Doro Moritz, Landeschefin der GEW, beklagt die Arbeitsbelastung der Lehrer Foto: dpa

Eine Umfrage der Bildungsgewerkschaft GEW unter 3000 Lehrern zeichnet ein düsteres Stimmungsbild unter den Pädagogen. Besonders bei bestimmten Schulformen.

Stuttgart - Ein Alarmzeichen, ein letzter Warnschuss für die Landesregierung sei dieses Papier, sagt Doro Moritz. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg bezieht sich damit auf eine neue Online-Umfrage, deren Ergebnisse sie am Mittwoch vorgestellt hat. „Unzufriedenheit, Frust und schlechte Arbeitsbedingungen an den Schulen sind kein Nährboden für engagiertes Anpacken von Veränderungen“, sagt die GEW-Landeschefin. Die Landesregierung hat noch zwei Jahre Zeit, um zu zeigen, dass sie es besser kann.“ Ganz oben auf der Wunschliste der Bildungsgewerkschaft steht neben einer besseren Kommunikation über die geplanten Reformen die Rücknahme der geplanten Streichung von 11 600 Lehrerstellen bis 2020.

An der Befragung im Internet nahmen seit Dezember fast 3000 Lehrer und Referendare aus Baden-Württemberg teil. Sie unterrichten zum größten Teil an Grundschulen (30 Prozent). Außerdem an allen anderen Schulformen wie etwa Haupt- und Werkrealschulen, Gymnasien, Realschulen oder Gemeinschaftsschulen. „Das ergibt ein solides Meinungsbild, das zeigt, dass die Zufriedenheit sehr niedrig ist“, sagt Moritz. Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung im Überblick.

Unsicherheit bei Inklusion

Dass sich viele der Befragten von anstehenden Reformen verunsichert fühlen, zeigt das Beispiel der Inklusion. Die Frage, wie gut sich die Lehrer auf die Einbeziehung behinderter Kinder in den Unterricht vorbereitet fühlen, beantworteten 60 Prozent der Pädagogen an allgemeinbildenden Schulen mit „sehr schlecht“. Beinahe 23 Prozent gaben an, „schlecht“ darauf vorbereitet zu sein. „Die Inklusion gilt unter den Lehrern als die am meisten misslungene Maßnahme der Landesregierung“, sagt die Vorsitzende der GEW. Doro Moritz.

Zeitmangel

„Als Belastungsfaktor gaben die Befragten vor allem Zeitmangel an“, sagt GEW-Vorsitzende Moritz. Mehr als 88 Prozent aller befragten Lehrer stuften die Belastung durch zu wenig Zeit als „hoch“ oder sogar „sehr hoch“ ein. Wie sehr die Lehrer unter Zeitdruck stünden, hängt nach den Ergebnissen der Studie von der jeweiligen Schulform ab. Am meisten klagten die Lehrkräfte an Gemeinschaftsschulen über den Druck durch mangelnde Zeit (92 Prozent antworteten mit „Hoch“ oder „Sehr hoch“).

Stellenstreichung

„Die Folgen von Stellenstreichungen bestimmt die Stimmung an den Schulen“, sagt Moritz. Angesichts rückläufiger Schülerzahlen will die Landesregierung bis zum Jahr 2020 insgesamt 11 600 Lehrerstellen abbauen, um die Vorgaben der Schuldenbremse einzuhalten. Den Lehrern schlägt diese Aussicht aufs Gemüt: Insbesondere auf Gymnasien und beruflichen Schulen schätzen die Pädagogen die Belastung durch Korrekturen als „sehr hoch“ ein.

Einstiegsgehalt

Verglichen mit anderen Berufen und mit Blick auf andere Bundesländer fällt das Gehalt von Berufseinsteigern im Land geringer aus. „Baden-Württemberg ist auf Platz 12 der Einstiegsgehälter“, sagt Doro Moritz. Ein Grundschullehrer im Südwesten verdient lediglich 2982 Euro brutto, während sein Kollege in Hamburg ein Gehalt von 3342 Euro brutto bekommt. Womöglich wirkt sich das auch auf den Nachwuchs im Land aus. Das Statistische Landesamt verzeichnet immerhin einen Rückgang der Bewerberzahlen aufs Lehramt. 10 Prozent weniger Anwärter als im Vorjahr belegten zum 1. März 2013 einen Ausbildungsgang für das Lehramt an Grund- und Werkreal-/Hauptschulen.

Rentenalter

Trotz der Belastung gehen Lehrer in Baden-Württemberg früher in Rente als noch vor einigen Jahren. Im Gegenteil: Im Durchschnitt stieg das Alter sogar. Während es im Jahr 2011 noch bei 62,8 Jahren lag, stieg es im vergangenen Jahr auf 63,1, wie Zahlen des Finanzministeriums belegen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: