Drohen dem Stadtpark schlimme Dinge? Foto: Otto/ 

Die Unterbringung von Geflüchteten erhitzt die Gemüter in der Stadt. Kommune und Kreis müssen schnellstmöglich informieren, meint der Leonberger Redakteur Marius Venturini.

Es ist eine Nachricht, die bei so manchen Leonberger Bürgerinnen und Bürgern das Blut in Wallung bringt. Aus dem ehemaligen Seniorenheim am Parksee in der Ostertagstraße soll eine Unterkunft für Geflüchtete werden. So lauten die Pläne des Landkreises, der darüber zur Zeit mit der Stadtverwaltung im Gespräch ist.

 

„Flüchtlinge, und dann auch noch in der Stadtmitte!?“ Dieser Reflex manifestiert sich – natürlich – zunächst in den Sozialen Medien. Auf Facebook startete ein Nutzer jüngst in einer der Leonberg-spezifischen Gruppen sogar eine Umfrage. Dabei, auch das sei gesagt, votierte eine Mehrzahl der Nutzer gegen die Unterbringung von Geflüchteten so nahe an Leo-Center und Stadtpark. Auch die direkte Kommentierung unserer bisherigen Berichterstattung lässt im Netz eine gewisse Tendenz erkennen.

Gemeinderat positioniert sich wohl gegen die Pläne des Kreises

Nun ist es prinzipiell ungesund, grundsätzlich immer darauf zu hören, was in den Kommentarspalten von Facebook und Co. abgesondert wird. Allerdings ist auch aus Reihen des Gemeinderats zu hören, dass man sich dort geschlossen gegen die Pläne des Landkreises positioniert – zumindest zurzeit. Umso wichtiger ist es, dass Kreis und Kommune sich rasch an die Öffentlichkeit wenden und konkret Stellung nehmen, Details kommunizieren und vor allem Fragen beantworten. Alles andere lässt die sowieso schon angeheizte Stimmung nur noch weiter eskalieren.

Die Beteiligten müssen dabei vor allem auf die aktuelle Gesamtlage aufmerksam machen. Die Zahlen der Geflüchteten steigen. Städte und Gemeinden landauf, landab sind an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen. Nicht nur konservative Politiker drängen darauf, die Zahl der Schutz suchenden Menschen zu verringern. Am Ende stehen die Kommunen bei der Frage, wer wie viele Menschen aufnimmt, eben am Ende der Befehlskette. Der Landkreis weist zu, die Gemeinden bringen unter. Und wie Dusan Minic, Dezernent für Jugend und Soziales beim Landkreis, schon betonte: „Es wird jede Möglichkeit geprüft.“ Weil es aktuell schlicht keine andere Möglichkeit gibt. Und mit einer Aussage hat Minic schlichtweg recht: „Menschen, die uns zugewiesen werden, wollen wir auch gut behandeln.“

Lieber das ehemalige Seniorenheim als Sporthallen?

Es ist ein Dilemma, eines, mit dem sich die Stadtverwaltung um Oberbürgermeister Martin Georg Cohn verstärkt wird auseinandersetzen müssen. Und, auch das ist klar, bei dem man sehr leicht verlieren kann.

Denn mit Sicherheit sähen die Facebook-Kommentarspalten ganz ähnlich aus, wenn am Ende das ehemalige Seniorenheim doch nicht für die Unterbringung von Geflüchteten genutzt wird – ab Winter dann aber über die erneute Schließung von Sporthallen diskutiert wird und Sportvereine und -gruppen einmal mehr das Nachsehen haben.

Stadtpark als Spielwiese – warum nicht?

Worauf man sich jedoch nicht einlassen sollte, sind die fast schon apokalyptischen Szenarien, die jetzt schon auftauchen. Zitat aus einer Leserzuschrift: „Vermutlich werden die dort Untergebrachten den Stadtpark als ihre Spielwiese und ihr Freizeitgelände ansehen und nutzen, liegt ja genau vor der Haustüre.“ Der Stadtpark, in fünf Jahren also eine Fläche aus verbrannter Erde? Und das Ladenangebot im Leo-Center noch viel ausgedünnter als bisher schon? Und Schuld tragen die Geflüchteten? Das geht zu weit.

Ja, mögen die dort untergebrachten Menschen den Stadtpark gerne als Freizeitgelände nutzen. Genau, wie es andere Leonbergerinnen und Leonberger auch tun. Es wäre nicht der schlechteste Beginn einer Integration in die Gesellschaft.