Der neue Vorstandschef der Commerzbank verspricht die konsequente Umsetzung des Sanierungskurses: Nach einem Milliardenverlust steht nun der Abbau von 10 000 Stellen und Filialschließungen an. Doch Kosten senken reicht nicht, sagt Manfred Knof.
Frankfurt - Die Commerzbank soll durch den radikalen Sparkurs „möglichst schnell“ für eine profitablere Zukunft fit gemacht werden. „Wenn wir die Bank zukunftssicher aufstellen wollen, müssen wir sie grundlegend restrukturieren“, sagte der seit Jahresanfang amtierende Vorstandsvorsitzende Manfred Knof bei seinem ersten öffentlichen Auftritt auf der Bilanzpressekonferenz. Er habe Erfahrung in umfassenden Restrukturierungen, sagte der Manager, der zuvor das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank geleitet hatte. Künftig wolle man Profitabilität vor Wachstum stellen, zudem solle die Bank „digitaler“ werden. Kosten senken reiche nicht, man müsse auch eine neue Strategie entwickeln, sagte Knof und kündigte weitere Änderungen in den nächsten Wochen an. Dazu wird unter anderem ein neues „Preismodell“ auch für Privatkunden gehören – die Zeiten des kostenlosen Girokontos der Commerzbank könnten dann vorbei sein.
Auch Vorgänger Zielke wollte massiv Stellen streichen
Anders als sein Vorgänger Martin Zielke wolle er die „durchaus ambitionierten Ziele“ konsequent umsetzen. Auch Zielke hatte bereits vor knapp einem Jahr den Abbau von bis zu 10 000 Stellen und eine umfassende Ausdünnung des Filialnetzes im Auge, war aber am Widerstand einiger Großaktionäre gescheitert und hatte dann gemeinsam mit dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Schmittmann Anfang Juli seinen Rückzug angekündigt. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Jörg Vetter hatte sich dann im September für Knof als Nachfolger entschieden.
Knof gibt sich entschlossen
Der Sanierungsplan trage seine Handschrift, betonte der Vorstandschef. Dass die Bank eine „tiefgreifende Restrukturierung“ brauche, sei nicht neu. „Neu ist aber, dass wir die Veränderungen jetzt umsetzen – und zwar mit klarer Frist.“ Knof betonte: „Wer mich kennt, weiß, dass ich dabei sehr beharrlich sein werde. Mit halben Sachen gebe ich mich nicht zufrieden.“ Er habe den Plan gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen erarbeitet. Die müssen sich allerdings erst einmal mit dem Verzicht auf einen Bonus abfinden, da das Jahr 2020 für die Bank mit einem tiefroten Ergebnis endete. Der Verlust belief sich auf rund 2,9 Milliarden Euro. Darin enthalten sind gut 800 Euro für den geplanten Umbau, dessen Kosten auf insgesamt 1,8 Milliarden Euro veranschlagt werden. Zudem hat die Bank 1,6 Milliarden Euro auf „Altlasten“ durch die Übernahme der Dresdner Bank vor über zehn Jahren sowie auf die polnische Tochter M-Bank abgeschrieben.
Positives Ergebnis 2021?
Deutlich aufgestockt wurde auch die Vorsorge für mögliche Kreditausfälle, sie lag mit 1,75 Milliarden Euro fast drei Mal so hoch wie im Jahr zuvor. Operativ sei man eigentlich ganz gut durch die Krise gekommen, sagte Finanzchefin Bettina Ortlepp. Daher erwarte man auch für 2021 wieder ein positives Ergebnis. Die Aktionäre, zu denen auch der Bund gehört, der die Bank 2009 mit acht Milliarden Euro als Stiller Einlage gerettet hatte, müssen sich allerdings noch etwas gedulden. Erst für das Geschäftsjahr 2023 sieht der Plan wieder die Zahlung einer Dividende vor. 2024 soll dann der Gewinn in etwa so hoch ausfallen wie im vergangenen Jahr der Verlust.