Yella Heubach weiß nicht mehr weiter: Ihr Rad ist ein Wrack. Foto: Judith A. Sägesser

Das Rad einer Schülerin ist immer wieder zerstört worden. Bis Yella Heubach zur Polizei gegangen ist. Doch die hat ihr nicht geholfen.

Sillenbuch - Das Fahrrad kann einem leidtun. Es gibt offenbar jemanden, der es nicht gut mit dem Drahtesel meint. Platte Reifen, gestohlene Ventildeckelchen, ein verschobener Sattel, durchgeschnittene Bremskabel und ein zerstörter Gepäckträger – all diese Dingen wurden dem Rad in der Vergangenheit angetan. Und zwar nicht nur einmal. Irgendwann wusste seine Besitzerin Yella Heubach nicht mehr weiter.

Yella Heubach ist 17 Jahre alt. Sie geht aufs evangelische Heidehof-Gymnasium im Stuttgarter Osten. Morgens fährt sie mit dem Rad vom elterlichen Haus in Riedenberg zur Stadtbahnhaltestelle. Wenn sie nach der Schule zurückkommt, rechnet sie fast schon damit, dass sie ihr Fahrrad heimschieben muss – weil es einen Platten hat.

„Es sind eben immer so nervige Sachen“, sagt Yella Heubach. Zuletzt musste sie für eine Reparatur 120 Euro berappen. Das ist viel Geld für eine Schülerin. „Dafür arbeite ich 13 Stunden im Minijob“, sagt sie.

Die Hoffnung der Schülerin war umsonst

In den vergangenen Jahren hat die junge Sillenbucherin ihr Fahrrad an der Haltestelle „Schemppstraße“ geparkt. Dann hat sie von Freunden gehört, dass die ihre Fahrräder dort schon lange nicht mehr abstellen. Zu groß sei die Gefahr, dass hinterher etwas fehle oder schlicht kaputt sei. Sie haben Yella Heubach geraten, zur Stadtbahnhaltestelle „Sillenbuch“ zu wechseln.

Doch die Hoffnung der Schülerin war umsonst. Lampe und Bremsen demoliert, Luft aus den Reifen, Messerschnitte im Sattel – der Fahrrad-Schänder ist offenbar an vielen Orten zugange. „Ich bin ja nicht die Einzige, der es so geht“, sagt Yella Heubach. Sie hört immer wieder von anderen, wie sie den Radvandalismus verfluchen.

Yella Heubach wollte indessen nicht nur mit Gleichaltrigen den Frust teilen. Also hat sie jüngst beim Polizeiposten in Sillenbuch angerufen, um den Beamten von den ärgerlichen Attacken auf ihr Rad zu erzählen – und um Hilfe zu bekommen. Umso enttäuschter war Yella Heubach, als sie ein paar Minuten später wieder aufgelegt hatte. Sie konnte kaum glauben, was ihr eben widerfahren ist.

Nach dem Anruf bei der Polizei kam sie ins Grübeln

Der Polizist hat festgestellt, „dass ich Feinde habe“, sagt sie. „Das finde ich eine unmögliche Aussage einer Schülerin gegenüber.“ Denn natürlich kam sie nach dieser Bemerkung erst mal ins Grübeln. „Mir ist aber echt niemand eingefallen.“ Der Beamte habe ihr außerdem den Tipp gegeben, das Fahrrad doch besser zu Hause zu lassen. Und auf die Frage, ob eine Anzeige gegen Unbekannt etwas bringen würde, habe er geantwortet, „das ist unnützer Papierkram, der ihn etwa 15 Minuten kostet“, erzählt Yella Heubach. Zumal man den Täter wohl sowieso nicht finden würde. „Ich war schockiert von dieser Reaktion.“

Yella Heubach geht es nicht darum, den Polizeibeamten – dessen Name sie übrigens nicht kennt – anzuschwärzen. Es geht ihr ums Grundsätzliche. Sie hatte ein Problem mit ihrem Fahrrad, und als Kind hatte sie gelernt, dass die Polizei bei Problemen hilft. Dieses Weltbild hat nun Risse. „Die Polizei will, dass wir sie ernst nehmen“, sagt sie. „Aber der Polizist hat mich ja auch nicht ernst genommen.“

Der Polizeiposten lädt die Schülerin ein

Der Polizeiposten Sillenbuch bedauert den Vorfall. Zwar sei nicht klar, mit wem die Schülerin gesprochen habe. „Wenn das aber stimmt, wäre es natürlich nicht okay“, sagt ein Mitarbeiter des Postens. Er bietet Yella Heubach an, persönlich vorbeizukommen, um die Sache zu klären.

Die Schülerin wird die Einladung vermutlich annehmen. Dann kann sie mit den Beamten über den Vorfall am Telefon reden. Und sie könnte die Frage stellen, wegen der sie damals überhaupt bei der Polizei angerufen hatte: Was ist zu tun, wenn sich jemand immer wieder an ihrem Fahrrad zu schaffen macht?

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