Das Friedrichsbau-Ensemble der Eröffnungsshow „Celebrate The King“ Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Monate der Ungewissheit und der Angst sind überstanden. Für das Friedrichsbau Varieté grenzt es an „ein Wunder“, dass an diesem Donnerstag im neuen Theater „die Stunde Null“ gefeiert wird.

Stuttgart - Monate der Ungewissheit und der Angst sind überstanden. Für das Friedrichsbau Varieté grenzt es an „ein Wunder“, dass an diesem Donnerstag im neuen Theater „die Stunde Null“ gefeiert wird.

Fast schien es, als seien die ­L-Bank und das Varieté am Ende wieder Freunde. Christian Brand, der mittlerweile in den Ruhestand verabschiedete Ex-Vorstandschef der landeseigenen Bank, hatte 2013 für einen Donnerschlag gesorgt. Nach fast zwei Jahrzehnten, in denen die Bank-Rotunde die Heimat des Friedrichsbaus war, setzte er das Theater auf die Straße. Für die Bühne, deren Tradition bis ins Jahr 1900 zurückgeht, begann ein Überlebenskampf, der durch etliche Tiefpunkte führte.

Doch irgendwann ging es aufwärts. Beim Umzug in den Beton-Holz-Bau am Pragsattel erwiesen sich die Bankmitarbeiter als ­äußerst hilfsbereit. Sie organisierten den Transport der alten Stühle ins neue Theater. Die wuchtigen Goldplatten, die André Heller, 1994 einer der Varieté-Gründungsväter, angefertigt hatte, um die Glas-Rotunde der L-Bank vom Tageslicht abzuschirmen, hängen nun an den Wänden der neuen Spielstätte. Nur die Schrift „Friedrichsbau“ ist an der Fassade des Bankbaus geblieben. 3000 Euro hätte es gekostet, sie zu entfernen.

Gabriele Frenzel und Timo Steinhauer, die beiden Geschäftsführer des Varietés, rechnen mit spitzer Feder. Ihr von 30 auf 14 Mitarbeiter reduziertes Team ist ein Beispiel dafür, wie man, wenn die finanziellen Mittel knapp sind, Großes leisten kann.

Würden die Nachfolger des früheren Bank-Chefs Christian Brand auf die Idee kommen, das Varieté zurückholen zu wollen, weil es für die leer stehende Rotunde noch immer kein neues Nutzungskonzept gibt – der Friedrichsbau würde dankend ablehnen. Die einstige Schocknachricht des Rauswurfs hat sich letztendlich als Glücksfall erwiesen.

Die Möglichkeiten im neuen Theater am Pragsattel mit einer größeren Bühne, einem größeren Saal, einer größeren Küche und mit der direkten Nachbarschaft zum Theaterhaus sind viel besser. Für Firmen und Sonderveranstaltungen – also für eine wichtige Einnahmequelle – ist der 21 Meter lange Theatersaal weitaus attraktiver. Für die Gastronomie sind nun die Wirte Oliver Haug und Michael Toutountsidis mit dem Spitzenkoch Michael Braun zuständig. Weil es mehr Platz gibt, sind Menüs nach Wahl erhältlich, die 30 Euro zur Eintrittskarte (Preise zwischen 27 und 47 Euro) kosten.

Auch wenn die letzten Tage ein großer Stress für Geschäftsführer Steinhauer waren, er nur wenige Stunden Schlaf fand, seine eigene Sekretärin ist und auch schon den Saal gefegt hat, strahlt er nun wieder. „Die Neugierde auf das neue Haus ist sehr groß“, sagt er. An diesem Donnerstag wird Premiere der Elvis-Presley-Hommage „Celebrate The King“ gefeiert. Geärgert hat Steinhauer, dass man dem Friedrichsbau nach Debatten des Gemeinderats ein Pleite-Image angehängt oder ihn gar als „Theater der geplatzten Träume“ bezeichnet hat. Für die Verzögerungen beim Bau und die damit verbundenen finanziellen Ausfälle könne sein Haus nichts – das hat inzwischen auch die Stadtverwaltung auf ihre Kappe genommen.

Mit guter Laune, mit einem Mix aus Erotik und Rock’n’Roll startet der Friedrichsbau am neuen Ort – noch in einer zurückhaltenden Bühnenkulisse. Die Sängerin Dacia Bridges moderiert die Show, in der Ray Martin den King Elvis gibt, der im kommenden Januar 80 Jahre alt geworden wäre. Zur Premiere werden Promis wie OB Fritz Kuhn, VfB-Torwart Sven Ulreich, Unternehmer Hans Peter Stihl, Ballettdirektor Eric ­Gauthier, Schauspielerin Astrid M. Fünderich und Solitude-Wirt Jörg Mink erwartet.

„Celebrate The King“ wird bis zum 7. Februar täglich gespielt. Karten unter Telefon 07 11 /  2 25 70 70.