Die Vaihinger Crossläuferin Mia Jurenka zu ihrem sensationellen Titelgewinn am Wochenende bei den Europameisterschaften in Dublin.
Vaihingen - Noch vor Kurzem war Mia Jurenka wohl nur Insidern der Leichtathletik-Szene ein Begriff. Doch das dürfte sich mit diesem Wochenende schlagartig geändert haben. Wie berichtet hat die 19-jährige Vaihingerin bei den Crosslauf-Europameisterschaften in Dublin mit der deutschen U-20-Mannschaft sensationell den Titel gewonnen. Ihr eigener Beitrag: ein starker siebter Platz in der Einzelwertung. Wie sie den bislang größten Tag ihrer Sportkarriere erlebt hat und welche weiteren Pläne sie hat, darüber spricht die ansonsten für den VfL Sindelfingen startende Jurenka in unserem Interview.
Frau Jurenka, Glückwunsch zum Titelgewinn. Wie fühlt man sich als frischgebackene Europameisterin?
Es ist wirklich der Hammer. Das ist mega. Mir fehlen immer noch die richtigen Worte. Ich kann das alles nach wie vor kaum begreifen. Am Anfang des Rennens dachte ich, das wird schwierig, weil ich zunächst weit hinten lag. Aber ich konnte von Runde zu Runde immer mehr aufholen und hatte beim Endspurt auf der Zielgeraden das Glück, dass ich unter drei Zeitgleichen um Millimeter vorne lag und somit sogar den nie erwarteten siebten Rang schaffte.
Im Vorfeld waren Sie nicht sehr optimistisch gewesen, einen vorderen Platz belegen zu können. . .
Ja, das ist richtig, nachdem ich ja in diesem Jahr nach einem Ermüdungsbruch nur wenige Wettkämpfe machen konnte. Geholfen hat mir sicherlich das gezielte Sprinttraining der vergangenen Wochen, um vor allem im Schlussspurt schneller zu sein. Und so habe ich alle Kraft in meinen Abschlusssprint hineingelegt und bin quasi mit dem letzten Schritt noch zu Gold gerannt.
Leidtragende war Ihre Mannschaftskollegin Johanna Pulte, die Sie somit hauchdünn als drittbeste Deutsche aus der Teamwertung verdrängten. War sie arg enttäuscht?
Ein bisschen, klar. Aber wir durften immerhin alle fünf aufs Siegerpodest. Johanna ist ja ein Jahr jünger als ich und hat somit die Chance, im nächsten Jahr nochmals in der U-20-Juniorinnenklasse zu starten, während ich dann schon zur U-23-Klasse gehören werde.
Im Ziel lagen Sie nur wenige Sekunden hinter der absoluten europäischen Spitzenklasse. Auf was führen Sie diesen enormen Leistungssprung zurück?
Ich habe in den vergangenen Wochen mein Trainingspensum stetig steigern können, bis auf teilweise hundert Trainingskilometer pro Woche. Und gesundheitliche Beschwerden habe ich keine mehr. Außerdem habe ich in Kim Bödi, die wie ich für den VfL Sindelfingen startet und die ebenfalls in Dublin dabei war, eine ideale Trainingspartnerin. Wir spornen uns gegenseitig an.
Und die Goldmedaille ist nun ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk, nachdem Sie im November 19 geworden sind?
(lacht). Nein, eigentlich habe ich nicht an meinen Geburtstag gedacht. Auf der Strecke kreisten meine Gedanken am Ende vielmehr um die Frage: Vielleicht schaffst Du es doch unter die besten Zehn in Europa? Und das ist mir dann ja tatsächlich geglückt.
Was haben Sie gedacht, als bei der Siegerehrung die deutsche Nationalhymne gespielt wurde?
Ehrlich, ich war komplett im Tunnel, voller Adrenalin, habe mich nur gefreut und war sehr stolz. Ein tolles Gefühl.
Wie wurde anschließend gefeiert? In einem irischen Pub? Der Rückflug war ja erst tags darauf am Montag.
Eine generelle EM-Abschlussfeier, wie sonst immer, gab es diesmal leider nicht. Das ist schon etwas traurig, dass dies ausfallen musste. So ist halt die Situation durch Corona. Wir haben intern etwas gefeiert – coronakonform und ohne Pub-Besuch.
Ein Blick in die Zukunft. Was steht nun als Nächstes bei Mia Jurenka an?
Am kommenden Wochenende geht es gleich weiter mit den deutschen Cross-Titelkämpfen (Anmerkung der Redaktion: in Sonsbeck/Nordrhein-Westfalen). Dort hoffe ich auch auf einen Medaillenplatz. Und Anfang Januar folgt ein Trainingslager in Portugal – für mich allerdings nur eine Woche lang, weil ich die Hallensaison ausfallen lassen werde.
Im Frühjahr und Sommer wird man Sie dann aber vermutlich auf den Stadionbahnen sehen?
Klar. Ich werde mich auf die Strecken 5000 und 10 000 Meter konzentrieren. Schade, dass es 2022 keine U-23-Europameisterschaften geben wird. Vielleicht klappt’s dann ein Jahr später.