Die Gäste einer türkischen Hochzeit haben am Samstag mit ihren Autos einen Polizeieinsatz ausgelöst (Symbolbild). Foto: dpa

Mit bis zu 40 Autos haben die Gäste einer Hochzeit am Samstag eine Straße in der Ludwigsburger Innenstadt blockiert. Weil die Gruppe bei einer Kontrolle zudem aggressiv wurde, musste die Polizei ihre Hunde einsetzen. Nicht der erste Vorfall dieser Art in den vergangenen Wochen.

Ludwigsburg - Knapp zwei Dutzend Polizeibeamte waren nötig, um die Gäste einer türkischen Hochzeit zur Räson zu rufen, die am Samstag in der Ludwigsburger Innenstadt mit ihren Autos eine Straße blockierten. Die Teilnehmer der Feier, so berichten es die Beamten, seien „uneinsichtig und aggressiv“ gewesen. Es ist bereits der dritte Einsatz dieser Art in der Region Stuttgart allein in den vergangenen beiden Monaten.

Alarmiert worden war die Polizei von mehreren Autofahrern, die der Kolonne begegnet waren. Gegen 14.40 Uhr trafen die Beamten dann auf rund 30 bis 40 Autos, die die untere Reithausstraße komplett blockierten. Mit durchdrehenden Reifen lieferten sich einige Hochzeitsgäste kurze Spurts, ließen ihre Autos also mit Vollgas anfahren, um kurz danach wieder abzubremsen. Dabei hupten sie wild. Der übrige Verkehr sei „zum Erliegen“ gekommen, schreibt die Polizei.

Kurze Autorennen in der Innenstadt

Begleitet wurde das Schauspiel von Trommlern, ein Kameramann filmte die Szenerie und die feiernde Hochzeitsgesellschaft. Gegenüber der Polizei war die Gruppe offenbar ruppig, sie habe die Beamten provoziert und bedroht. Schließlich fuhr die Kolonne davon – kam aber nur bis zur Schwieberdinger Straße. Denn dort hatte die Polizei inzwischen elf Streifenwagen zusammengezogen. Das Großaufgebot stoppte den Hochzeitskonvoi auf Höhe der Aral-Tankstelle. Wieder schlug den Polizisten eine aggressive Stimmung entgegen, weshalb sie Hunde einsetzten – zum Schutz, wie Sprecher Peter Widenhorn sagt. Die Situation habe zu eskalieren gedroht, derart aufgebracht seien die Hochzeitsgäste gewesen. Handgreiflich wurde die Auseinandersetzung aber nicht.

Trommler begleiten das Schauspiel auf der Straße

Erst als alle Partygäste kontrolliert waren, ließ die Polizei die Autos einzeln weiterfahren. Der massive Einsatz sei zum einen nötig gewesen, weil die Fahrer aus dem Konvoi die Kollegen bedroht hätten, sagt Widenhorn. Doch es sei auch darum gegangen, ein Zeichen zu setzen: „Wir mussten diese Situation beenden.“

Im Internet wurden am Montag gleichwohl Stimmen laut, die den Einsatz der Polizei kritisieren. So schreiben mehrere User auf Facebook, sie seien bei der Kolonne dabei gewesen, und erst die Polizei habe „ein Riesending“ daraus gemacht. „Wie die Polizei da vorgegangen ist, war unter aller Sau“, heißt es in einem Kommentar. Auf eine Anfrage unserer Zeitung reagierte der Verfasser nicht.

Laut der Stadt, die gemeinsam mit türkischen Vereinen in Ludwigsburg einen Runden Tisch ins Leben gerufen und eine Erklärung zum friedlichen Zusammenleben verabschiedet hat, ist das „rücksichtslose Verhalten“ nicht hinnehmbar. Der Vorfall sei aber den Verursachern „unmittelbar“ zuzuordnen und nur am Rande ein Thema für den Runden Tisch.

Gleichwohl ist er nur der letzte in einer ganzen Reihe in den vergangenen Tagen: Am ersten Aprilwochenende war die Polizei auf der A 81 gefordert, weil eine türkische Hochzeitsgesellschaft mit teuren Autos sämtliche Fahrspuren in Richtung des Engelbergtunnels blockiert hatte – und den dadurch entstehenden Stau aus den Autos heraus filmte. Erst einige Kilometer später, auf der Raststätte Sindelfinger Wald an der Autobahn 8, konnte der Konvoi angehalten und kontrolliert werden. Die Polizei ermittelt nun wegen Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Kritik am Einsatz der Polizei

Anfang Februar hatte eine Hochzeitsgesellschaft mit ihren Autos die A 8 zwischen Esslingen und dem Rasthof in Gruibingen (Kreis Göppingen) blockiert. Die Polizei berichtete von „gefährlichen Manövern“ und „wilden Fahrstreifenwechseln“.

Ob auch im aktuellen Fall Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten begangen wurden, müsse noch ermittelt werden, sagt Polizeisprecher Widenhorn. Für diese Arbeit ist die Polizei auf Hinweise von unbeteiligten Autofahrern angewiesen. Zeugen sollten sich daher unter der Nummer 0 71 41 / 18 53 53 melden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: