Ein Möbelhaus landet in der Gastronomie auf Platz eins: Ikea schneidet in einer Umfrage beim Preis-Leistungs-Verhältnis am besten ab. Den Erfolg können Besucher der Sindelfinger Filiale leicht erklären. Auch eine Restaurantkette kommt gut an.
Köttbullar hat sich Jasmin Wöhrle natürlich bestellt. Mit einer Freundin verabredete sich die junge Mutter zum Mittagessen – im Möbelhaus. „Wir kommen sehr gerne hierher“, sagt sie über das Restaurant von Ikea in Sindelfingen. Ihre Kinderwagen haben die Frauen einfach an den Tisch geschoben, auf diesem stehen die Tabletts mit den schwedischen Fleischbällchen. Dass ihre Wahl auf ein Selbstbedienungslokal im Industriegebiet fällt, kann die Waldenbucherin leicht erklären: „Weil das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.“ Ein Hauptgericht gibt es für weniger als acht Euro, ein Getränk für 1,75 Euro. Im Ranking des Marktforschers Yougov zum Verhältnis von Preis und Leistung bekannter Marken hat Ikea dieses Jahr den Vorjahresgewinner Nordsee in der Kategorie Gastronomie geschlagen. Günstige Filialisten wie Backwerk und Tchibo sind noch in den Top Five, als einziges richtiges Restaurant taucht die Kette L’Osteria auf Platz vier auf. „Die Pizza ist echt riesig“, hat Jasmin Wöhrle die Erklärung dafür.
Ein Möbelhaus punktet mit seiner Gastronomie
Weder McDonald’s noch Burger King konnten in der Umfrage punkten, auch Subway landete nicht auf den ersten Plätzen. Dabei zählen diese Unternehmen laut dem Fachmagazin „Foodservice“ zu den größten Systemgastronomen in Deutschland. Die Schweden befinden sich in der Aufholjagd: Im vergangenen Geschäftsjahr steigerten sie den Umsatz in ihren Restaurants um mehr als 30 Prozent. Der Topseller des Möbelhauses ist der Hotdog, davon wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als 20 Millionen Stück verkauft, fünf Millionen in der veganen Ausführung. Mit Fleisch kostet das Brötchen 1,50 Euro, ohne nur einen Euro. Zur Frage, wo die Zutaten herkommen und wie die Preise so niedrig bleiben können, gibt es von dem Unternehmen nur den Hinweis aufs „Ikea Better Food“-Programm, das angeblich das Tierwohl und die Umwelt schützen soll. Mit einem Anteil von nur vier Prozent am Gesamtumsatz von sechs Milliarden Euro geht es beim Speisenangebot auch gar nicht um Gewinn, sondern es „unterstützt das positive Kundenerlebnis in unseren Einrichtungshäusern“, teilt die Pressestelle mit.
„So billig kann man nicht einmal selbst kochen“, ist sich Klara Madiyas sicher. „Und der Mann muss hinterher nicht abspülen“, ergänzt Ceke Madiyas. Ein Schnitzel mit Pommes frites und Erbsen hat sich der 83-Jährige bestellt – für 6,95 Euro. Zur Abwechslung. Sonst isst er immer Köttbullar. Seine Frau wählte das Lachsfilet für 9,95 Euro, im Supermarkt würde allein der Fisch so viel kosten, kommentiert die 75-Jährige den Preis. Ein paarmal im Monat gehen die Rentner aus Gäufelden ins Möbelhaus. „Der Cappuccino ist super“, findet Ceke Madiyas, „davon trinke ich zwei oder drei, das ist klar.“ Für 1,75 Euro darf er seine Tasse so oft auffüllen, wie er Lust hat. Früher seien sie ins Breuningerland gegangen, dort hätten allerdings die Preise derart angezogen, berichten die beiden, für 6,95 Euro „kriegt man da vielleicht ein belegtes Brötchen“.
Im Schnitt gibt der Gast weniger als sieben Euro aus
Dass Ikea den Fischspezialisten Nordsee im Preis-Leistungs-Ranking überholt hat, findet Jasmin Wöhrle deshalb wenig verwunderlich. Für ein Backfisch-Baguette mit Getränk bezahlte sie kürzlich mehr wie bei Ikea für ein Tellergericht. Ein Seelachsfilet vom Grill mit Kartoffeln und Getränk kostet in der ausschließlich mit Stehtischen bestückten Stuttgarter Filiale 14,30 Euro, das Lachsfilet 17,30 Euro. Laut des Verbraucherpanels Crest gibt der Gast in der Systemgastronomie im Schnitt 6,57 Euro aus, im Schnellrestaurant 5,92 Euro, in der Bediengastronomie 15,06 Euro.
In der L’Osteria bestellten die Gäste am liebsten Pizza Margherita, die macht für 11,50 Euro fast zwei Leute satt. Bei Pasta sind die Favoriten Spaghetti Carbonara und Lasagne. Im Schnitt lässt ein Besucher 18 Euro in dem Lokal in der Stuttgarter Kronprinzenstraße oder einer anderen der 171 weiteren Filialen. „Unsere Gäste genießen bei uns die Atmosphäre eines gehobenen Restaurants jedoch zu fairen Preisen“, erklärt die Pressestelle des Unternehmens das Erfolgsrezept. Dass die Systemgastronomie die Gewohnheiten ihrer Kunden bedient, ist laut Beate Fuchs vom Bundesverband der Branche ihre Leistung. Weil es immer das Gleiche zu essen gebe in gleicher Qualität, fühlten sich die Gäste wohl. „Der einheitliche Look in den Filialen schafft Vertrautheit und vermittelt ein Stück Sicherheit“, erklärt die Pressereferentin.
Die Köttbullar bei Ikea sind abgezählt
Im Ikea-Restaurant in Sindelfingen kaut Joachim Schmitt etwas lustlos auf seinem Schnitzel herum. Die Panade sei eingeweicht, das Fleisch bescheiden, berichtet der Mann aus Horb am Neckar. „Die Frage ist: Will ich mich ernähren, oder will ich genießen?“, ordnet er das Gastronomieerlebnis zwischen Billy-Regalen und Pax-Kleiderschrank ein. „Nirgends ist es so preiswert wie hier“, sagt er, im Möbelhaus geben er und seine Frau 15 Euro fürs Mittagessen aus, beim Italiener um die Ecke wären es 20 Euro mehr gewesen, schätzt er. Jasmin Wöhrle hat noch einen weiteren Kritikpunkt entdeckt: „Wenn man richtig großen Hunger hat, ist es nichts, weil die Portionen nicht groß sind.“ Die Köttbullar werden genau abgezählt, hat sie bei der Essensausgabe beobachtet.