Umfrage Mehrheit gegen das Projekt

Von Michael Isenberg 

Ergebnis ist zwar nicht streng repräsentativ - aber dennoch aussagekräftig.

Stuttgart - In einer aktuellen Umfrage des Stuttgarter Marktforschungsinstituts MM-Research GmbH haben sich 55 Prozent der Befragten als Gegner des Bahnprojekts Stuttgart21 bezeichnet. In der Stadt Stuttgart liegt die Ablehnung bei 63 Prozent; in der Region sind es 48 Prozent.

Als Befürworter von Stuttgart21 bezeichneten sich in der Umfrage 28 Prozent der Bürger. Im Stadtgebiet erreicht die Zustimmung 26 Prozent; im Umland 30 Prozent. Im Stadtgebiet konnten sich elf Prozent der Befragten nicht eindeutig entscheiden; in der Region waren es 22 Prozent. Obwohl das Bahnprojekt derzeit mehr Ablehnung als Zustimmung erfährt, meinen in der Umfrage aber 87 Prozent der Befragten, dass Stuttgart21 doch gebaut wird.

Die Umfrage fand zwischen dem 12. und 16.August statt. Die Proteste gegen das Bahnprojekt, die seit der Aufstellung des Bauzauns am Nordflügel des Hauptbahnhofs am 6.August in der Landeshauptstadt stark zugenommen haben, konnten sich demnach in den Einstellungen der Befragten niederschlagen.

Bei den älteren Befragten im Alter von 45 bis 64 ist der Anteil derjenigen, die sich als "absolute Gegner" bezeichnen, mit 40 Prozent am höchsten. In den Altersgruppen zwischen 18 und 44 nennt sich nur jeder vierte Bürger einen "absoluten Gegner". Von allen befragten Bürger haben bisher elf Prozent an einer Montagsdemonstrationen vor dem Hauptbahnhof teilgenommen. In Stuttgart liegt diese Quote bei 17 Prozent. 48 Prozent aller Befragten bezeichnet diese Demonstrationen als "sinnvoll". Die Parkschützer-Initiative halten 52,5 Prozent der Befragten für "sinnvoll".

"In die Umfrage sind 435 Interviews mit Bürgern aus der Region Stuttgart im Alter zwischen 18 und 65 eingeflossen", erklärt Fritz Grimm von MM Research. Im strengen Sinne sei die Umfrage nicht repräsentativ. Durch die nachträgliche Gewichtung hinsichtlich Geschlecht und Alter entsprechend der Einwohnerstruktur erreiche man aber annähernd repräsentative Werte. Diese Methode habe sich in der Marktforschung etabliert.

Bei der ersten repräsentativen Bürgerbefragung der Stadt Stuttgart im Jahr 1995 hatten 51 Prozent der 2200 befragten Bürger das Projekt Stuttgart21 als "sehr gut" oder "gut" - und 30 Prozent als "schlecht" oder "sehr schlecht" bewertet. Bei der Bürgerumfrage im Jahr 2009 hatten 29 Prozent der Bürger eine "sehr gute" oder "gute" Meinung - 47 Prozent eine "schlechte" oder "sehr schlechte" Meinung.

 

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