Zu den prominenten früheren Militärs und Biden-Unterstützern zählt auch der frühere Eucom-Befehlshaber Wesley Clark Foto: AP/NORM DETTLAFF

Viele US-Sicherheitsexperten unterstützen den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden. Sie halten Amtsinhaber Trump für unfähig. Dazu gehören auch Republikaner, die zuvor das US-Europa-Kommando (Eucom) geführt haben.

Stuttgart - Fast 500 ehemalige hochrangige US-Militärs und ehemalige Minister, darunter zahlreiche Republikaner, haben jetzt in einem offenen Brief ihre Unterstützung für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden erklärt.

 

Einige Namen aus der langen Liste von 489 Ex-Generälen und früheren Regierungsbeamten stechen heraus, weil sie jahrelang in einem der beiden strategischen US-Regionalkommandos in Stuttgart führend Verantwortung trugen. Zum Beispiel der Luftwaffengeneral a. D. Charles G. Boyd.

Von 1992 bis 1995 stellvertretender Kommandeur der US-Streitkräfte in Europa (Eucom) in den Patch Barracks, nahm er jetzt auf Twitter ein Video für die Gruppe „Sicherheitsexperten für Biden“ (National Security Leaders for Biden) auf: „Ich habe 36 Jahre in der US-Luftwaffe verbracht, fast sieben Jahre davon als Kriegsgefangener in Vietnam“, sagt er. „Seit meiner Rückkehr bin ich ein Republikaner gewesen, aber stillschweigend“, erklärt Boyd im Video. „Ich bin der felsenfesten Überzeugung, Offiziere, auch wenn sie pensioniert sind, sollten sich nicht in die Politik der Präsidenten einmischen“, sagt Boyd, der einzige US-Offizier, der es nach seiner Kriegsgefangenschaft zum Vier-Sterne-General brachte und bei seiner Kommando-Übergabe 1995 Tränen in den Augen hatte.

„Dieses Jahr ist anders“

„Aber dieses Jahr ist anders. Donald Trumps Angriff auf den Rechtsstaat, der eine Demokratie erst möglich macht, ist so ungeheuerlich, dass ich mich dazu entschieden habe, meine Meinung kundzutun(...)Wir müssen dieses Jahr für Joe Biden stimmen. Ich werde ihn wählen. Und ich hoffe, Sie werden das auch tun.“

Auch der pensionierte Admiral Charles S. „Steve“ Abbot, der von 1998 bis 2000 stellvertretender Kommandeur des Stuttgarter Eucom war und zum Führungsgremium der Sicherheitsexperten für Biden zählt, ist eigentlich Republikaner. Nach dem Abschied vom Militär fungierte er als stellvertretender Heimatschutzberater unter Präsident George W. Bush. Nach den Anschlägen des 11. September 2001 sei ihm bewusst geworden, „wie es im Weißen Haus ist, wenn man es mit einer großen Krise zu tun hat“, sagte er der „Washington Post“. „Ich dachte, sie haben das geschickt gemacht.“ Trumps Führungsversagen bei der Corona-Pandemie habe ihn dazu gebracht, an die Öffentlichkeit zu gehen, sagte Abbot. „Das Staatsschiff hat schwere Schlagseite, und wir brauchen einen neuen Kapitän.“

„Dank seiner verächtlichen Haltung und seinem Versagen vertrauen uns unsere Verbündeten nicht mehr, und unsere Feinde fürchten uns nicht mehr“, heißt es in dem „Offenen Brief an Amerika“. Nur „F. D. R. und Abraham Lincoln kamen ins Amt und sahen sich mit monumentaleren Krisen konfrontiert als der nächste Präsident.“ Zu Bidens prominenten Unterstützern zählt auch der Ex-Eucom-Chef und Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark, ein Demokrat, aber auch mehrere hohe Offiziere, die unter Trump dienten, darunter General Paul J. Selva, bis Juli 2019 Vize-Generalstabschef.

Zustimmung zu Trump sinkt

Trump spricht immer wieder über die Unterstützung, die er beim Militär genießt. Vor Kurzem sagte er aber, einige hohe Tiere im Pentagon wollten ihn wahrscheinlich nicht. Diese „wollen nichts als Kriege führen, damit all diese wunderbaren Firmen, die Bomben und Flugzeuge und alles andere herstellen, glücklich bleiben“. Die einfachen Soldaten aber seien zufrieden mit ihm. Trump machte diese Aussagen nach der Empörung über einem Artikel im Magazin „Atlantic“, wonach Trump amerikanische Soldaten, die im Kampf gefallen sind, als „Trottel“ und „Verlierer“ bezeichnet haben soll.

Eine aktuelle Meinungsumfrage der „Military Times“ unter aktiven Soldaten verzeichnet eine sinkende Zustimmungsrate für den Präsidenten. Demnach sprachen sich 41 Prozent für Biden und 37 Prozent für Trump aus. Vor vier Jahren sah eine ähnliche Umfrage Trump noch deutlich vor seiner Herausforderin Hillary Clinton. „So etwas ist diesmal nicht zu spüren“, sagt ein hoher US-Militärbeamter unserer Zeitung zur gegenwärtigen Stimmung unter den US-Soldaten in Europa.