Quelle: Unbekannt

An der Jägerstraße landeten Farbbeutel auf einem Bürohaus und Autos.

Stuttgart - Unbekannte haben in der Nacht zum Samstag mehrere Farbbeutel auf ein Gebäude in der Jägerstraße geworfen. Dort ist in Sichtweite des Nordflügels des Hauptbahnhofs, der abgerissen werden soll, das Büro von Wolfgang Drexler, dem Sprecher des Projekts Stuttgart 21, untergebracht.

Grün, blau, weiß, rot, schwarz. Etwa zehn Farbbeutel haben Unbekannte im Hinterhof des Gebäudes Jägerstraße 2 gegen die Fensterscheiben eines Büros im ersten Stockwerk geschleudert. Ein darunter geparktes Autos wurde ebenfalls getroffen, ein zweites Fahrzeug wurde mit Farbspritzern übersät. Da beide Fahrzeuge durch DB-Logos als Bahneigentum erkennbar sind, schließt die Polizei einen Zusammenhang zwischen der Sachbeschädigung und dem Protest gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 nicht aus.

Der Schauplatz der Farbbeutelattacke liegt in einem Hinterhof. An der offenbar ständig verschlossenen Glaseingangstür zum Hof ist ein aufgesprühter Text zu lesen: "Es stimmt, dass S21 Arbeitsplätze schafft: Illegale." Auch auf dem Briefkasten haben die Unbekannten einen Text hinterlassen: "Es stimmt: S21 ist umkehrbar." Zugang zum Hinterhof hatten sich die Beutelwerfer offenbar über eine offene Parkplatzzufahrt verschafft. Nur von dort ist auch das Büro von Wolfgang Drexler zugänglich. "Diese Tür ist ab sofort bitte geschlossen zu halten", besagt ein Hinweisschild. "Bitte über Sprechanlage melden." Es herrscht ein Hauch von Bunkermentalität.

"Die Grenze ist zum wiederholten Mal überschritten", kommentiert Wolfgang Drexler am Tag nach der Farbbeutelattacke das Geschehen. "Wir können nur appellieren, dass der Protest weiterhin friedlich bleibt."

"Solche Aktionen haben wir nicht nötig"

Gangolf Stocker, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, geht auf Distanz zu den Farbbeutelwerfern. "Wir haben mit diesen Aktionen nichts zu tun", sagt der SÖS-Stadtrat. Angesichts der Größe, die der Widerstand gegen Stuttgart 21 inzwischen erreicht habe, könne man nicht verhindern, dass sich Trittbrettfahrer mit solchen Taten an den Protest anhängen. "Solche Aktionen haben wir nicht nötig", versichert Stocker.

Bereits in der Vergangenheit war es mehrmals zu Sachbeschädigungen und handfesten Aktionen und Drohungen gegen Protagonisten von S21 gekommen. Täter konnten dabei aber bisher nie ermittelt werden. So wurden bereits Ende vergangenen Jahres und dann wieder Anfang April 2010 zahlreiche Fahrkartenautomaten entlang der Linie S6 zwischen Stuttgart und Renningen beschädigt und mit Parolen gegen S21 versehen. Etwa zur gleichen Zeit wurden Firmenschilder der Werbeagentur Crew AG zerstört. Die Firma auf dem Killesberg hatte drei Tage zuvor den Zuschlag zur Kampagne für das Bahnprojekt Stuttgart 21 erhalten.

Im April und Mai war es dann per E-Mail, Briefe und Anrufe zu massiven Beschimpfungen, Beleidigungen und verbalen Bedrohungen von Mitarbeitern des S-21-Kommunikationsbüros und deren Chef Wolfgang Drexler gekommen.

Anfang August kam es dann zum vorläufig schwersten Zwischenfall. Unbekannte zündeten damals einen am Marienplatz geparkten Lastwagen an, der zuvor beim Aufbau der Absperrgitter am Bahnhof und für das öffentliche Gelöbnis am Neuen Schloss eingesetzt war. Die Ermittler waren zunächst von einem technischen Defekt an dem Fahrzeug ausgegangen. Später wurde aber an der Beifahrertür das eingeritzte Kürzel K21 entdeckt. Es gilt als Kennzeichen der Stuttgart-21-Gegner und Befürworter des bestehenden Kopfbahnhofs. Der Sachschaden an dem Lkw betrug 10.000 Euro.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: