Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, steht offenbar vor seiner Abberufung. Foto: Annette Riedl/dpa

Der streitbare ukrainische Botschafter Andrij Melnyk ist auch für seine Regierung zu einer Belastung geworden, bilanziert Norbert Wallet.

Andrij Melnyk ist ein streitbarer Kopf. Einer, der die Hitze des politischen Gefechts nicht scheut und weiß, dass man sich dabei verbrennen kann. Er hat Debatten angestoßen und war anstößig. Er ist einer, der ukrainische Positionen schmerzhaft klar machen kann. Er ist ein Provokateur, ein Polemiker und einer, der die Interessen und Sichtweisen seines Landes laut und geschickt medial platziert. Nur eines ist er nicht: ein guter Diplomat.

 

Abberufung ist eine logische Konsequenz

Die Rolle des Diplomaten besteht darin, Dinge geräuschlos zum Laufen zu bringen. Diplomatie macht Prozesse gangbar, versperrte Wege begehbar, räumt Hindernisse leise aus dem Weg. Allein schon, dass man sich bei jeder Äußerung Melnyks erst fragen musste, ob er jetzt für sich spricht oder tatsächlich für die ukrainische Regierung, ist nicht akzeptabel. Nun hat er mit seinen abwegigen Äußerungen zum ukrainischen Nationalistenführer Bandera seine eigene Regierung gegenüber Polen, dem vielleicht treuesten Verbündeten, in eine heikle Situation gebracht. Seine Abberufung, die nun offenbar bevorsteht, wäre eine logische Konsequenz. Nach all seinen knalligen Auftritten muss man sagen: Es ist gut, dass er geht.