Schifffahrt für Träumer: Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „Neckarfantasien“ präsentieren sich Stadt, Fluss und Gäste hochsommerlich heiter. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ein Café in Wangen am direkt am Wasser, ein Bad in der Schleuse, ein Gehege für die Wilhelma-Flusspferde – in unserer neuen Veranstaltungsreihe stellen wir Wünsche, Träume und Visionen von Stuttgartern vor, die Lust auf mehr Leben am Neckar haben.

Stuttgart - Mit Träumen beginnt die Realität, sagte der ehemalige VW-Vorstand Daniel Goeudevert einst. Der Franzose hatte zwar mit der schwäbischen Landeshauptstadt und dem Neckar nicht viel am Hut, sein Zitat haben aber einige Stuttgarter wörtlich genommen. Von einem Flussgehege für seine Nilpferde träumt zum Beispiel Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin, Wangens Bezirksvorsteherin Beate Dietrich und ihr Stellvertreter Andreas Schneider von einem Café am Neckar, und der CDU-Politiker Roland Schmid hat konkrete Vorstellungen für die Landzunge am Sicherheitshafen. Ein Biergarten schwebt ihm vor. Träume bleiben aber Träume, wenn niemand über sie spricht.

Das Cannstatt-Team von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten hat deshalb am Freitagabend in Kooperation mit der Hafen Stuttgart GmbH zu einer dreistündigen Schifffahrt auf dem Neckar eingeladen. Acht Paten stellten dabei den knapp 200 Leserinnen und Lesern ihre Visionen für eine Stadt am Fluss vor, Teamleiter Jürgen Brand führte durch den Abend. Wie viele Stuttgarter sich doch mit dem Neckar identifizieren, zeigt allein die große Nachfrage für die Auftaktveranstaltung unserer Reihe rund um den Fluss. Rund 1270 Ticketwünsche gingen für die Rundfahrt mit dem Neckar-Käpt’n ein. „Wir wollen die Stuttgarter und den Neckar näher zusammenbringen“, sagte Holger Gayer, Lokalchef der Stuttgarter Zeitung. Der fließt zwar mitten durch die Stadt, ist aber für die Bürger kaum zugänglich.

Die Erkundungstour führte die Teilnehmer fast über den kompletten Verlauf des Neckars im Gebiet der Landeshauptstadt. Dabei war nicht nur die Ansicht der Paten gefragt. Auch die Leserinnen und Leser konnten ihre Wünsche einbringen. In den kommenden Monaten will unser Cannstatt-Team mit der Reihe auf die Möglichkeiten hinweisen, die der Neckar bietet. So führt Oberbürgermeister Fritz Kuhn im August am Neckarufer entlang, im September steht eine Kulturparty auf dem Theaterschiff an, im Oktober ein Themenabend, bei dem das Baden im Neckar aus historischer, aktueller und umweltpolitischer Sicht betrachtet wird. „Wir freuen uns auf viele spannende Begegnungen und Diskussionen am, im und um den Fluss“, sagte StN-Lokalchef Jan Sellner. Beim Träumen allein soll es ja nicht bleiben.

Mehr Informationen zur Veranstaltungsreihe „Neckarfantasien“ finden Sie hier!

Park überm Neckar

Schon 1998 ist die Idee in Peter Mielerts Kopf gereift: ein Park über dem Neckar. Auch den Ort hatte der Grünen-Politiker im Visier: die Eisenbahnbrücke, die durch die S-21-Brücke ersetzt wird. Auf der alten Eisenbahnbrücke könnte sich Mielert ein Café oder einen städtischen Garten vorstellen. Das 100 Jahre alte Bauwerk könne man ohnehin nicht abreißen, da es sich um ein technisches Kulturdenkmal handelt. Die attraktivste Lösung sieht Mielert deshalb darin, die Brücke in einen Ort zum Verweilen zu verwandeln.

Landzunge mit Flair

Noch vor einem Jahr war es Roland Schmids Vision, aus der Landzunge am Sicherheitshafen einen attraktiven Ort zu gestalten. Bald schon könnte dieses Vorhaben Realität werden. Das Wasser- und Schifffahrtsamt ist wohl bereit, die Fläche zur Verfügung zu stellen. Die Bürger erhielten so einen direkten Zugang zum Neckar, sagt CDU-Mann Schmid. Für die Landspitze schwebt ihm ein Biergarten vor. Vielleicht werde die Stadt auch einen Wettbewerb veranstalten, bei dem Vorschläge zur Nutzung eingereicht werden können.

