Trotz des maroden Zustands der Landesstraße in Berglen lässt die Sanierung auf sich warten Foto: dpa

Der Verkehrsminister Winfried Hermann hält Reparaturen auf der maroden Unfallpiste zwischen Stöckenhof und Rudersberg erst „mittelfristig“ für möglich. Dort gab es im vergangenen Jahr zwölf schwere Unfälle und einen Toten.

Berglen - Das Antwortschreiben von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) ist ernüchternd“, heißt es in einer Mitteilung des Landratsamtes zur Sanierung der unfallträchtigen Landesstraßenstrecke zwischen dem Berglen-Teilort Stöckenhof und dem Dmitrov-Kreisel beim Rudersberger Königsbronnhof. Der Verkehrsminister bedauere in seinem Schreiben zwar das zunehmende Unfallgeschehen, verweise zugleich aber auf das unterdurchschnittliche Verkehrsaufkommen dort und die Zustandserfassung und Bewertung aus dem Jahr 2012. Mit Blick auf landesweit konkurrierende Projekte könne der geforderte abschnittweise Ausbau derzeit nicht realisiert werden. Der vorgesehene etwa 600 Meter lange Sanierungsabschnitt „liegt in der landesweiten Prioritätenliste auf Rang 2210 von insgesamt 2291 Sanierungs­abschnitten.“

Angesichts dieser Einordnung sei eine Sanierung nur mittelfristig, sprich: in rund fünf Jahren möglich. Allerdings werde bis April dieses Jahres eine neue Zustandserfassung und Bewertung vorliegen, lautet die vom Minister geschürte vage Hoffnung. Diese könne möglicherweise eine Neubewertung möglich machen. Bis dahin möge der Kreis mit „straßenverkehrlichen Maßnahmen, beispielsweise Geschwindigkeitsbegrenzungen“ auf die erhöhte Gefährdungslage auf der maroden Piste reagieren.

Ein Brandbrief vom Rems-Murr-Landrat

In einer Art Brandbrief hatte sich der Rems-Murr-Landrat Richard Sigel Ende vergangenen Jahres erneut an den Verkehrsminister gewandt, nachdem bereits die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden Berglen, Rudersberg, Allmersbach und Althütte auf schnelle Abhilfe gedrungen hatten. Auch die Landtagsabgeordneten Wilfried Klenk (CDU) und Jochen Haußmann (FDP) hatten im Verkehrsministerium angefragt. Schließlich, so die Argumentation für die Dringlichkeit einer grundlegenden Sanierung, sei die betreffende Piste über die Berglen nicht nur marode, sondern extrem unfallträchtig.

Auf dem Abschnitt, der über die Markung der vier Gemeinden verläuft, hatte die Polizei bereits in der vor knapp einem Jahr vorgelegten Statistik in den vergangenen fünf Jahren fast 60 Unfälle ­registriert – in fünf Fällen mit Schwerverletzten. Alleine voriges Jahr ­seien, schreibt der Rems-Murr-Landrat, nochmals zwölf Verkehrsunfälle auf jenem Streckenabschnitt dazugekommen. Die Bilanz sei erschreckend: „Die Unfälle forderten ein Menschenleben, einen Schwerverletzten und mehrere Leichtverletzte.“ Die Straße sei erst jüngst als sogenannte Unfallhäufungslinie in eine neue Gefahren­kategorie eingestuft worden.

Appell an das Ministerium: Unfallgeschehen höher gewichten

Umso unverständlicher sei der Verweis auf eine fünf Jahre alte Straßenzustandserfassung und das geringe Verkehrsaufkommen, sagen der Landrat und der Berglener Bürgermeister Maximilian Friedrich zu der Ministerantwort. Sie appellieren an das Ministerium, das Unfallgeschehen stärker zu gewichten. „Trotz sprudelnder Steuerquellen werden seitens des Landes keine ausreichenden Finanzierungsmittel zur Sanierung und zum Ausbau der Landesstraßen zur Verfügung gestellt. Leidtragende sind die Verkehrsteilnehmer.“

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