Auch auf das Thema Wärmepumpen – hier eine im Bild – gingen die Experten der Fellbacher Inforunde zum beschlossenen Gebäudeenergiegesetz ein. Foto: epd/Heike Lyding

Nach langem Ringen hat der Bundestag das Gebäudeenergiegesetz beschlossen. Das GEG erhielt nach hitziger Debatte das Ja der Ampel. Nun lud der CDU-Kreisverband Rems-Murr zur Inforunde mit Energieexperten. Unterm Strich waren sich alle einig.

Die gute Nachricht vorneweg: Auch wenn die Referenten der Fellbacher CDU-Infoveranstaltung „Wie heize ich in Zukunft?“ ganz unterschiedliche Spezialgebiete und Ansätze hatten, in einer Sache waren sich die Experten aus der Heizungs- und Energiebranche bezüglich des nun beschlossenen Gebäudeenergiegesetzes einig: Alle Männer vom Fach rieten dazu, ruhig zu bleiben, abzuwarten und auf keinen Fall unüberlegte Schnellschüsse zu machen.

 

Union, Linke und AfD lehnen das Gesetz ab

Nach langem Ringen hat der Bundestag am Freitag das Gebäudeenergiegesetz (GEG) beschlossen. Das umstrittene Heizungsgesetz erhielt nach hitziger Debatte die Zustimmung der Ampel-Fraktionen. Union, Linke und AfD lehnten das Gesetz ab. Nun lud der CDU-Kreisverband Rems-Murr einen Tag danach, am Samstagmorgen, zur Infoveranstaltung mit Energieexperten in die Räume der Stadtwerke Fellbach ein. Dort war um kurz vor 9 Uhr schon gut was los – wohl ein deutliches Zeichen dafür, dass die Bürger das neue Gebäudeenergiegesetz beschäftigt.

Kein Wunder, die geplante Änderung des Gebäudeenergiegesetzes durch die Bundesregierung sorgt seit Monaten für Schlagzeilen und Verunsicherung bei Hausbesitzern und Mietern. Viele Fragen stehen im Raum. Nach den Plänen sollen neu eingebaute Heizungen künftig zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Die neuen Regeln sollen ab Januar 2024 aber zunächst nur für Neubauten in Neubaugebieten gelten. Bei allen anderen Gebäuden sollen die Kommunen erst eine Wärmeplanung vorlegen. Im Zusammenhang mit diesen Veränderungen hat die Bundesregierung ein neues Konzept zur Förderung von erneuerbarem Heizen entwickelt. Die Bundesrichtlinien für effiziente Gebäude werden überarbeitet. Dadurch werde der Austausch alter Heizsysteme durch Alternativen gefördert.

Zu Wort kamen bei der Inforunde Experten aus der Heizungs- und Energiebranche. „Mit unserer Veranstaltung wollen wir die Bürger informieren und versuchen, Erklärungen und Tipps zu liefern. Dafür haben wir namhafte Experten gewinnen können“, sagte der CDU-Kreisvorsitzende und Staatssekretär Siegfried Lorek. Den Anfang machte Ottmar H. Wernicke von Haus und Grund Württemberg. Und der nahm kein Blatt vor den Mund: „Eigentlich hätte man den Entwurf von April einstampfen müssen. Das hat man aber nicht gemacht, weil man es auf Biegen und Brechen durchpeitschen wollte“, sagt der Geschäftsführer des Landesverbands Württembergischer Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer. Er glaube nicht, dass das letzte Wort bei diesem Gesetz schon gesprochen sei, sagte der Fachmann und gab den Zuhörern einige Eckdaten an die Hand, wann die Vorgaben des GEG umzusetzen sind. Davon abhängig, ob es in der jeweiligen Kommune schon eine kommunale Wärmeplanung gebe, würden die Stichtage variieren. Er beantwortete Fragen und riet zu einem individuellen Sanierungsfahrplan fürs Haus. „Es gibt Ausnahmen und Fristen. Bleiben Sie entspannt und warten Sie auf Infos, es geht um viel Geld, und die Heizung muss zum Haus passen.“

Die Experten raten zur Ruhe – es gehe um viel Geld

Der Meinung war auch Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands, der sich klar für das Heizen mit Holz aussprach und den Gäste der Inforunde einen unabhängigen Energieberater empfahl. „Uns ging es bei der Überarbeitung des GEG darum, die Verunsicherung hinsichtlich Holzenergie abzumildern. Pellets können eingesetzt werden und sind ein heimischer, umweltfreundlicher Brennstoff“, so Bentele.

Dass es bei der Frage nach der richtigen Heizart stark auch darauf ankommt, den richtigen Handwerker zu finden, betonte Rolf Gamperling, der zusammen mit seinem Sohn Jörg, Pressesprecher der Innung für Sanitär-Heizung-Klima und Klempnerei Rems-Murr, nach Fellbach gekommen war. „Ein guter Handwerker wird da unterstützen und erst zum Handeln raten, wenn das aktuelle Gerät alt oder kaputt ist. Ansonsten gilt es, die Füße stillzuhalten und nach einer Lösung zu suchen, die zum Geldbeutel passt.“

In die Kerbe schlug auch Claus Funk, Geschäftsführer der Funk Ingenieure GmbH, und sagte: „Die Politik hat die Bürger nicht abgeholt. Es kommt auch darauf an, wie es schlussendlich auf Landesebene umgesetzt wird. Da bräuchten wir eine Glaskugel“, sagte er und empfahl, unbedingt eine Solaranlage aufs Dach zu bauen und sich mit selbst produziertem Strom unabhängig zu machen sowie über eine Wärmepumpe nur in Kombination zur Solaranlage nachzudenken.

Auch CDU-Generalsekretärin Stumpp kommt aus Berlin nach Fellbach

Extra angereist war Christina Stumpp, stellvertretende Generalsekretärin der CDU, die direkt zurück nach Berlin musste. Vieles sei trotz langer Debatten immer noch nicht klar. „Die Ampel versteht die Dimension des Gesetztes nicht. Jeder darf sein Geschlecht ändern, wann er will, aber welche Heizung im Keller steht, wird ihm vorgeschrieben.“