Der Vandalismus am Pliensau-Aufzug ist ein Angriff auf die Barrierefreiheit. Foto: Roberto Bulgrin

Mit einer nächtlichen Betriebssperre des Aufzugs zur Esslinger Pliensaubrücke reagiert die Stadt auf den zunehmenden Vandalismus.

Das Thema ist traurig und fast so alt wie der Aufzug selbst, der eigentlich am innerstädtischen Ende der Pliensaubrücke barrierefrei hinab zur Stadt oder hinauf zur Brücke befördern soll. Aber oft nicht konnte, weil er defekt war – nicht aus technischen Mängeln, sondern aufgrund von widerlichem Vandalismus. Bevorzugt nachts, wenn wenig los ist, starteten die Täter ihren niederträchtigen Angriff auf die Bewegungsfreiheit von mobilitätseingeschränkten Menschen.

 

Unlängst hat der Mobilitätsausschuss des Esslinger Gemeinderats reagiert und einen Beschluss getroffen, den die Stadt demnächst umsetzt: Die Betriebszeiten des Aufzugs am Pliensauturm werden ab kommenden Montag, 31. Oktober, ganzjährig der Situation angepasst. In der Zeit von 23 bis 5 Uhr ist der Aufzug künftig außer Betrieb.

Zentrale Verbindung

Da bei der Pliensaubrücke als zentrale Verbindung von der Pliensauvorstadt über den Neckar in die Innenstadt und zurück eine barrierefreie Anbindung besonders wichtig ist, sei dieser Beschluss in Absprache mit der Koordinierungsstelle Inklusion, der AG Barrierefreiheit und dem Inklusionsbeirat erfolgt, teilt die Stadt mit.

Der Aufzug sei in den vergangenen Jahren mit ansteigender Häufigkeit mutwillig zerstört worden, heißt es in der städtischen Mitteilung. Demnach führten die hauptsächlich nachts angerichteten Zerstörungen allein im Jahr 2021 zu Reparaturkosten von 25 000 Euro und zu hohen Ausfallzeiten.

Video-Überwachung rechtlich nicht möglich

Nur ein Teil der Reparaturen konnte vom städtischen Bauhof durchgeführt werden, teilte die Stadt im Januar mit, als unsere Zeitung bereits über das Problem berichtete. Bei komplizierteren Schäden mussten Spezialfirmen herangezogen werden, was zusammen mit Ersatzteilmangel seit Beginn der Corona-Pandemie zu teilweise längeren Ausfallzeiten und damit zu regelmäßigen Beschwerden führte. Damals dachte man bei der Stadt über die Installation einer Überwachungskamera nach, um dem Vandalismus-Unwesen ein Ende zu setzen, war sich aber bewusst, „dass die rechtlichen Hürden hoch sind“, wie Stadtsprecherin Nicole Amolsch formulierte. Jetzt liegt die Antwort vor – und sie ist negativ: „Eine Überwachung des Aufzugs mit Kameras ist nach Rücksprache mit dem Datenschutzbeauftragten für Kommunen nicht möglich“, schreibt die Stadt in ihrer aktuellen Mitteilung.

Blieb also nur die defensive Lösung, wie sie jetzt beschlossen wurde. Durch diese Maßnahme sollen die Funktionsfähigkeit und die Zuverlässigkeit des Aufzugs in den Hauptbetriebszeiten von 5 Uhr bis 23 Uhr gesichert und natürlich auch die Reparaturkosten minimiert werden.

Steile Zickzack-Rampe: für Rollstuhlfahrer nur mit Begleitperson

Aber was ist nun mit allen, die auf den Aufzug angewiesen sind? Gibt es für sie eine faktische nächtliche Brückenquerungssperre? Die Stadt weist Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer auf die Rampe zur Pliensaubrücke hin, während der Aufzug nachts außer Betrieb ist. Doch die städtische Mitteilung räumt gleichzeitig ein: „Aufgrund der hohen Steigung der Rampe ist dafür jedoch eine Begleitperson erforderlich.“ In der Tat: Die schiefe Zickzack-Ebene zur Brücke hoch stellt auch Radfahrer vor eine akrobatische Kraftprobe, die viele nach Möglichkeit durch Aufzugnutzung umgehen. Auch mit Kinderwagen ist der Aufstieg kein Spaziergang – wobei man voraussetzen darf, dass der Kinderwagenverkehr zwischen 23 und 5 Uhr nachts in der Regel gegen Null tendiert.

Aufzüge im Bahnhof zuletzt ohne größere Ausfälle

Aufzüge im öffentlichen Raum bleiben ein Dauerproblem. Jahrelang machten etwa die Anlagen im Esslinger Bahnhof Ärger, weil die Lifts zu den Bahnsteigen und zum Bahnhofsvorplatz oft außer Betrieb waren. Zumindest hier hat sich die Lage verbessert: „In den vergangenen Monaten gab es keine größeren Ausfälle“, teilt eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage mit.