Alles unter Kontrolle: Machthaber Kim Jong-un Foto: AP

In der Krise um Nordkoreas Raketenprogramm gleicht sich der US-Präsident der martialischen Rhetorik seines Widersachers Kim Jong-un an. Beobachter rätseln, warum Donald Trump Pjöngjang derart provoziert. Der US-Außenminister dämpft den Ton.

Washington - Die Szenerie wirkte ebenso beklemmend wie surreal. Draußen vor dem Fenster des noblen Clubhauses im friedlichen Örtchen Bedminster flitzten die Gäste mit Golfcarts über den grünen Rasen. Drinnen im gediegen dunkelgrauen Konferenzraum saß Donald Trump vor einer US-Fahne neben einer hölzernen Tafel mit den Namen der Sieger des letzten Turniers und sprach über den dritten Weltkrieg.   „Nordkorea sollte besser den USA nicht weiter drohen“, hob der US-Präsident auf die Frage eines Journalisten an, „sonst werden sie Feuer und Wut erfahren, wie es die Welt noch nicht erlebt hat.“   Trump sprach ruhig. Er hatte die Arme vor dem Bauch verschränkt. Zuvor, bei seinen Ausführungen über die Opiumkrise in den Vereinigten Staaten, hatte er sich nach vorne gebeugt und viel vom Blatt abgelesen. Jetzt redete er frei und lehnte sich zurück. Die Körpersprache kon­trastierte merkwürdig mit der dramatischen Rhetorik: „Wie ich gesagt habe: Sie werden Feuer, Wut und Macht erfahren, wie es die Welt noch nicht erlebt hat“, wiederholte Donald Trump.  

Keine halbe Minute dauerte die verbale Detonation. Sofort begannen die professionellen Beobachter zu rätseln, was diese radikal undiplomatische Warnung zu bedeuten habe. „Feuer und Wut“ klingt nach einer alttestamentarischen Beschreibung des Weltuntergangs. Trumps Zusatz, dass die Welt so etwas noch nie erlebt habe, lässt sich als Drohung mit einem Nu­klearschlag verstehen. Erst einmal hatte sich ein US-Präsident ähnlich geäußert. 1945 forderte Harry Truman die Kapitulation der Japaner und drohte mit „einem Regen der Zerstörung aus der Luft, wie ihn die Erde noch nicht gesehen hat“. Das war nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima.   War Trump die Analogie bewusst? Hat er die apokalyptischen Worte bewusst gewählt? Plant er gar einen Erstschlag in dem hochbrisanten Konflikt um das nordkoreanische Raketenprogramm? Oder hat er sich in dem Versuch, den Widersacher Kim Jong-un einzuschüchtern, von seinen Emotionen hinwegtragen lassen? Auch in den abendlichen Politik-Talkrunden der Nachrichtensender hatte niemand eine sichere Antwort.   Klar ist nur, dass die Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang sich täglich verschärfen, nachdem Nordkorea Ende Juli zum zweiten Mal eine Langstreckenrakete getestet hat.

Horrorvorstellung erscheint plötzlich real

Am Samstag beschloss der UN-Sicherheitsrat einstimmig schärfere Sanktionen gegen das kommunistische Regime. Unter anderem sind Exportverbote für Kohle, Eisen und Fisch vorgesehen. Dass auch Russland und China zustimmten, wertete Trump als großen persönlichen Erfolg.

Doch am Dienstagmorgen schreckte die „Washington Post“ die Amerikaner mit der Nachricht auf, dass es den Nordkoreanern nach Informationen von US-Geheimdiensten gelungen sei, einen verkleinerten atomaren Sprengkopf herzustellen, der sich auf eine Rakete montieren lasse. Ob die Meldung stimmt, ist kaum zu überprüfen. Doch die Horrorvorstellung eines von einem unberechenbaren Diktator ausgeführten Atomschlags mit Tausenden toten Amerikanern schien plötzlich real.  So war die Lage, als Trump in seinem Golfclub in New Jersey seine bombastische Warnung aussprach. Bewusst oder unbewusst nahm er damit die Rhetorik des Erzfeinds Kim Jong-un auf. Das Regime in Pjöngjang hatte wiederholt gedroht, die USA würden im Falle eines Erstschlags in einem „Meer von Feuer“ versinken.   Trotzdem stieß Trumps rhetorische Nachrüstung in den USA auf starke Kritik. „Gegenüber Nordkorea müssen wir hart und mit Bedacht vorgehen“, sagte der demokratische Senator Chuck Schumer. „Unbesonnene Rhetorik ist keine gute Strategie, um die Sicherheit Amerikas zu gewährleisten.“ Noch bemerkenswerter ist, dass sich der Vietnam-Kriegsheld und republikanische Hardliner John McCain von Trumps Wortwahl distanzierte. „Man sollte das, was man androht, auch tun können“, kritisierte der Senator. Die Äußerung sei typisch für Trump, der zu Übertreibungen neige. „Das bringt uns nur näher an eine ernste Konfrontation“, warnte er.  

Außenminister Tillerson schlug moderatere Töne an

Auf der anderen Seite der Erdkugel schlug US-Außenminister Rex Tillerson, der sich auf dem Heimflug von einer Asienreise befand, am Mittwoch denn auch deutlich moderatere Töne an. Der Diplomat hatte in den vergangenen Tagen erklärt, dass sich Nordkorea durch die USA nicht bedroht fühlen müsse. Er sehe auch „keine unmittelbare Bedrohung“ aus Pjöngjang, sagte er nun beim Anflug für einen Tankstopp auf die Pazifikinsel Guam, die Kim im Falle eines US-Angriffs bombardieren will. „Ich denke, die Amerikaner können ruhig schlafen“, so Tillerson.

  Zu dieser Zeit aber ging in Washington gerade erst die Sonne auf. Und Donald Trump griff wie üblich zum Handy. Er habe die Nuklearwaffen der USA modernisieren lassen, behauptete er, obwohl das in einem halben Jahr unmöglich ist. Doch dann setzte er hinzu: „Hoffentlich müssen wir diese Kraft niemals einsetzen.“ Das klang wie der Versuch einer verbalen Abrüstung.

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