Thomas Connertz ist schon seit Schulzeiten ein begeisterter Koch. All jenen, die sich am Herd noch etwas schwer tun oder einfach mal etwas anderes ausprobieren möchten, ... Foto: privat

In einer Serie stellen wir Stuttgarter und ihre Blogs vor. In diesem Teil: Thomas Connertz, der mit seinem Blog all jenen weiterhelfen will, die nie wissen, was sie kochen wollen - oder wie das überhaupt funktioniert.

Stuttgart - Maultaschen in der Brühe, Ravioli aus der Dose, Pizza aus der Tiefkühltruhe - na klar, kann man sich auch ausschließlich mit diesem Dreigestirn der schnellen Küche ernähren. Eine abwechslungsreiche, eine gesunde oder gar eine spannende Küche sieht allerdings anders aus.

Aber wer gerade von Hotel Mama ausgezogen ist, den Kochlöffel bisher nur beim Abspülen in der Hand hielt oder ausschließlich in die Mensa oder Kantine geht, der weiß vielleicht weder, was sich hinter Blanchieren verbirgt, noch wie man mit Schwarzwurzeln richtig umgeht. Oder was das überhaupt ist. Und genau hier will Thomas Connertz mit seinem Blog dreiminutenei.de weiterhelfen. 

"Ich wollte von Anfang an keinen klassischen Blog machen, auf dem ich Geschichten über mich und das Kochen schreibe und so eine Art tagebuch führe", erzählt der 50-Jährige aus Stuttgart. Vielmehr wollte er mehr oder weniger ein Kochbuch aufbauen. Eigentlich nur für Freunde und Bekannte. "Ich wurde von Freunden darauf angesprochen, ob ich nicht ein paar Rezepte aufschreiben könnte, weil ihnen immer nur das Gleiche einfallen würde oder sie nicht wissen, was sie anderes machen können."

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Dieses Problem hat Thomas Connertz nicht. Er kocht schon seit Schulzeiten. Warum sich das so entwickelt hat, kann er garnicht so genau beschreiben. "Andere haben an ihren Mofas herumgeschraubt, ich habe angefangen zu kochen. Und ich wollte schon immer alles genau wissen und selbst können."

Zu dieser Eigenschaft passt übrigens der Name seines Blogs. Auf das "dreiminutenei" kam er zwar auf der einen Seite, weil er nach einer freien Domain gesucht hat. Auf der anderen Seite steht er auch für seinen Anspruch, die Dinge genau zu erklären oder zu hinterfragen. "Es ist nämlich nicht so, dass ein Dreiminutenei drei Minuten kocht", sagt Connertz.

Kochbegeistert: ja; Hobbykoch: nein

Vielleicht ist auch das ein Grund, warum er seit seiner Jugend nie damit aufgehört zu kochen. Unter der Woche kommt er jedoch seltener dazu, "denn nach einem langen Arbeitstag mag ich nicht noch eine Stunde am Herd stehen." Dafür nimmt er sich dann am Wochenende Zeit dafür und sieht seine Leidenschaft als wohltuenden Gegensatz zum Berufsleben.

Als Hobbykoch möchte er sich allerdings ungern bezeichnet wissen: "Das verbinde ich irgendwie mit teurem Equipment und exquisiten Zutaten." Er mag es dagegen lecker, gesund und alltagstauglich.

Die Alltagstauglichkeit ist ihm auch wichtig, wenn es um die Rezepte geht, die er in seinem Blog veröffentlicht. "Ich verwende nur Zutaten, die in jeder durchschnittlichen Großstadt zu bekommen sind", erklärt er. Ihm ist auch wichtig, dass die Zeitangaben realistisch sind. "Es ärgert mich selbst, wenn ein Gericht nicht in den angegebenen 20 Minuten zu machen ist, sondern eben doch eine Stunde braucht." Und so gibt Thomas Connertz zum Beispiel bei der Erbsensuppe wie bei Oma genau an, wieviele Stunden vor dem Servieren man mit dem Kochen anfangen sollte.

Alltagstauglich und verständlich sollen die Rezepte sein

Und schließlich legt er viel Wert darauf, seine Rezepte für alle verständlich zu schreiben. "Ich stelle mir jedes Mal eine Person vor, die gerne isst, aber weniger kocht. Und dieser Person erkläre ich dann, was sie zu tun hat." Auf Fachbegriffe verzichtet Thomas Connertz aus diesem Grund auch lieber. : "Ich kann nicht davon ausgehen, dass jeder weiß, was blanchieren bedeutet. Deswegen schreibe ich: gebe das Gemüse in kochendes Wasser und tauche es danach in kaltes."

Was für ein Rezept der Stuttgarter bloggt, das hängt immer davon ab, auf was er selbst Lust hat. "Da ich unter der Woche keine Zeit zum Bloggen habe, überlege ich mir meist am Wochenende, was ich machen will: Dann koche ich es, fotografiere und schreibe es." Seine Anregungen holt sich Thomas Connertz beim Stöbern in Kochbüchern, beim Schlendern über den Wochenmarkt oder im türkischen Supermarkt. "Da sehe ich oft etwas, das ich noch nicht kenne und dann kommen die Ideen fast von selbst."

Die Klassiker sind am beliebtesten

Die Bandbreite auf seinem Blog ist inzwischen beachtlich. Das verrät schon ein Blick auf die Startseite: Gemüsesuppe mit dicken Bohnen und Artischocken, selbstgemachte Ravioli mit Walnuss-Ricotta-Füllung, Spaghetti mit Salbei-Butter und Parmaschinken, Honig-Parfait und grüne Spargelsuppe mit Wacholderschinken. Von marokkanisch bis vietnamesisch, von low budget bis festlich: wer noch nicht genau weiß, was er heute kochen soll, kann sich unter verschiedenen Rubriken Anregungen holen.

Welche Rezepte am häufigsten angeklickt werden? Tatsächlich die Klassiker wie Hühnersuppe und Co. "Ich glaube, so etwas möchten die Leute gerne selber machen können." Weniger gefragt sind dagegen allgemeine Kochtipps. "Aber vielleicht sucht man im Internet eher nach einem interessanten Rezept als nach so etwas", sagt Connertz, der seinen Blog übrigens nirgends bewirbt - und mit 6000 Usern pro Monat sehr zufrieden ist.

Für's Foto darf das Essen nicht kalt werden

Fast mehr Spaß als das Schreiben der Rezepte macht ihm übrigens das Fotografieren der Speisen. "Das ist neben dem Kochen mein zweites Hobby." Und auch wenn seine Fotos wirklich sehr gut aussehen - zu sehr verkünsteln mag er sich nicht: "Da ich meine Gerichte auch noch essen möchte, muss es so schnell gehen, dass die Sachen nicht kalt werden."

Meistens bloggt Thomas Connertz übrigens einmal in der Woche. Für mehr bleibt neben dem Beruf einfach keine Zeit. Was allerdings nicht heißt, dass er keine Zukunftspläne für seinen Blog hat: "Ich würde gerne Menüzusammenstellungen posten, welche Vorspeisen, Hauptgerichte, Desserts zusammenpassen, und wann man mit welchem Gang anfangen muss, damit nachher alles passt."

Aufzuhören, das hat Thomas Connertz auf jeden Fall erstmal nicht vor. "Irgendwie ist das so wie bei jedem Hobby: man fängt an und dann gehört es einfach dazu."

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