Hat Ähnlichkeit mit der Deutschen Schabe, ist aber harmlos: Die Bernsteinschabe, die früher nur südlich der Alpen vorkam. Foto: Amada44

Die warmen Sommertage verhelfen der Bernsteinschabe zu einer Schar von Nachkommen. Nicht überall sind diese Tiere gern gesehen, denn sie gleichen der Deutschen Schabe, die Krankheiten übertragen kann.

Stuttgart - Alarm in Stuttgart: Seit Tagen tummeln sich auf Fußböden, Terrassen und Blumentöpfen kleine braune Fluginsekten, die an ungeliebte Schaben erinnern. Aus vielen Wohnungen sind deshalb nicht nur spitze Schreie zu hören, sondern auch klatschende Geräusche von Hausschlappen, die dem Leben der Tiere ein frühes Ende setzen.

Das hört Wolfgang Schawaller, Biologe, Hauptkonservator und Abteilungsleiter Entomologie am Stuttgarter Naturkundemuseum, gar nicht gern. „Man sollte die Tiere dulden, sie übertragen schließlich keine Krankheiten.“ Er hat das Tier als Bernsteinschabe identifiziert. Sie sei ihm in letzter Zeit gehäuft von Leuten vorbeigebracht worden, die sie zu Hause bei sich eingefangen hatten.

Die Bernsteinschabe oder auch Bernstein-Waldschabe ist ein bis anderthalb Zentimeter groß, hat einen schlanken, hellbraunen Körper und Fühler, die etwa so lang sind wie der Körper und nach vorne seitlich abstehen. Die Beine haben Dornen, der Halsschild hat eine hellbraune Färbung und ist am Rand durchscheinend.

Weil sie oft mit der Deutschen Schabe, einem Schädling, verwechselt wird, droht ihr überall der Tod. Die Deutsche Schabe gilt nämlich als Überträger von Salmonellen, Milzbrand oder Tuberkulose und macht befallene Lebensmittel deshalb unbrauchbar.

Unbeholfenes und zielloses Herumkrabbeln

Allerdings sind die beiden Arten an ihrem Verhalten zu unterscheiden: Die Deutsche Schabe kann nicht fliegen und flieht vor Licht sofort schnell und gezielt ins nächste dunkle Versteck. Die Bernsteinschabe hingegen kann fliegen und krabbelt meist unbeholfen und ziellos auf dem Boden herum, wenn sie sich in ein Haus verirrt hat.

Früher war das Tier am Mittelmeer und auf der Alpensüdseite heimisch, doch in den 90er Jahren tauchte die Bernsteinschabe plötzlich auch in der Nordschweiz, 2001 erstmals in Weil am Rhein und 2009 am Kaiserstuhl und im österreichischen Vorarlberg auf. Inzwischen fühlt sie sich sogar bei uns wohl – und längst nicht mehr allein im Wald.

„Eigentlich lebt die Bernsteinschabe von Nahrung, die sie im Waldboden findet, aber offenbar hat sie’s geschafft, auf abgestorbene Pflanzenteile aller Art umzustellen“, sagt Wolfgang Schawaller. Sie ist somit ein klassischer Einwanderer, dem eventuell das Klima, eventuell aber auch die Änderung seiner Fressgewohnheiten den Weg über die Alpen geebnet haben.

Langsam genug, um sie einzufangen

Hier lebt die Schabe am Waldrand oder in Gärten. In einem trockenen und heißen Sommer wie in den vergangenen Tagen kann es zur massenhaften Vermehrung kommen. Abends werden die Tiere vom Licht in den Wohnungen angelockt und verirren sich mitunter ins Haus. Lange halten sie in den geschlossenen Räumen jedoch nicht durch – sie finden dort zu wenig zu fressen. Auf Terrassen suchen sie Schutz in der feuchtwarmen Erde der Blumentöpfe, „gelegentlich bauen sie in Hausnähe auch eine Population auf“, sagt der Stuttgarter Biologe.

Sollten sich die Hausbewohner durch die Bernsteinschabe gestört fühlen, rät Schawaller zum Einfangen der Tiere. Langsam genug sind sie ja, nicht zu vergleichen mit dem zackigen Gerenne der Deutschen Schabe. Danach sollte das Tier wieder in seiner Hecke ausgesetzt werden. Das erspart Nachbarn auch laute klatschende Geräusche.

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