Nach 36 Dienstjahren, die letzten zwölf davon als Herrenbergs Dekan, wurde Eberhard Feucht am Sonntagnachmittag bei einem feierlichen Gottesdienst in der Stiftskirche entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet.
Viel Wärme erfüllte am Sonntagnachmittag die Herrenberger Stiftskirche beim feierlichen Abschiedsgottesdienst für Dekan Eberhard Feucht. Und das lag nicht in erster Linie daran, dass die Heizung der „Glucke vom Gäu“ lief und die Bankreihen des Gotteshauses voll besetzt waren. Vielmehr sorgten die wertschätzenden Worte für eine besondere Atmosphäre. Sie waren an Eberhard Feucht gerichtet.
Der feierte seinen Abschied nach 36 Dienstjahren, davon die letzten zwölf als Dekan im Kirchenbezirk Herrenberg. Auch Feuchts letzte Predigt berührte: „Lasset euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“, Vers 16 aus dem fünften Kapitel des Matthäusevangeliums, hatte er dafür ausgewählt.
Der letzte Herrenberger Dekan?
Ob Eberhard Feucht der letzte Dekan in Herrenberg sein wird, weil wegen sinkender Mitgliederzahlen eine Kirchenbezirksfusion im Raum steht, ist noch nicht abschließend geklärt. Einen Mediationstermin dazu gibt es am 15. Dezember. Diese bislang noch ungeklärte Frage wurde zwar mehrfach, zumeist in Verbindung mit der Hoffnung auf eine gute, tragfähige Lösung, kurz thematisiert, aber der Abschied von Eberhard Feucht stand ganz klar im Mittelpunkt.
Diesen charakterisierte Prälat Markus Schoch als jemanden, dem es nie um die eigene Person gegangen sei, obwohl er „selbstbewusst Position beziehen, Stellung nehmen, eine Sache vertreten konnte“. Als „Herzensangelegenheit“ des 64-Jährigen bezeichnete Schoch die Diakonie und die Vesperkirche. Feuchts großes Herz für die Diakonie, unterstrich auch Simone Schächterle, die Geschäftsführerin des Evangelischen Diakonieverbands im Kreis Böblingen, in ihrem Grußwort.
Ein Mann der Taten
Ein gutes Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen, Menschen zu gewinnen, sie mitzunehmen, das alles sei Eberhard Feucht immer wichtig gewesen, betonte Schoch: „Begegnung auf Augenhöhe, das hat Ihren Stil und Ihre Amtszeit geprägt.“ Mit der offiziellen Entpflichtung, so betonte Schoch, endeten die dienstlichen Pflichten – jedoch nicht seine Berufung als ordinierter Pfarrer in der Landeskirche, der weiterhin predigen, taufen und Abendmahl feiern darf.
„Wir werden ihn schwer vermissen“, sprach Landrat Roland Bernhard sicher vielen Anwesenden aus dem Herzen. Herrenbergs Oberbürgermeister Thomas Sprißler schloss sich dem an: Als jemanden, der nicht die grundlegenden Werte aus dem Auge verloren und deshalb auch in turbulenten Zeiten wie der Coronapandemie Halt gegeben habe, beschrieb er Feucht, der für ihn „nicht nur Amtsinhaber war, sondern Wegbegleiter und auch ein Freund“ – und außerdem „ein Mann der Taten, der anpackt, wenn’s notwendig ist“.
Dies unterstrich auch der Herrenberger Kirchengemeinderatsvorsitzende Thomas Arenz: In der zwölfjährigen Amtszeit des Dekans sei so viel auf den Weg gebracht worden, dass die Zeit fehle, alles aufzuzählen. Einige Höhepunkte wie der Umbau der Spital- zur Bürgerkirche, die Lichterkette zum Auftakt des Reformations-Jubiläumsjahres 2017 oder die zeitweise virtuelle Rückkehr des Jerg-Ratgeb-Altars in die Stiftskirche anlässlich dessen 500. Geburtstags sowie die Vesperkirche, die Ende Januar 2024 zum zweiten Mal ihren Türen öffnet, fanden dennoch ihren Platz in verschiedenen Grußworten.
Auch Eberhard Wörner, Vorsitzender der Kirchenbezirkssynode, unterstrich, dass Eberhard Feucht die Kirche weiterentwickelt habe und ihm persönlich die Zusammenarbeit „geprägt von gegenseitigem Vertrauen“ in Erinnerung bleiben werde. Auch zwischen den Kirchen sei dies zu beobachten: Diese seien „einander zugewandt“, beschreibt Herrenbergs katholischer Pfarrer Markus Ziegler die Ökumene in der Gäustadt.
Die spürbare Wertschätzung erntete Eberhard Feucht auch von Kolleginnen und Kollegen. Den „Spagat zwischen Kollegialität und Kirchenleitung“, dem alle Dekane und Dekaninnen ausgesetzt seien, habe er „nicht nur ausgehalten, sondern positiv gestaltet“, so Pfarrer Thomas Cornelius, der für die Dienstgemeinschaft im hauptamtlichen Pfarrdienst und als Dekanstellvertreter im Kirchenbezirk sprach. „Er beherrscht die Kunst der Leitung“, gewährte auch Pfarrerin Friederike Schmalfuß als Vertreterin des Herrenberger Pfarrteams Einblicke – und darüber hinaus: „Eberhard Feucht ist nie schlecht gelaunt.“
Musikalisch umrahmt wurde der Abschied von der Kantorei der Stiftskirche sowie des Bezirksposaunenchors unter der Gesamtleitung von Bezirkskantor Johannes Fiedler und Wolfgang Heilmann an der Orgel. Für ein besonderes musikalisches Intermezzo im Grußwortreigen sorgten die beiden Kirchengemeinderäte Joachim Kunkel und Bennet Melcher: Von der Stiftskirchen-Empore gaben sie ihre eigens für Dekan Feucht erdachte Version von „MfG“ der Fantastischen Vier zum Besten – gespickt mit allerlei kirchen-spezifischen Abkürzungen.
Langanhaltender Applaus markierte den Schlusspunkt des offiziellen Teils. Eine lange Schlange geduldig wartender Menschen bildete sich danach: Viele wollten sich noch persönlich von ihrem Dekan verabschieden, bevor sie sich bei Getränken und Fingerfood bedienten.
Eberhard Feucht und seine Frau Susanne Wilhelm wohnen bereits seit Oktober in Kirchentellinsfurt bei Tübingen. Der Garten dort darf sich seit Sonntag über zusätzliches Grün freuen, denn etliche der zahlreichen Abschiedspräsente drehten sich um dieses Thema.