Uli Ferber hatte wesentlichen Anteil am Aufstieg der SG Sonnenhof Großaspach von einer Stammtischmannschaft zu einem Drittligateam. Am Sonntag geht es in der Regionalliga gegen den VfB Stuttgart II – ein besonderes Spiel für den ehemaligen Spielerberater?
Stuttgart - Uli Ferber war Berater von Stars wie Mario Gomez und Joshua Kimmich, Gründungsmitglied der SG Sonnenhof Großaspach und durch seine Ehefrau Andrea Berg auch in der Musikbranche tätig. Vor dem Regionalligaspiel gegen den VfB Stuttgart II (Sonntag, 14 Uhr/WIRmachenDRUCK Arena) spricht der 62-Jährige über die Veränderung im Beratergeschäft, die abhanden gekommene Dorfklub-Mentalität der SG und die Probleme des Amateurfußballs.
Herr Ferber, SG Sonnenhof gegen VfB II – ist das für Sie nach wie vor ein Spiel mit besonderem Reiz?
Mit beiden Clubs pflege ich langjährige Beziehungen, zum VfB nicht mehr so intensiv wie früher, aber klar: Für mich ist das eine interessante Partie mit einem gewissen Charme und Reiz.
Sie haben sich offiziell aus dem Beratergeschäft zurückgezogen. Warum?
Ich bin 62 Jahre, fühle mich zwar topfit, aber ich habe immer gesagt, wenn Mario Gomez und Aleksandr Hleb ihre Karriere beenden, dann höre ich im Tagesgeschäft als Berater auch auf. Ich habe genügend Aufgaben in unserem Familienbetrieb und habe sehr viel in der Musikbranche zu tun, das macht mir viel Spaß.
Mehr Spaß, als die Beratertätigkeit?
Das Beratergeschäft ist nicht mehr vergleichbar mit der Zeit, als ich Ende der 1990er Jahre begonnen habe. Von daher, ja, ich habe auch etwas den Spaß daran verloren.
Warum?
Oftmals fehlt die Identifikation und die Leidenschaft, mit der ich im Fußball groß geworden bin. Die Branche wurde schnelllebiger und die Verlässlichkeit ging teilweise verloren. Wenn ich früher zum Beispiel mit Uli Hoeneß beim FC Bayern München sprach, konnte ich sicher sein, dass alles, was wir besprochen und vereinbart haben, auch zu 100 Prozent umgesetzt wurde.
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Und heute?
Fehlt die Beständigkeit. Sehr viele Leute nehmen Einfluss auf Entscheidungen, und die handelnden Personen werden häufiger ausgetauscht. Sieht man sich ein Jugendspiel an, sind von den 100 Zuschauern drei Viertel davon Berater. Das ist ein Hauen und Stechen. Die Grundlage für eine vertrauensvolle Partnerschaft ist nicht mehr wie früher gegeben. Da hat der Fußball schon viel verloren, finde ich. Aber vielleicht liegt’s auch daran, dass ich aus einer anderen Generation stamme.
Auch die SG Sonnenhof hat viel von Ihrer Dorfklub-DNA verloren.
Was ich gerade angesprochen habe, ist auch nicht spurlos an der SG vorüber gegangen. Bei aller fortschreitenden Professionalität blieb der eigentliche Kern der SG, das was den Dorfklub ausmacht, auf der Strecke. Es ist immer noch ein riesiger Erfolg als Dorfklub in der Regionalliga zu spielen und viele Jahre in der 3. Liga gespielt zu haben. Und plötzlich war und ist das für alle normal.
Seit 2018 verschliss die die SG zehn Trainer, 2020 folgte der Abstieg aus der dritten Liga, danach stand man in der Regionalliga bisweilen auf einem Abstiegsplatz. Wie erklären Sie sich diese Turbulenzen?
Sie sprechen den sportlichen Bereich an und das sicherlich zurecht. Es wurden aber auch Fehler gemacht im ganzen Verein, da darf sich kein einziger aus der Verantwortung ziehen - egal ob Sport, Vorstand, Aufsichtsrat oder sonstwer. Denn unsere Dorfklub-Geschichte kann nur dann eine erfolgreiche Story sein, wenn man sie mit Demut lebt und sie authentisch ist. Diese Bescheidenheit und diese Galligkeit hat der SG in den vergangenen Jahren gefehlt. Diese Dorfklub-Mentalität muss dringend wieder rein in den Verein und das schafft man nur gemeinsam.
