Ingrid Strähle (rechts) und ihre Mitarbeiterin Safiye Serim füllen loses Getreide in einen Behälter der mehrstöckigen Selbstbedienungsbar. Foto: /Ines Rudel

In Eislingen wird zurzeit der erste Unverpackt-Laden im Kreis Göppingen eingerichtet. In Kürze wird Ingrid Strähle ihr Geschäft im Stadtzentrum auch eröffnen.

Eislingen - Ich glaube, die Zeit ist reif. Die Leute wünschen sich so etwas, und das liegt nicht nur an Greta Thunberg.“ Für Ingrid Strähle war der Gelbe Sack einer der Auslöser, in ihrer Heimatstadt den kreisweit ersten Unverpackt-Laden zu planen. „Meine Familie und ich versuchen schon lange, Kunststoffverpackungen zu vermeiden, doch der Gelbe Sack füllte sich immer wieder“, berichtet die Kauffrau, die ihren Laden im Eislinger Zentrum Ende November eröffnen möchte.

Herzstück des Geschäfts ist eine mehrstöckige Selbstbedienungsbar, deren Glasbehälter pünktlich zur Eröffnung vor allem mit Getreide, Reis und Cerealien gefüllt werden sollen. Gleich daneben befinden sich Regale voller Gläser mit Gewürzen und Puddingpulver sowie die selbst gebaute Nudeltheke. Die Platten dafür, die vom Vormieter in der früheren Apotheke bisher als Wandverkleidung dienten, habe sie gerne übernommen, denn es sei wichtig, dass noch brauchbare Dinge nicht einfach entsorgt würden, erklärt die Kauffrau.

Regionale Produkte, die es nicht in jedem Supermarkt gibt

Den großen Esstisch, die Verkaufstheke und mehrere Regale habe sie genauso aus zweiter Hand erworben wie die elektrische Kaffeemühle, auf der noch ein Aufkleber von Eduscho prangt. Den Kaffee für die Mühle bezieht Strähle von der Göppinger Kaffeerösterei, Obst und Käse stammen aus Schlat und Plochingen (Kreis Esslingen), die Eier kommen aus Böhmenkirch, der Honig aus Eislingen, Gewürze und Senf aus Holzhausen, Getreide aus Hohenlohe und das Bier aus Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen), denn Ingrid Strähle möchte regionale Produkte verkaufen, die es nicht in jedem Supermarkt gibt und die hochwertig und zu fairen Bedingungen hergestellt werden. Vieles stamme sogar aus biologisch zertifizierten Betrieben, doch sobald die großen Gebinde in ihrem Laden geöffnet würden, um sie beispielsweise in die Schütten zu verteilen, gelte das Biosiegel nicht mehr.

Der regionale Anspruch habe sich allerdings nicht immer umsetzen lassen, wenn die Anlieferung beispielsweise nur in der Nacht hätte erfolgen können. „Das wollte ich den Mitbewohnern hier im Haus nun wirklich nicht antun“, sagt Ingrid Strähle. Auch bei den Milchprodukten musste sie weitere Wege in Kauf nehmen, anstatt von einem Hof im nahen Lauterstein zu kaufen. Die nicht recycelbaren Tetrapacks, die letztlich in der Müllverbrennung landeten, gaben den Ausschlag, und so kam eine Tübinger Molkerei zum Zug – dort werde in Glasflaschen abgefüllt.

Abfallvermeidung und Ausweg aus der Alltagshetze

Glas spielt bei Tante Nellis neben Papiertüten eine zentrale Rolle. Naturgemäß sind natürlich Soßen, Marmeladen, Chutneys und Säfte in Glasgebinden zu haben, und darüber hinaus setzt Strähle auf verschließbare Pfandgläser.

Darin sollen sich ihre Kunden bald alle möglichen losen Lebensmittel abfüllen, heimtragen und die Gläser beim nächsten Einkauf wiederverwenden. Auch die frisch zubereiteten Salate wollen Strähle und ihr sechsköpfiges Team in solchen Weckgläsern anbieten. Auf diese Weise lasse sich schon beim Snack in der Mittagspause eine ganze Menge Abfall vermeiden, hofft die Unternehmerin, die nicht nur die Verantwortung für ihrem Laden tragen, sondern auch weiterhin die kaufmännischen Geschicke im familieneigenen Rollladenbaubetrieb leiten will.

„Wir werden vom ersten Tag an laufen“, sagt Strähle zuversichtlich. Sie erlebe eine große Sehnsucht der Menschen nach hochwertigen Produkten – und nach einem Ausweg aus der alltäglichen Hetze. Dafür sei ihr Laden eigentlich ideal, denn wer hier einkaufe, brauche beim Abfüllen einfach mehr Zeit als im Supermarkt, das sei wie Slow Motion.

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