Ein Rettungshelfer öffnet die Türen von einem der beiden neuen Rettungswägen der Esslinger Wache. Foto: Horst Rudel

In unserem Stuttgart-Adventskalender öffnen wir jeden Tag ein spannendes Türchen in Stuttgart für Sie. Am 16. Dezember lässt uns die Esslinger DRK-Rettungswache einen Blick in einen Rettungswagen werfen.

Esslingen - Ein leises Brummen ist zu vernehmen. Langsam biegt ein hell-strahlendes Gefährt um die Ecke und bleibt auf dem Innenhof der Esslinger DRK-Rettungswache stehen. Beinahe geräuschlos öffnet ein Rettungshelfer die Hintertüren des orange-gelbenen Sprinters mit der unübersehbaren Aufschrift der Notrufnummer 112. Ein beißender Duft von Sterillium fährt dem Besucher die Atemwege hinauf. „Das ist einer unserer beiden RTWs“, kommentiert der Rettungssanitäter. RTW steht für Rettungswagen, im Gegensatz zum KTW (Krankentransportwagen) kommt dieser bei akuten Fällen zum Einsatz.

Ein RTW dient der Notfallrettung, er ist darauf ausgelgt, Patienten auch unterwegs versorgen zu können. Er muss Patienten mit kritischem Gesundheitszustand in die Klinik transportieren und so ausgestattet sein, dass Patienten, wenn es darauf ankommt, am Leben erhalten werden können. Und das geschieht relativ häufig: „Bis zu zehn Mal pro Tag müssen die beiden Wägen jeweils ausrücken. Nicht miteingerechnet sind da Fahrten, bei denen es auch ein KTW getan hätte“, weiß der Lebensretter zu erzählen.

Rettungsausrüstung ist geschickt verstaut

Der erste Blick hinein in den Wagen ist ernüchternd: Eine Liege, zwei zugedeckte Geräte an der Wand und ein paar Schubladen. Keine Hollywood-Flatscreen-EKG’s, kein Riesen-Defibrillator. Die benötigte Ausstattung ist geschickt verstaut. Immerhin müssen ein Sauerstoff- und Beatmungsgerät, ein EKG-Gerät, ein sogenanntes Kapnographiegerät und vieles, vieles mehr auf kleinstem Raum untergebracht werden. In den weißen Schubladen mit schwarzem Griff liegen Spritzen und jede Menge Medikamente bereit, die man in der Notfallmedizin häufig braucht.

Der etwa sechs Meter lange Kastenwagen ist ein brandneues Modell, sozusagen der Oberklasse-Schlitten unter den Rettungswägen, hören wir. Er ist mit modernster Technik ausgestattet und darauf ausgelegt auch Auszubildende an den Unfallort mitnehmen zu können. Sogar Babys können in dem RTW behandelt werden. Bis zu vier Sanitäter finden Platz in der Karosse, zwei auf dem Fahrer- und Beifahrersitz, nochmal zwei hinten im Wagen, bei dem Patienten. Doch so ein Spitzen-RTW hat seinen Preis: Rund 120.000 Euro wurden investiert, das entspricht etwa zehn Kleinwägen. „Die beiden neuen Wägen sind überdurchschnittlich gut ausgestattet. doch die Krankenkassen erachten schon Kosten von 80.000 Euro als ausreichend,“ sagt der stellvertretende Rettungsdienstleiter.

Ein Handschuh als Beruhigungsmittel

Neben der physischen Versorgung spielt auch die Psyche der Patienten eine große Rolle, vor allem Kinder wissen nicht mit der Situation in einem Rettungswagen umzugehen, erzählt der Sanitäter. Mehrmals am Tag müsse das Deutsche Rote Kreuz im Landkreis Esslingen wegen Kindernotfällen ausrücken. „Vor allem sehr junge Menschen haben oft Angst. Manchmal hilft es schon wenn man nur die orange-farbene Jacke auszieht und dem Kind gut zuredet“, wissen die Helfer. Trotzdem dabei, direkt in der Schublade über den Spritzen: Ein Teddybär, den die Sanitäter einem Kind zur Beruhigung schenken können. „Falls wir keinen dabei haben, müssen wir uns was anderes einfallen lassen, häufig nehmen wir dann einen Latexhandschuh und pusten diesen auf. Wenn man ein Gesicht darauf malt, kann das auch schon sehr helfen,“ fügen die jungen Männer mit den orangenen Jacken lächelnd hinzu.

Fotos des Rettungswagens gibt’s in unserer Bilderstrecke. Klicken Sie sich durch.

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