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Konnten Sie als Sponsor und Aufsichtsrat nicht früher gegensteuern?
Es ist seit 2018 ein neuer junger Vorstand im Amt. Klar wird intern geredet, klar gibt es auch unterschiedliche Ansichten. Wie gesagt es wird an der Zukunft der SG gearbeitet, die Analyse ist abgeschlossen, jetzt ist harte Arbeit gefragt.
Fehlen nicht auch Identifikationsfiguren wie einst Julian Leist, Daniel Hägele, Michele Rizzi, Pascal Breier, Pascal Sohm und Shqiprim Binakaj?
Sicherlich ein Punkt, ich glaube aber nicht, dass es allein daran hängt. Personelle Wechsel gab es auch zu unseren erfolgreichen Drittligazeiten immer wieder. Es ist immer das Anforderungsprofil entscheidend – und da schlägt für mich immer Mentalität Qualität.
Die aktuelle Truppe...
...ist sehr, sehr jung, es macht wieder Spaß zuzuschauen. Sie braucht aber Zeit und wenn wir in der Regionalliga drin bleiben, dann wäre das wieder ein erster Erfolg und wichtiger Schritt.
Wo wollen Sie mittelfristig mit der SG hin?
Ich habe immer gesagt, unser Verein wird sich irgendwo zwischen Oberliga und dritter Liga bewegen können, also ist die Regionalliga die richtige Spielklasse für uns. Ich habe diesen Verein vor 45 Jahren mit gegründet, habe praktisch schon alles gemacht – vom Linienrichter bis zum Präsidenten. Ganz ehrlich: Ich bin am liebsten Fan, der es mag, wenn es noch nach roter Wurst und Bier riecht. Das ist der Fußball, den ich liebe. Ich hoffe, dass es auch in Zukunft viele Visionen gibt, die mit Herzblut umgesetzt werden.
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Warum geht es nicht mehr Leuten so? Warum profitiert der Amateurfußball nicht stärker von der Kritik am Kommerz im Profifußball?
Zunächst glaube ich schon, dass der Profifußball an Akzeptanz verloren hat. Bei den Amateuren hängt viel damit zusammen, dass es immer schwieriger wird, Leute fürs Ehrenamt zu begeistern. Es ist nicht sexy, im Amateurbereich zu arbeiten. Deshalb müssen die Ehrenamtlichen dringend stärker unterstützt werden, denn sie sind Multiplikatoren. Nur mit ihnen und ihrem Netzwerk kann ich Aktionen auf die Beine stellen, damit auch mehr Zuschauer auf die Sportplätze kommen.
Von den Amateuren zum Schluss noch zum VfB. Wohin geht die Reise der Profis?
Ich wünsche dem VfB, dass er mittelfristig ins vordere Drittel der Tabelle kommt, da gehört er von der Tradition, von der Stadt, von den Möglichkeiten her hin.
Uli Ferber
Vita
Uli Ferber wurde am 19. September 1959 in Backnang geboren. Als Spieler schaffte er unter dem Trainer Ralf Rangnick beim FC Viktoria Backnang den Sprung in die Landesliga. Mit Freunden gründete er 1982 den FC Sonnenhof Kleinaspach e.V. Das Team startete zunächst in der Freizeitliga. Schritt für Schritt ging es nach oben. 1994 erfolgte die Fusion des FC und der Spvgg Großaspach zur heutigen SG Sonnenhof Großaspach. 2014 gelang der Sprung in die dritte Liga, seit 2020 spielt das Team in der Regionalliga. Seit 1999 besitzt Ferber die offizielle Fifa-Lizenz für Spielerberater.
Privates
Ferber hat im elterlichen Betrieb Bäcker und Konditor gelernt. Er ist zudem Hotelfachmann. Seit 2007 ist er mit Schlagerstar Andrea Berg verheiratet. Ferber hat zwei Söhne aus erster Ehe, Andreas (38, verheiratet mit Schlagersängerin Vanessa Mai) und Michael (36, Vorstandsmitglied der SG und Geschäftsführer des Hotels Sonnenhof). Ferbers Nichte Katrin Boysen-Ferber ist mit dem Fußball-Lehrer Hans-Jürgen Boysen verheiratet. (jüf)