Die Anforderungen an Bewerber in der Consultingbranche sind und bleiben hoch - dafür winken schnelle Karriere und überdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten.

Stuttgart - Internationale Erfahrungen in den verschiedensten Branchen sammeln - und das bei sehr gutem Gehalt: wer bei einer Unternehmensberatung einsteigt, kann das miteinander verbinden. Doch er muss auch hohe Ansprüche erfüllen und besonders leistungsbereit sein. Den 33-jährigen Jonas Seyfferth hat diese Berufsperspektive gereizt. So stieg er bei 'Strategy&' in München ein. Er war von Anfang an international tätig: 'Mein erstes Projekt führte mich nach Chile, danach ging es nach Nordamerika und in den Nahen Osten.' Außerdem bekam er Einblick in unterschiedliche Branchen. 'Berater arbeiten an ganz verschiedenen Fragestellungen. Sie suchen zum Beispiel nach digitalen Wachstumsfeldern für einen Zeitungsverlag oder arbeiten daran, die Konzernzentrale eines Industrieunternehmens zu verschlanken', erklärt Seyfferth, der inzwischen zum Projektleiter aufgestiegen ist.

Doch es ist nicht nur die Vielfalt der Aufgaben, die der Projektleiter an der Arbeit in der Consultingbranche schätzt: 'Schon in jungen Jahren habe ich wichtige Entscheidungsträger aus der Industrie getroffen und konnte mit klugen Kollegen zusammenarbeiten. Das ist sehr inspirierend.' Zudem stellen Unternehmensberatungen Akademiker aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen ein. Damit sei die Consultingbranche viel offener als andere Wirtschaftszweige, so Seyfferth, der auch Co-Autor von Bewerbungsratgebern zum Thema Consulting ist. '15 Prozent der Junior-Berater haben ein Ingenieurstudium absolviert, und jeweils zehn Prozent studierten zuvor Mathematik oder Naturwissenschaften', berichtet Hans-Werner Wurzel, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU).

Auslandserfahrungen sind wichtig

Auch Absolventen mit einem medizinischen oder geisteswissenschaftlichen Studium sind mit jeweils drei Prozent in der Consultingbranche vertreten. Wurzel sieht die Consultingbranche auf Wachstumskurs. 'Damit steigt auch der Bedarf an Mitarbeitern. Allerdings sind die Anforderungen an Bewerber vergleichsweise hoch, und sie werden es auch bleiben.' Wer also in die Beratungsbranche einsteigen will, sollte viel zu bieten haben. Dazu gehören sehr gute Noten. 'Wir erwarten außerdem hohe analytische Fähigkeiten, Praktika im Consulting-Bereich oder in der Industrie und Auslandserfahrung', bringt es Per Breuer, Personalchef bei Roland Berger Strategy Consultants, auf den Punkt. 'Natürlich sollten Bewerber auch soziale Kompetenz mitbringen und an wirtschaftlichen Zusammenhängen Interesse haben - unabhängig von der Ausrichtung ihres Studiums', so Breuer.

Im Bewerbungsverfahren prüfen die Unternehmensberatungen insbesondere die analytischen Fähigkeiten der Kandidaten: 'Bewerber haben in den Jobinterviews meist mehrere Fallstudien zu lösen, die in der Regel sehr praxisnah sind', berichtet Stefan Menden, Ratgeberautor zum Thema Consulting und Gründer des Karrierenetzwerkes squeaker.net. 'Da es beim Einstieg in die Beratung viel Wettbewerb gibt, sollte man diese Interviews sehr ernst nehmen und sich gründlich vorbereiten.' Zwar sind die Aufgabenstellungen sehr speziell und keineswegs standardisiert, dennoch können Kandidaten die Herangehensweise an solche Aufgaben lernen. 'Besonders wichtig ist zum Beispiel, sich einen Überblick zu verschaffen, sauber und logisch zu argumen­tieren, aber auch bei Bedarf gezielte Rückfragen zu stellen.' Der 38-jährige Stefan Menden hat selbst mehrere Jahre in einer Unternehmensberatung gearbeitet, bevor er ein Internet-Start-up gründete.

Deshalb rät er: 'Am besten informieren sich Bewerber schon im Vorfeld und sprechen mit Insidern aus der Branche. Plattformen wie zum Beispiel squeaker.net, aber auch die PrepLounge machen solche Kontakte möglich.' Hat ein Nachwuchs­akademiker ein Beratungsunternehmen von sich überzeugt, winken ihm überdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten und Aufstiegschancen. Menden: 'Die Einstiegsgehälter der Top-Beratungen liegen bei über 50 000 Euro brutto im Jahr.' Durch den rasanten Aufstieg, der im Consulting möglich ist, kann es auch zu einem schnellen Anstieg des Verdienstes kommen. 'In der Regel erfolgen die nächsten Karriereschritte in der Beratung nach drei, fünf und acht Jahren.

So kann ein Berufsanfänger beispielsweise schon nach fünf Jahren als Projektleiter arbeiten und nach acht bis zehn Jahren sogar zum Partner aufsteigen', sagt Breuer. Ein automatischer Aufstieg ist aber keineswegs garantiert. 'Die meisten großen Beratungen haben ein ?Up or out?-Prinzip, das nur die Besten jedes Jahrgangs befördert', berichtet Menden. Der Wettbewerb mit anderen geht also nach der Bewerbungsphase weiter. Deshalb sollte jemand, der als Unternehmensberater arbeiten will, Ehrgeiz und Karriereinteresse mitbringen. Personalchef Breuer von Roland Berger sagt: 'Nicht jeder Einsteiger kann Partner werden. Aber wir unterstützen und begleiten unsere Berater, wenn sie in die Industrie gehen möchten.

Auch mit vielen unserer Ehemaligen sind wir weiterhin eng verbunden.' Wer aus der Beratung aussteigt, dem stehen in anderen Branchen vielfältige Karrieremöglichkeiten offen. Schließlich hat er sich in kurzer Zeit einen großen internationalen Erfahrungsschatz angeeignet. Auch Stefan Menden profitiert bis heute von seiner Beratertätigkeit: 'Bei mir sind Skills wie analytisches Denken, strukturiertes Vorgehen und Zielorientierung hängen geblieben. Ich denke, dass ich deswegen schnell neue Projekte wie die Firmengründung verwirk­lichen konnte.'