Die Kafka-Band mit dem diesjährigen Mörike-Preisträger Jaroslav Rudiš (Dritter von links) spielt am 15. Mai in Fellbach. Foto: Vaclav Jirasek

Das Fellbacher Kulturamt stellt sein Rahmenprogramm zur Mörike-Preisverleihung an Jaroslav Rudiš Mitte Mai vor. Erstmals in der Stadt am Kappelberg zu Gast ist der Preisträger von 2021, Leif Randt, dessen Auftritte seinerzeit coronabedingt ausfallen mussten.

Es ist ein Kuriosum, das sich nun in Fellbach immerhin endlich seiner Katharsis nähert: 2021 wurde der Schriftsteller Leif Randt mit dem Mörike-Preis, einem der renommiertesten Literaturpreise Deutschlands, ausgezeichnet. Der Geehrte allerdings ist bisher kein einziges Mal in der Stadt aufgetaucht. Die Urkunde und das Preisgeld in Höhe von 15 000 Euro wurden postalisch beziehungsweise per Scheck übermittelt.

 

Mehrfach durch Corona ausgebremst

Nun gibt es ein paar Gründe, um Nachsicht walten zu lassen: Die Pandemie hatte seinerzeit einiges durcheinandergebracht, erst stoppten die allgemeinen Einschränkungen und später dann auch Randts persönliche Corona-Erkrankung die terminierten Besuche am Fuße des Kappelbergs.

Demnächst allerdings ist der mittlerweile 41-Jährige tatsächlich da: Quasi im Vorprogramm der Kür seines Nachfolgers, des dann 12. Mörike-Preisträgers Jaroslav Rudiš, kann Randt in der bebilderten Lesung „Panoptikum Boy“ am Donnerstag, 25. April, im Kunstvereinskeller erstmals in Fellbach begutachtet werden. Dieser eigentlich längst überfällige Auftritt „ist eine Lesung, die er uns schuldet“, sagte die Fellbacher Kulturamtsleiterin Maja Heidenreich am Donnerstag bei der Vorstellung des umfangreichen Literaturfestivals unter dem Titel „Prosa, Pop & Poesie“. Etliche Wochen vor wie auch nach der eigentlichen Verleihung des Mörike-Preises am 15. Mai kommen sehr interessante Gäste nach Fellbach. „Wir feiern von April bis Juli die Literatur in allen Facetten“, hofft Heidenreich auf großes Interesse: „Das Festival verbindet Alt und Jung in neuen Formaten und lädt zum Mitmachen ein.“

Erstes Fellbacher Pub-Quiz rund um Literatur

Zum Auftakt gibt es am 7. April in der Gaststätte Schmiede das erste Fellbacher Pub-Quiz rund ums Thema Literatur. Neben dem erwähnten Leif Randt führt das Festival auch andere ehemalige Mörike-Preisträger nach Fellbach: So liest Jan Peter Bremer am 21. April im Stadtmuseum aus seinem neuen Roman „Nachhausekommen“. Am 18. Juni wird in der Stadtbücherei der ehemalige Mörike-Preisträger W. G. Sebald gewürdigt, der 2024 seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte.

Am Tag vor der Preisverleihung, 14. Mai, 19 Uhr, wird in der Galerie der Stadt die tschechische Graphic Novel-Schau „Alois Nebel – Leben nach Fahrplan“ eröffnet, ein Gemeinschaftswerk von Jaroslav Rudiš und dem Zeichner und Musiker Jaromír 99.

Und das gab’s auch noch nie beim Mörike-Preis – dass der Geehrte direkt nach der Zeremonie auf die Bühne klettert und ein knalliges Konzert gibt: Nach dem offiziellen Festakt am 15. Mai um 18 Uhr in der Schwabenlandhalle tritt Jaroslav Rudiš um 20 Uhr mit seiner Kafka-Band auf. Das Publikum darf sich auf einen unvergesslichen Soundtrack zu Franz Kafkas „Process“ freuen.

Traditionell findet am Abend nach der Preisverleihung am 16. Mai um 20 Uhr eine Lesung statt: In der Stadtbücherei sprechen Rudiš und die von ihm vorgeschlagene Förderpreisträgerin Alice Horáčková über ihr Werk und das Schreiben im Allgemeinen.

Silent Disco und „Holzklänge“ in der alten Kläranlage

Quasi wiederbelebt wird jener Ort, der schon zur Remstal-Gartenschau 2019 kulturell genutzt wurde: die Tropfkörper der ehemaligen Kläranlage im Weidachtal nordöstlich des Fellbacher Stadtteils Oeffingen, in Sichtweite des Neckarufers. Dort hören die Besucher bei Fellbachs erster Silent Disco am 26. Juli (ab 20 Uhr) die Beats ausschließlich über Kopfhörer, die auf zwei Kanälen ausgewählt werden können. Über einen dritten Kanal ist Poesie zu empfangen, die vor Ort live gelesen wird.

Am 28. Juli (18 Uhr) verschafft das Sonus Quintett, eines der ersten Reed Quintette in Deutschland, mit der Besetzung Klarinette, Bassklarinette, Saxofon, Oboe und Fagott, mit dem Programm „Holzklänge“ in der außergewöhnlichen Akustik der Tropfkörper ein so nie gekanntes Hörerlebnis.

Tatort-Star Wolfram Koch liest aus „Die Verwandlung“

Ach ja, und noch mal Franz Kafka: Anlässlich des 100. Todestages des Schriftstellers von Weltrang liest der Schauspieler Wolfram Koch auf Einladung der Kulturgemeinschaft am 3. Juni (19.30 Uhr) im Uhlandsaal der Schwabenlandhalle aus der berühmten Erzählung „Die Verwandlung“. Und am 28. Juni ist um 20 Uhr der mehrmalige deutsche Poetry-Slam-Meister Lars Ruppel mit seiner „Poesiebegeisterungsshow“ im Stadtteil- und Familienzentrum zu Gast.

Tickets Eintrittskarten im Vorverkauf gibt es ab sofort beim i-Punkt Fellbach, Marktplatz 2, Telefon 0711 / 58 00 58, E-Mail: i-punkt@fellbach-tourismus.de. Für die Mörike-Preisverleihung ist bis 10. Mai eine Anmeldung im Kulturamt erforderlich: Telefon 0711 / 58 51-364 oder E-Mail: kulturamt@fellbach.de.