Zwei Leben: Als Grace Kelly hat sie Hollywood verzaubert und als Fürstin Gracia Patricia den Ministaat Monaco. Foto: dpa

Ihr Name ist mit Glamour und Tragik verbunden - Grace Kelly fasziniert bis heute. Vor 30 Jahren raste Fürstin Gracia Patricia in den Tod.

Paris - Sie führte das atemberaubende Leben einer Märchenfee und bleibt auch dreißig Jahre nach ihrem jähen Unfalltod ein Mythos: Grace Kelly. Die entzückende Blondine aus Philadelphia stieg auf zur umjubelten Hollywood-Diva und fand dann als Fürstin Gracia Patricia von Monaco eine neue Paraderolle. Sie stand für den amerikanischen Traum, der am 13. September 1982 jäh endete. Auf der gefährlichen Küstenstraße ­Route de La Turbie bei Monaco verunglückte die Fürstin so schwer, dass sie am nächsten Tag starb.

30 Jahre danach lebt der Mythos Grace noch immer. Wohin man in dem kleinen Stadtstaat Monaco auch tritt, überall ist Gracia Patricia präsent: hier eine Statue, dort ein nach ihr benannter Kindergarten. Das Touristenbüro hat eigens einen Faltplan aufgelegt, der Besucher auf den Parcours Princesse Grace führt – von der gleichnamigen Avenue bis hoch hinauf auf den alten Piratenfelsen.

Die Monegassen verehren Gracia Patricia

Diva und Fürstin, Glanz und Glamour, Erotik und Eleganz – das ist das faszinierende Hochglanzbild, das der Boulevard von Gracia Patricia gezeichnet hat. Im täglichen Leben galt sie hingegen als bodenständig. Die fürsorgliche Landesmutter wirkte oft im Stillen, ließ Waisenhäuser und Kindergärten bauen, besorgte den Pfadfindern einen Vereinsraum, verhalf dem Roten Kreuz zu neuer Blüte und rief zahlreiche Wohltätigkeitsveranstaltungen ins Leben.

Die Monegassen verehren Gracia Patricia, weil sie hauptsächlich ihr das goldene Zeitalter in den 60er und 70 Jahren verdanken, in dem Monaco aufblüht: vom verträumten Kasino- und Operettenstaat zum „Manhattan des Mittelmeers“, Treffpunkt des internationalen Jetsets. Zuerst gingen Show- und Filmstars wie Frank Sinatra und Sammy Davis jr., Clark Gable und Cary Grant, Ava Gardner und Sophia Loren im Hercules-Hafen an Land. Ihnen folgten Millionäre und Mannequins, Investoren und Touristen.

Wie es zu dem Unfall kam, der die beliebte Fürstin aus dem Leben gerissen hat, ist bis heute rätselhaft.Die schmale, serpentinenreiche D 37 hoch über der Côte d’Azur ist gefürchtet wegen der vielen Haarnadelkurven und der steil abfallenden Felsen. 35 Autominuten liegen zwischen Roc Agel, der Sommerresidenz der Grimaldis, und dem Fürstenpalast. Obwohl keine gute Autofahrerin, verzichtete die Fürstin an diesem verhängnisvollen Morgen auf die Dienste ihres Chauffeurs und setzte sich selbst ans Steuer ihres Wagens: auf dem Beifahrersitz die jüngste Tochter, die 17-jährige Stéphanie. Keine von beiden legte den Gurt an.

Zum 30. Todestag wird „Über den Dächern von ­Nizza“ gezeigt

Zeugen berichteten, dass das Auto kurz vor der Ortschaft Cap d’Ail mit überhöhter Geschwindigkeit ungebremst eine Steinmauer durchbrach und vierzig Meter tiefer im Garten eines Bauern aufschlug. Wilde Spekulationen schießen seitdem ins Kraut. Hat es im Auto Streit gegeben? Ist es ein Schlaganfall, oder hat reichlich Alkoholgenuss vom Vorabend ihre Fahrtüchtigkeit eingeschränkt? Saß Stéphanie gar am Steuer? Auf Roc Agel hatte sie tags zuvor offenbart, dass sie Rennfahrerin werden wolle.

Während sich die Prinzessin mit schweren Halswirbelverletzungen und einer Gehirnerschütterung selbst befreite, zog der herbeigeeilte Bauer die Fürstin aus dem Wrack. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht. Doch die Gehirnblutungen waren so schlimm, dass der Transport in eine Schweizer Spezialklinik unmöglich war. Am Abend des 14. September, zwei Monate vor Gracia Patricias 53. Geburtstag, schalteten die Ärzte mit Zustimmung Fürst Rainiers III. die Beatmungs­maschine ab.

An diesem Freitag, ihrem 30. Todestag, erinnert Monaco an die Schauspielerin, die dem Fürsten zuliebe nach der Hochzeit nie mehr vor einer Filmkamera stand. Gezeigt wird, in Gegenwart ihres Sohnes Fürst Albert II., der Kinoklassiker „Über den Dächern von ­Nizza“ – natürlich im Théâtre Princess Grace.