Die Coronahilfen halfen etlichen Händlern dabei, ihr Geschäft weiterzuführen. Etliche mussten später dennoch ihre Läden schließen. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Der Handelsverband Baden-Württemberg hat Händler im Land befragt, was ihnen die Coronahilfen gebracht haben. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Der Verband spricht von einem „Vertrauensverlust bei Teilen der Händler“.

Es ist eine Umfrage, deren Ergebnisse die Landesregierung nicht erfreuen dürfte: Die Händlerinnen und Händler in Baden-Württemberg sind im Schnitt mit den Coronahilfen, die sie in der Pandemie erhalten hatten, nicht zufrieden. In der Umfrage des Handelsverbands Baden-Württemberg, die unserer Zeitung vorliegt, heißt es zusammenfassend: „Die vom Land gestellten Coronahilfen konnten nur schwach die Bedarfe der Unternehmen decken.“

 

Die Umfrageergebnisse kommen in einer politisch wie wirtschaftlich heiklen Zeit: Die umstrittenen Schlussabrechnungen für die Überbrückungshilfen, die die Händler auf dem Höhepunkt der Ladenschließungen erhielten, verbreiten derzeit bei Tausenden wegen des großen Aufwands viel Unmut.

Das wird auch in der Befragung deutlich. Hier kritisieren die Händler bürokratische und komplizierte Anträge, unklare Prozesse und eine aufwendige Bearbeitung, die wiederum zu hohen Mehrkosten durch die beauftragten Steuerberater führten. Auch die nachträglichen Änderungen der Fördervoraussetzungen werden moniert. Zudem stößt etlichen Händlern weiterhin auf, dass sie – anders als Gastronomen – keine November- und Dezemberhilfen beantragen konnten.

Bei den Schulnoten reicht es oft nur für eine 4

Im Schnitt bewerteten die Händler die administrativen Prozesse bei den Soforthilfen vom Frühjahr 2020 mit der Schulnote Vier. Die späteren Überbrückungshilfen erhielten die Note 4-5. Etwas besser schätzten die Händler die Zielsetzung und damit den eigenen Bedarf ein. Hier vergaben sie für die Soforthilfen im Schnitt eine Vier plus und für die Überbrückungshilfen eine Drei minus.

Die Umfrage ist mit 250 Unternehmen von der Methodik nicht repräsentativ. Dennoch spricht Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes, aufgrund vorheriger Umfragen von „klaren wie belastbaren Ergebnissen“. Grundsätzlich seien die staatlichen Hilfen wichtig gewesen, auch weil sie in einer kritischen Phase kamen. Allerdings hätten manche Händler die nachträglichen Änderungen „als Kehrtwende verstanden“, so Hagmann. „Bei Teilen der Händler hat das auch zu einem Vertrauensverlust gegenüber der Politik geführt.“

Hagmann kritisiert, dass die Politik bei der Ausarbeitung der Hilfen zu wenig auf den Rat der Händler gehört habe: „Der Handel in seiner Vielfalt ist sehr komplex. Das hätte man besser berücksichtigen müssen.“

Die Umfrage zeichnet auch ein Bild, wie die Händler im Land sich während und nach der Pandemie aufgestellt haben. Trotz Kurzarbeit-Regelungen bauten in der Pandemie vier von zehn Unternehmen Personal ab, jedes zweite nahm coronabedingt Schulden auf. Andere Unternehmer vermieden dies, indem sie selbst auf Gehalt verzichteten, ihre Altersvorsorge angriffen oder Eigenkapital einsetzten. Drei von vier Unternehmen brauchten während der Pandemie ihr Eigenkapital ganz oder teilweise auf.

Der Ausblick ist eher trüb: Derzeit muss jeder zweite befragte Betrieb Rückzahlungen leisten. Dafür musste bisher jedes vierte Unternehmen Kredite aufnehmen. Drei von vier Unternehmen hätten aufgrund der finanziellen Belastungen „dringend notwendige Investitionen für die Zukunft zurückgestellt“, heißt es weiter. „Trotz Coronahilfen wurden die Unternehmen nachhaltig und unternehmerisch geschwächt.“

Händler wünschen sich künftig das „Einhalten von Versprechungen“

Für künftige Hilfsprogramme in Krisenzeiten wünschen sich die Händler vor allem weniger Bürokratie, eindeutige Vorgaben und das „Einhalten von Versprechungen“. Auch solle die L-Bank, die in Baden-Württemberg die Anträge genehmigt und prüft, diese schneller bearbeiten und „neutrale Ansprechpartner“ anbieten. Zudem sollten Anträge auch ohne Steuerberater gestellt werden können.

Das Wirtschaftsministerium lässt derzeit die Umfrage wie auch die Umfragen anderer Verbände auswerten.

Ministerium wertet Umfragen aus

Umfrage
Das Umfrageergebnis fließt auch in eine Auswertung der Corona-Hilfsprogramme ein, die das Wirtschaftsministerium initiiert hat. Das Land bezieht dabei auch andere Verbände und Kammern ein, um zu erfragen, welche Wirkung die Hilfsprogramme bei den Unternehmen erzielten und wie diese mit der Umsetzung klarkamen. Für die Evaluation beauftragte das Ministerium die Ramboll Management Consulting GmbH.

Auswertung
Die Ergebnisse sollen dann nicht zuletzt „Handlungsempfehlungen für mögliche Hilfsprogramme in vergleichbaren Krisen aufzeigen“, teilt eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage mit. Wann das Gesamtergebnis kommuniziert wird, ist noch unklar.