Ein Gleis mit wechselvoller Geschichte: die WEG-Trasse Foto: factum/Bach

Land und Region steuern fast 950 000 Euro zur Fahrradbahn bei – rund 200 000 Euro mehr als erhofft. Somit steht der Zeitplan: bereits Ende des Jahres kann wohl mit dem Umbau des alten Gleises zum Radweg begonnen werden.

Vaihingen/Enz - Totgesagte leben länger. Das scheint auch auf die Fahrradbahn in Vaihingen/Enz zuzutreffen. Nach etlichen politischen Rückschlägen schien der Umbau des stillgelegten Gleises der Württembergischen Eisenbahngesellschaft WEG schon ad acta gelegt. Doch dann wendete sich das Blatt und die endgültig letzte Hürde ist wohl genommen: Das Land und die Region Stuttgart haben das Vorhaben in ihre Förderprogramme aufgenommen. Somit scheint es realistisch, dass noch in diesem Jahr mit dem Umbau begonnen werden kann.

„Der Bescheid vom Land ist noch nicht da“, sagt der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch, „aber es wurde uns signalisiert, dass es mit der Förderung klappt.“ Auf Anfrage bestätigt eine Sprecherin des Verkehrsministeriums, dass das Land rund 670 000 Euro der Baukosten übernimmt. Zusammen mit den 275 000 Euro, die der Verband Region Stuttgart bereits vor einigen Wochen zugesichert hat, kann die Stadt sogar aus dem Vollen schöpfen. Die Fördersumme von fast 950 000 Euro liegt deutlich über dem, was der Gemeinderat als Mindestquote vorausgesetzt hatte. Das Gremium hat dem Vorhaben unter der Maßgabe zugestimmt, dass mindestens die Hälfte der Gesamtkosten – bei geplanten 1,5 Millionen Euro sind das 750 000 Euro – durch Zuschüsse gedeckt ist.

Stadt muss weniger zahlen als erwartet

Aus Sicht des Oberbürgermeisters ist das eine positive Nachricht. „Ich habe keine Sorgen, dass darüber im Gemeinderat noch mal eine Grundsatzdiskussion entbrennt“, sagt Gerd Maisch. „Alle werden sagen: klasse, dass wir die geplanten Mittel aus der Stadtkasse nicht mal voll ausschöpfen müssen.“ Die Planung für den ersten Bauabschnitt zwischen der Kernstadt und dem Bahnhof laufe bereits. Für den Herbst sei die Vergabe geplant, was bedeutet: das Projekt liegt im Zeitplan.

Ziemlich sicher sei somit auch, dass der Gemeinderat im Juni die Ausschreibung der Bauarbeiten beschließt, so dass noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden könne. Wie erhofft, könnten dann 2017 die ersten Fahrräder über die neue Bahn rollen. Damit könnte ein beispielloses Kapitel der Vaihinger Kommunalpolitik abgeschlossen werden.

Bürgerentscheid vor sieben Jahren gescheitert

Bereits im Jahr 2009 hatte eine Bürgerinitiative den ersten Bürgerentscheid der Stadtgeschichte zu dem Thema durchgesetzt – damals gegen den Willen von Stadtverwaltung und Gemeinderat. Knapp 8500 Bürger stimmten aber dagegen, nur 6200 dafür – wohl auch, weil der Oberbürgermeister befürchtete, dass das Vorhaben den finanziellen Rahmen der klammen Stadtkasse sprengen könnte.

Dann, gut vier Jahre später, war es Maisch selbst, der das Thema in einer Haushaltsrede wieder ins Spiel brachte. Der finanzielle Spielraum sei jetzt da, versicherte er wenig später im Gemeinderat – trotzdem stimmte eine Mehrheit des Gremiums dagegen. Es folgten Monate mit Überzeugungsarbeit und Vier-Augen-Gesprächen. Und siehe da: eine Mehrheit des Gemeinderats konnte sich plötzlich dafür erwärmen, die Gleise herauszureißen und einen sicheren, steigungsfreien Radweg durch die drei größten Stadtteile zu bauen. Ende September wurde der Beschluss für den ersten Abschnitt gefasst.

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