen eingeholt und unterliegt in Neckarrems mit 2:3. Alle drei Gegentore gehören zur Kategorie „vermeidbar“.

Remseck - Die zweite Halbzeit der Begegnung verbrachte Francesco Guerra auf dem Parkplatz, zusammengekauert im Auto. Obwohl immer noch grippegeschwächt und sichtlich bleich um die Nase, hatte der Trainer sich ins Stadion geschleppt gehabt. Zuletzt ging dann nichts mehr. Übelkeit, matt auf den Beinen. Guerra musste raus. Also blieb sein Partner Francesco Di Frisco allein an der Seitenlinie zurück.

Lästermäuler mögen anmerken, dass sich der Coach ja vielleicht auch einfach das eigene Spiel nicht mehr länger habe zumuten wollen. Sicher ist: zur Genesung hat es nicht beigetragen, was die Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen zum Auftakt der zweiten Saisonphase am Samstag auf den Rasen gebracht haben. Am Ende stand eine 2:3-Niederlage beim VfB Neckarrems, und der Filderclub war sogleich wieder von den Problemen der Hinrunde eingeholt. Trotz Besserungsgelöbnissen, trotz extra neuem Spielsystem, trotz Schwerpunktarbeit während der vergangenen Wochen genau in diesem Bereich – die Echterdinger bleiben eine der Schießbuden der Staffel. Lediglich die Mannschaften der Abstiegszone haben in dieser Saison mehr Gegentreffer kassiert.

22. vergeblicher Versuch

Insgesamt war es für Calcio unter Di Frisco und Guerra der 22. vergebliche Versuch in Serie, ein Punktspiel ohne Gegentor zu überstehen. Letztmals stand die Null beim 1:0 in Laupheim im April des vergangenen Jahrs. „Wir hatten viel einstudiert und uns viel vorgenommen. Dass wir dann zweimal bei Standards schlafen, war der Genickbruch“, sagt der Kapitän Gökhan Gümüssu, der die aktuellen Personalprobleme zumindest teilweise als Erklärung sieht. Von der eigentlichen Wunschformation für die seit der Jahreswende in der Abwehr praktizierte Vierer- statt Dreierkette stand in Dimitrios Vidic lediglich ein Spieler zur Verfügung. Die anderen? Der Routinier Thomas Scheuring ist nach einem Sehnenanriss in der Schulter noch nicht ausreichend fit und saß zunächst nur auf der Bank. Niko Zalac und Diamant Avdiu fehlten derweil wegen privater beziehungsweise beruflicher Verpflichtungen.

So galt es zu improvisieren. Und das ging schief. Zwar schafften es die Echterdinger, mit einer insgesamt defensiveren Ausrichtung die Zahl der Ballverluste und damit gegnerischen Kontersituationen zu reduzieren – in Verbindung mit dem Umschaltspiel die große Schwäche der ersten Saisonhälfte. „Im Mittelfeld waren wir kompakt“, befindet Gümüssu. Dafür offenbarte die neu zusammengestellte Abwehr verhängnisvolle Mängel im Positionsspiel. Zu viele Stellungsfehler, zu viele Abstimmungspannen. Vor allem ein jedes Mal dann, wenn die Kugel hoch in den Strafraum segelte, musste einem bange werden um die Gäste – und mag Guerra noch ein bisschen blasser geworden sein, als er es an diesem Nachmittag eh schon war.

Drei vermeidbare Gegentore

Alle drei Neckarremser Tore gehörten aus Calcio-Sicht schließlich der Kategorie „vermeidbar“ an. Beim 0:1 stieg Shaban Ismaili zu zaudernd ein, sodass sein Gegenspieler Lars Ruckh aus spitzem Winkel ­einnetzen konnte (34.). Beim 0:2 war Micha-Colin Läubin wohl selbst überrascht, wie unbedrängt er im Strafraum per Kopf Maß nehmen durfte (51.). Und das 1:3 war praktisch eine Kopie. Wieder flog und flog der Ball, gefühlt so lange, um sich vor der Auswahl der passenden Verteidigungsaktion auch noch die Schnürsenkel zu binden – und dennoch kam Luigi Ancona nicht minder frei zum Zug. Auch er wuchtete das Leder mit der Stirn ins Netz (73.).

Entsprechend standen die Echterdinger abermals vor einer Herkulesaufgabe. Einfache Rechnung: wer sich hinten ein jedes Mal zwei, drei „Dinger“ fängt, der muss im Gegenzug schon drei, vier schießen, wenn er noch gewinnen will. Und das ist auf einem Niveau wie in der Verbandsliga leichter gesagt als getan – selbst bei einem Angriffspotenzial, wie es Calcio auch nach dem Abgang des Torjägers Shkemb Miftari nach wie vor in seinem Kader hat. Flapsig formuliert: so viel, wie die Mannschaft in diesem Spieljahr auf der einen Seite quasi mit dem Hintern selber einreißt, kann sie auf der anderen gar nicht wieder gut machen. Oder kaum.

Pranjic mit der Ausgleichschance

Aktuell hätte es fast noch zu einem Punktgewinn gereicht. Der nach der Pause als zweite Spitze fungierende Gümüssu per Elfmeter (Foul an ihm selbst) sowie Sascha Häcker verkürzten zweimal – Letzterer, nachdem er sich bis dahin überwiegend in Zweikämpfen mit dem Zwei-Meter-Koloss Pero Mamic aufgerieben hatte. In der Nachspielzeit hatte Josip Pranjic dann die Ausgleichschance. Der gegnerische Keeper Luis Miguel Rodrigues Loucao (ehemals Stuttgarter Kickers) kratzte seinen Freistoß jedoch mit einer Glanzparade aus dem Torwinkel.

Das, wie gesagt, bekam Guerra schon gar nicht mehr mit. Vom Auto aus konnte er verfolgen, wie die Mannschaft zuletzt bedröppelt in die Kabine trottete – dies auch im Wissen, dass es in der Tabelle nun gleich wieder enger wird. Vor dem nächsten Auswärtsspiel am kommenden Samstag beim FC 07 Albstadt beträgt der Calcio-Abstand zum wahrscheinlichen Abstiegsrelegationsplatz 13 nur noch drei Zähler.

VfB Neckarrems:
Rodrigues Loucao – Bartmann, Fota, Mamic, Franzen – Ribeiro (45.+1 Scheuerle), Läubin, Schwintjes, Popescu (90.+2 Cardinale) – Ancona (90. Spiegelhalter), Ruckh.

Calcio Leinfelden-Echterdingen:
Bortel – Joas, Ege, Pranjic, Vidic – Ismaili (75. Saglam) – Altuntas, Juric (67. Scheuring), Gümüssu, Lekaj (84. Bahadir) – ­Häcker.

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