Bad in der Schleuse

Im Neckar zu schwimmen, ist schon lange ein Traum vieler Stuttgarter. Da die Keimbelastung des Flusses jedoch zu hoch ist, gilt das Baden im Neckar als riskant. Hinzu kommt, dass er stark von Schiffen befahren ist. Andreas Betsch hat deshalb die Idee, eine der zwei Schiffsschleusen bei der König-Karls-Brücke in ein Mineralwasserbad umzugestalten. Seinen Recherchen zufolge reiche eine Schleuse für den Güterverkehr aus. So könnte man zwar nicht direkt im Neckar baden, aber zumindest an dessen Ufer im prickelnden Wasser.

Naturnahe Ufer

Marion Heck hat viele Vorstellungen, wie sich die Lebensqualität an den Ufern des Neckars verbessern ließe. Auch zahlreiche Vorschläge aus der Bevölkerung hält sie für gute Ideen. Zusätzlich würde sie den gesamten Uferbereich des Neckars gerne naturnah gestaltet sehen, damit die Bürger dort flanieren können. Mit der Initiative „Neckarfreude“ setzt sie sich mit anderen Neckarliebhabern für dieses Gesamtkonzept ein. Um diesen Prozess ernsthaft voranzutreiben, ist laut Heck aber ein Neckar-Manager vonnöten.

Neckarterrassen

Vor dem Wilhelma-Theater wird durch den Rückbau der Neckartalstraße nach dem Bau des Rosensteintunnels ein breiter Abschnitt frei. Gerhard Veyhl hat schon zahlreiche Ideen für die Fläche. Das Theater könne mit dem Neckar verbunden werden. Zusätzlich kann sich der Mann von den Freien Wählern eine Plattform zum Verweilen am Ufer vorstellen. Auch ein Open-Air-Kino wäre dort möglich – mit Terrassen zum Sitzen am Ufer gegenüber. Vehyl will auch aufs Wasser: Er wünscht sich schwimmende Holzpodeste.

Café am Neckar

Wangens Bezirksvorsteherin Beate Dietrich träumt schon seit 37 Jahren von einem Café am Ufer des Neckars. Wangen liegt zwar am Fluss, er sei für die Bewohner jedoch nur schwer zugänglich. Dem Stuttgarter Stadtbezirk fehle ein Ort zum Entspannen am Wasser, sagt Dietrich. Schon vor Jahren haben Stuttgarter Architekturstudenten im Projekt „Wangen ans Wasser“ unterschiedliche Modelle ausgearbeitet. Eine Idee davon war das Café, das Dietrich am liebsten an der Schleuse zwischen Wangen und Untertürkheim sehen würde.

Nilpferde am Fluss

Dickhäuter im Neckar? Für den Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin kein abwegiger Gedanke. Wenn es nach ihm geht, könnten Rosi und Mike, die zwei Flusspferde der Wilhelma, ihr eher bescheidenes Zoobecken verlassen und in ein neues Gehege am Neckar umziehen. Da die Haltung der Flusspferde aufgrund von Platzproblemen im Zoo infrage steht, wäre das Ausweichen an den Fluss eine denkbare Alternative, meint Kölpin. Das Flussgehege von Rosi und Mike wäre dann für Besucher sogar kostenlos zugänglich.

Neuer Stadtteil

Auch der Stuttgarter Osten liegt am Neckar – es bekommt nur kaum jemand mit. Das Ost-Ufer erstreckt sich vom Leuze bis zum Kraftwerk Gaisburg und ist kaum zugänglich. Vorschläge, das zu ändern, gibt es schon einige. So könnte das Leuze allein durch das Entfernen der Betonmauer zum Neckar geöffnet werden. Und auf der bisherigen riesigen Kohlehalde des Kraftwerks kann sich die Ost-SPD einen ganz neuen Stadtteil namens Schiffslände vorstellen, der sich über die Bundesstraße hinweg bis direkt ans Wasser erstreckt.

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