Ehepaar, Eltern, DJ-Team und jetzt auch noch Modemacher: Uli und Michi Beck Foto: Beck to Beck

Von der Modeschule wurde Michi Beck abgelehnt. Jetzt entwirft der Fanta-4-Rapper mit seiner Frau Sweatshirts und T-Shirts, die Männer wie Frauen tragen können.

Berlin - Von der Modeschule in Reutlingen wurde Michi Beck abgelehnt. Jetzt entwirft der Fanta-4-Rapper mit seiner Frau Sweatshirts und T-Shirts, die Männer wie Frauen tragen können. Im Interview erzählen Ute und Michi Beck über ihr Verhältnis zu Mode und Musik.

Michi Beck, Sie sind Mitglied der Fantastischen Vier und TV-Coach bei „The Voice of Germany“, Sie sind mit Ihrer Frau Uli als DJ-Team unterwegs und Sie haben gemeinsam zwei Kinder. Haben Sie nicht sowieso schon genug zu tun? Warum gründen Sie jetzt auch noch ein Modelabel?
Michi Beck: Uli ist schuld.
Uli Beck: Wir sind beide sehr modeaffin, gehen gerne und oft auf Modenschauen, sind mit einigen Modemachern gut befreundet, und Michi liegt das total. Ich habe schon lange auf ihn eingeredet, dass er mal etwas in der Richtung machen solle.
Michi Beck: Schon bevor ich die Fantas kennengelernt habe, als ich das Karls-Gymnasium in Stuttgart vorzeitig verlassen musste, habe ich mich bei der Modeschule in Reutlingen beworben. Leider war ich nicht gut genug. Das ist meine späte Rache (lacht).
Bei der Band gelten Sie als der Styler. Sagen Sie, was man bei Fotoshootings und Konzerten tragen sollte?
Michi Beck: Ja. Und auch bei „The Voice“ überlege ich mir, was wir anziehen. Mode war schon immer ein Hobby von mir. Aber das mit dem Label konnte ich mir nicht vorstellen. War da der Zug als Oldschool-Rapper nicht schon längst abgefahren? In der dritten Staffel von „The Voice of Germany“ hatte ich einen Sweater von einem Freund an. Kurz nachdem das ausgestrahlt wurde, war der Pulli ausverkauft. Da habe ich dann Uli schließlich geglaubt, dass es vielleicht doch jemand interessiert, was ich so anziehe. Also haben wir mal ein paar Teile entworfen. Es hat aber fast ein Jahr gebraucht, bis nun die erste Kollektion fertig ist.
Ihre Mode ist Unisex. Warum sollen die Klamotten Männer und Frauen anziehen?
Uli Beck: Bei Sweatshirts und Hoodies mag ich eigentlich keine Frauenschnitte. Ich habe schon immer lieber Herren-Sweatshirts angezogen. Man muss nur eben von XS bis XXL anbieten.
Michi Beck: Dieses Unisex-Ding ist schlichtweg zeitgemäß. Bei Streetwear-Sachen ist eine Trennung zwischen Frauen- und Herren-Sachen nicht notwendig. Es ist allerdings auch nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Wir haben viel über T-Shirt-Armlängen, Ausschnittweiten, Material von Sweatshirts, Bündchen und so weiter nachgedacht. Da muss viel stimmen, dass man es wirklich Unisex nennen kann.
Das heißt bei der Familie Beck unterhält man sich abends auf dem Sofa über Bündchen. Sie kennen sich bald so lange wie die Fantastischen Vier. Wie ist Ihre Arbeitsteilung?
Uli: Es ist ganz erfrischend, dass man nach all den Jahren noch mal ein gemeinsames „Baby“ hat. Wir haben schon unsere Aufteilung. Michi ist unser Aushängeschild und hat mit dem täglichen Geschäft nicht so viel zu tun wie ich. Die Designs machen wir gemeinsam mit dem Grafiker Stephen Paris.
Michi Beck: Ich habe mich schon immer mit Uli ausgetauscht, habe von ihr auch immer Feedback zu den Klamotten der Fantas bekommen. Von den dreien, die eben nicht die modeinteressiertesten Menschen der Welt sind, kam ja nicht viel. Auch die Philosophie hinter der Mode haben wir entwickelt. „Blinded“ steht auf den Oberteilen der ersten Kollektion - das kann für „geblendet“ und „verblendet“ heißen. Das macht Mode so abstrus, aber auch so spannend. Mode ist ja eigentlich unnötig, aber auch Kunst, wenn sie gut gemacht ist. Man braucht die Mode. Jeder trägt sie.
Wer soll Ihre Mode tragen?
Michi Beck: Streetwear ist nicht mehr nur für junge Leute. Mit den Fantas haben wir ja schon Anfang der 90er die ersten deutschen Streetwear-Labels wie etwa Homeboy mit groß gemacht. Streetwear ist heute - wie eben auch Hip-Hop - volles Pop-Establishment. Wir haben gemerkt, dass das auch noch viele Leute jenseits der vierzig tragen. Man kann ein Sweatshirt gut mit Rock und High-Heels kombinieren. Deshalb nennen wir das, was wir machen, „sophisticated streetwear“. Die Zielgruppe ist schwer zu fassen.
Erinnern Sie sich noch an Ihre schlimmsten Modesünden?
Michi Beck: Das Abstruse ist ja, dass Modesünden nur für sehr kurze Zeit Modesünden sind. Als ich angefangen habe, mich für Mode zu interessieren, haben mich die Fotos meiner Eltern aus den sechziger Jahren fasziniert. Und wer hätte gedacht, dass 2001 auf einmal wieder Buffalo Boots zurück sind?
Uli Beck: Vor ein paar Jahren hat man noch gelacht, wenn Labels groß zu sehen waren. Jetzt trägt man sie wieder stolz auf der Brust. Eine wirkliche Sünde war bei mir nur, dass ich mir mal die Haare lila gefärbt habe.
Was haben Musik und Mode gemein?
Michi Beck: Musik und Fashion sind Pop. Sie inspirieren sich gegenseitig, wobei ich behaupten würde, dass Mode mehr von Musik beeinflusst wird als Musik von Mode. Man definiert sich über seinen Geschmack – und da sind Musik und Mode untrennbar.
Die Menschen, das Label

Uli Beck (42) ist in Stuttgart aufgewachsen, hat Informationsmanagement studiert. In Berlin arbeitete sie bei einer Filmproduktion und legte als DJane auf. Dann gründete sie mit ihrem Mann Michi Beck (50) gemeinsam das DJ-Team Beck to Beck.

Michi Beck ist Mitglied der Fantastischen Vier, die am 22. Juli bei den Jazz Open auf dem Stuttgarter Schlossplatz auftreten. Das Konzert ist ausverkauft. Die erste Kollektion von Beck to Beck mit Sweatshirts, Hoodies, T-Shirts und Caps ist ab Mitte Juli auf dem Markt. Die zweite Kollektion kommt im Herbst.

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